Europa hat weniger Tech-Giganten als die USA, überzeugt aber mit Dichte: Gent, London und Paris zählen laut neuem Index zu den stärksten Tech-Standorten. Osteuropa holt bei den Rising Stars auf.
Europa hat zwar nicht so viele Tech-Giganten wie die USA, doch seine Stärke liegt ohnehin woanders. Der alte Kontinent punktet vor allem mit Dichte, heißt es im neuen Global Tech Ecosystem Index.
Nach Berechnungen von Dealroom.co, einer globalen Datenplattform für Start-ups und Tech-Ökosysteme, beherbergt Europa im Verhältnis zur Bevölkerungszahl mehr besonders leistungsstarke Tech-Ökosysteme als jede andere Region der Welt.
Nach Cambridge liegt das belgische Gent in Europa auf Rang zwei unter den Städten mit weniger als einer halben Million Einwohner.
Der Grund ist der hohe Unternehmenswert pro Kopf. In Gent steckt dahinter Argenx, ein Biotech-Unternehmen mit einer Bewertung von 41 Mrd. Euro. Hinzu kommt laut Dealroom.co eine "Deep-Tech- und Life-Sciences-Spin-off-Pipeline, die den Gesamtwert des Ökosystems stetig erhöht". Dazu passt eine hohe Gründungsquote: viele Gründer kommen von der Universität Gent.
Parallel dazu baut die belgische Stadt mit ihren weniger als 300.000 Einwohnern einen neuen Software-Sektor auf. Ein aktuelles Beispiel ist Aikido Security, eine entwicklerzentrierte Sicherheitsplattform
Rekordinvestitionen in KI treiben London weltweit auf Platz vier
Im Gesamtranking gibt es dagegen wenig Überraschungen. Es listet die erfolgreichsten Ökosysteme nach Höhe der Wagniskapitalinvestitionen, Unternehmenswert, Dynamik, Zahl der Unicorns (privat gehaltene Start-ups mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Dollar) und Stärke der Hochschulnetzwerke.
Die USA dominieren weiterhin von der West- bis zur Ostküste. Die Bay Area liegt auf Platz eins, New York folgt auf Rang zwei, Boston komplettiert die Top drei.
Europa liegt jedoch nicht weit zurück. London hat sich mit Rang vier weltweit den Titel als führendes Tech-Ökosystem Europas zurückgeholt, Paris im Jahr 2026 überholt und liegt im globalen Ranking vor Los Angeles, Austin und Tel Aviv.
Die Stadt gehört weiterhin zu den weltweit führenden Zentren für KI, Fintech und Deep-Tech-Innovationen. Derzeit profitiert sie von Rekordinvestitionen in KI: sechs Mrd. Euro im Jahr 2025 nach 3,9 Mrd. Dollar im Jahr 2024. Das sorgt für einen stetigen Nachschub an Unicorns.
"Im vergangenen Jahr sammelten Tech-Firmen aus London 15,3 Mrd. Euro ein, ein Plus von 45 Prozent gegenüber 2024. In der Stadt sind inzwischen 138 Unicorns zu Hause, darunter Wayve, Granola, OLIX und ElevenLabs", erklärten die Forschenden von Dealroom.co gegenüber Europe in Motion.
Parallel dazu bleibt Paris stark, besonders im Bereich der Künstlichen Intelligenz.
Start-ups der Stadt warben 4,3 Mrd. Euro an Wagniskapital ein. Paris ist Heimat führender Unternehmen wie Mistral, AMI Labs und Mirakl. KI steht inzwischen für rund 30 Prozent der VC-Investitionen in Europa und "unterstreicht damit den Fokus der Region auf Zukunftstechnologien", so Dealroom.co.
Stockholm auf Platz 19 ist die einzige weitere europäische Stadt in den weltweiten Top 20.
Rising Stars im Index: Aufsteiger holen rasant auf
Istanbul belegt in der globalen Tech-Szene Rang drei der Rising Stars, hinter Mumbai in Indien auf Platz eins und Hefei in China auf Rang zwei.
Kyjiw liegt derzeit auf Platz acht und hat im Vergleich zu 2025 einige Ränge eingebüßt. Grund ist das eher verhaltene Wachstum des Marktes für Elektrofahrzeuge seit 2019, der dort nur um das 4,3‑Fache zulegte. Andere Städte wie Athen mit 6,7‑fachem oder Zagreb mit 14‑fachem Wachstum kommen auf deutlich höhere Werte.
Richtet man den Blick auf Europa, rückt Zagreb in den Fokus. Die Stadt ist derzeit der am schnellsten wachsende Tech-Hub in der EU und liegt weltweit auf Rang elf.
Generell scheint Osteuropa an Fahrt zu gewinnen: Athen (Platz zwei), Sofia (Platz drei), Prag (Platz vier) und Vilnius (Platz fünf) gehören im EU-Raum zur Spitze.
Allerdings betont Dealroom.co, dass das Ranking der Rising Stars auf aufstrebende Ökosysteme mit noch wenig gefestigter Basis zugeschnitten ist. "Dass hier vor allem zentraleuropäische Städte aufsteigen, zeigt daher vor allem die Dynamik ihrer Ökosysteme und weniger eine Verlagerung der globalen Innovationszentren."