Startup-Paradies Katar: Der Web Summit in Doha soll den deutschen Mittelstand nach vorne bringen. Rund 30.000 internationale Teilnehmer und 2.000 internationale Investoren sind eine Riesenchance für die deutschen Startup Unternehmen.
Mehr als 200 deutsche Tech-Startups und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind zum Web Summit in Katar angereist - einer der bedeutendsten Plattformen für Technologie und Innovation.
Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage bietet der Web Summit in Doha für deutsche Unternehmen eine besondere Möglichkeit, ihr Netzwerk im Nahen Osten auszubauen und neue Investoren zu gewinnen.
Andreas Jahn, Außenpolitischer Leiter des Bundesverbandes mittelständischen Wirtschaft (BVMW), äußerte auf Euronews-Nachfrage aus Doha: "Für uns als Verband ist es natürlich wichtig, solchen Firmen eine Chance zu geben, sich in dem Umfeld zu positionieren und zu schauen, wie der Startup-Standort Deutschland gestärkt und mit einer besseren Resilienz versehen werden kann."
Laut Jahn gehe es darum, bestimmtes Venture-Kapital einsammeln zu können, um den guten Ideen der Startups zum Durchbruch zu verhelfen - höchste Zeit für den Deutschen Mittelstand.
Der deutsche Mittelstand tritt auf der Stelle
Laut einer Jahresumfrage des BVMW bewertet nur etwa ein Drittel der befragten Mittelständler die aktuelle Geschäftslage als gut. 28 % der Unternehmen sehen ihre Lage als schlecht an. Mehr als 40 % rechnen für 2026 mit einem geringeren Investitionsvolumen im Vergleich zu 2025. Nur weniger als ein Viertel plant, seine Investitionen 2026 zu erhöhen – ein Zeichen wirtschaftlicher Zurückhaltung.
Verstärkt wird diese verhaltene Stimmung im Mittelstand durch die gestiegenen Energiekosten: 52 % der Mittelständler berichten von gestiegenen Energiekosten im Vergleich zum Vorjahr, was ihre finanziellen Spielräume einschränkt.
Das wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus: Nur 27 % der Unternehmen planen, neues Personal einzustellen. 19 % planen dagegen personelle Reduzierungen.
Die Präsenz deutscher Startups auf dem Web Summit in Doha könnte Bewegung in die stagnierende wirtschaftliche Lage des deutschen Mittelstandes bringen. Erwartet werden nämlich rund 30.000 internationale Teilnehmer und 2.000 internationale Investoren - eine echte Chance für die deutschen Startups.
Jahn ist zuversichtlich: "Am Ende des Tages kommt es natürlich auch auf das Made in Germany an", sagt er. "Die Kataris haben ein enormes Interesse, sich proaktiv zu vernetzen und entsprechend in die Technologien zu investieren."
Warum Katar?
Katar bietet den deutschen Tech-Unternehmen eine besondere Gelegenheit, sich und ihre Produkte zu präsentieren und Investoren zu gewinnen. Denn Katar zählt zu den am schnellsten wachsenden Technologiestandorten der Welt. Durch seine strategische Lage verbindet es Europa, Afrika und Asien und bietet Start-ups direkten Zugang zu internationalen Investoren. Mit der Qatar Investment Authority, QIA, bietet Katar direkten Zugang zu Förderprogrammen. Zudem verfügt die Region über Kontakte zu großen Tech-Märkten in Singapur, Taiwan, Indien oder Südkorea.
"Die Kataris sind sehr technologieaffin", sagt Jahn. Es gäbe sehr gute Möglichkeiten, die Stakeholder mit den entsprechenden Ideen in Verbindung zu bringen und Brücken zu bauen, erklärt Jahn.
Katar setzt auf europäische Partner und ihre innovativen Lösungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Mit ihrer Präsenz in Doha setzten deutsche Startups als international ausgerichtete Technologieunternehmen ein Zeichen und bieten selbst der starken Konkurrenz die Stirn.
"Wir haben hier einen starken italienischen Pavillon, aber auch die Spanier sind mit vielen Unternehmen vertreten, nicht zuletzt Frankreich", sagt Jahn. Doch der mit Abstand zentralste und meistbeachteste Pavillon sei der Deutsche.
Hoffnung in die Politik
Jahn setzt seine Hoffnung auch in die Politik. Vom 4. bis 6. Februar 2026 reist der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz nach Saudi Arabien, Katar und in die Vereinten Arabischen Emirate. Die Reise sollen Partnerschaften in der Golfregion vertiefen.
"Die Erwartungen sind entsprechend hoch", berichtet Jahn. Die Reise würde den katarischen Partnern eindeutig zeigen, dass Deutschland ein echtes Interesse an einer guten Zusammenarbeit mit allen Ländern der Golf-Region habe, so Jahn.
Der German Startup Pavillon wird vom The German Mittelstand GCC Office – der offiziellen GCC-Vertretung des BVMW (Bundesverband mittelständische Wirtschaft) – in strategischer Partnerschaft mit dem katarischen Ministerium für Handel und Industrie (MoCI) gemanaged und unterstützt durch die Deutsche Botschaft in Katar sowie führende Partnerinstitutionen.