Der Iran hat den während der Proteste von 2022 festgenommenen Mehrab Abdollahzadeh hingerichtet. Auslöser der Bewegung war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini in Gewahrsam der Sittenpolizei.
Die iranische Justiz meldet, dass der 29-jährige Mehrab Abdollahzadeh aus der nordwestiranischen Stadt Urmia am Sonntag hingerichtet worden ist. Sicherheitskräfte hatten ihn dort vor mehr als drei Jahren bei massiven Protesten festgenommen, die Teil der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ im Jahr 2022 waren.
Ein Gericht verurteilte ihn wegen „Verderben auf Erden“ (Mofsed-e-filarz) zum Tode. Die Behörden werfen ihm vor, an der Tötung von Abbas Fatemiyeh beteiligt gewesen zu sein, einem Mitglied der vollständig aus Freiwilligen bestehenden paramilitärischen Basidsch-Miliz.
Menschenrechtsgruppen berichten, im Gefängnis sei er körperlich und psychisch gefoltert worden, um ein erzwungenes Geständnis zu seiner angeblichen Beteiligung an der Tötung des Sicherheitsbeamten zu erlangen.
Nach ihren Angaben geschah dies, weil Videoaufnahmen vom Tatort zeigen, dass Abdollahzadeh dort nicht anwesend war. Er selbst bestritt jede Beteiligung an der Tötung.
Die Hinrichtung von Mehrab Abdollahzadeh folgt auf die umstrittenen Exekutionen von Yaghoub Karimpour und Nasser Bakerzadeh am Samstag. Die Justiz hatte ihnen vorgeworfen, „nachrichtendienstlich mit Israel zusammengearbeitet“ zu haben.
Die iranische Justiz behauptet, Yaghoub Karimpour habe während des Zwölf-Tage-Kriegs im vergangenen Jahr mit dem israelischen Geheimdienst Mossad zusammengearbeitet und sensible Informationen übermittelt, um deren Angriffe zu koordinieren.
Außerdem wurde am Donnerstag in Isfahan auch Sassan Azadwar Junghani hingerichtet. Er war ein 21-jähriger Karate-Champion, den Sicherheitskräfte im Januar bei landesweiten regierungskritischen Demonstrationen festgenommen hatten.
Die iranische Justiz hat unter Verweis auf angebliche Kriegsbedingungen Verfahren und Hinrichtungen deutlich beschleunigt. Das schürt die Sorge vor weit verbreiteten Menschenrechtsverletzungen im Land.
Als Reaktion auf die Kritik erklärte der Chef der iranischen Justiz, Gholamhossein Mohseni Ejei, Teheran werde „bei der Verhandlung und gesetzlichen Bestrafung der Verbrecher, deren Hände mit dem Blut unseres Volkes befleckt sind, keine Nachsicht üben“.
Auch der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, zeigte sich angesichts der neuen Hinrichtungswelle besorgt. Die Rechte der iranischen Bevölkerung würden von den Machthabern „auf schwerwiegende und gewaltsame Weise“ ausgehöhlt, sagte er.
In der vergangenen Woche teilten die Vereinten Nationen mit, der Iran habe seit Beginn des von den USA und Israel geführten Kriegs gegen das Land am 28. Februar mindestens 21 Menschen hingerichtet und mehr als 4.000 festgenommen. Seit dieser Mitteilung seien mindestens vier weitere Exekutionen bekannt geworden.
Neun der seit dem 28. Februar Hingerichteten standen im Zusammenhang mit den Januar-Protesten. Zehn weitere wurden wegen Mitgliedschaft in Oppositionsgruppen getötet, zwei wegen Spionagevorwürfen, teilte das UN-Menschenrechtsbüro in Genf mit.
Die Behörde ergänzte, seit dem 9. März seien Schätzungen zufolge mehr als 4.000 Menschen im Iran wegen Vorwürfen im Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit festgenommen worden.