Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Bericht: Europa droht Abhängigkeitsfalle im KI-Handel mit USA und Asien

Europa verfügt im Bereich KI nicht über vergleichbare Mittel und Investitionen wie die USA. Der Kontinent könnte daher von US-Anbietern abhängig werden.
Europa verfügt nicht über vergleichbare Ressourcen und Investitionen in KI wie die USA. Der Kontinent könnte dadurch von US-Anbietern abhängig werden. Copyright  Canva
Copyright Canva
Von Anna Desmarais
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Europa ist bei vielen KI-Infrastrukturen auf Asien angewiesen, und US-Konzerne dominieren zahlreiche Technologiemärkte. Das setzt den Kontinent unter Druck.

Europa läuft Gefahr, in eine technologische „Abhängigkeitsfalle“ zu geraten. Hintergrund ist, dass Künstliche Intelligenz (KI) den Welthandel und die wirtschaftlichen Machtverhältnisse umbaut, heißt es in einem neuen Bericht.

WERBUNG
WERBUNG

Die Studie des Versicherers (Quelle auf Englisch) Allianz kommt zu dem Schluss, dass sich die Weltwirtschaft um Technologiebranchen wie Cloud-Computing, Rechenzentren und Halbleiter neu ordnet. In diesen Bereichen steht Europa deutlich schwächer da als die Vereinigten Staaten und Asien.

Asien dominiert den Export von KI-bezogenen Gütern und steht für 65 % dieses Marktsegments. Sieben der zehn größten KI-Exporteure kommen aus der Region. Die Branche wächst von 1 Billion Dollar (880 Milliarden Euro) im Jahr 2014 auf voraussichtlich 3,8 Billionen Dollar (3,3 Billionen Euro) bis 2025.

Die USA haben ihre KI-bezogenen Importe seit 2023 verdreifacht, vor allem wegen der massiven Investitionen in Rechenzentren und Cloud-Computing. Fast die Hälfte aller weltweiten Rechenzentren steht auf ihrem Staatsgebiet.

In Europa stiegen die Importe im gleichen Zeitraum nur um 40 %. Allianz sieht darin eine wachsende „Infrastrukturlücke“.

Die EU spielt in der globalen KI-Wertschöpfungskette nur eine „bescheidene“ Rolle. Das verschafft der Region wenig strategischen Spielraum und macht sie anfällig für Störungen der Lieferketten, heißt es in dem Bericht.

Abhängigkeit von einem amerikanischen „Kill Switch“

US-Technologiekonzerne kontrollieren bis zu 40 % der in Europa verfügbaren Rechenleistung und fast die Hälfte der geplanten Rechenzentrumsprojekte.

Diese Unternehmen profitieren von einem schwachen Markt für private Unternehmensinvestitionen und von geringer Konkurrenz durch lokale Anbieter, so der Bericht.

US-Anbieter halten zudem einen Marktanteil von 80 % am europäischen Cloud-Computing-Markt, erwirtschaften 59 % der Umsätze mit Unternehmenssoftware in Europa und kommen auf 73 % Marktanteil bei Kundenmanagement-Software. Für Anbieter aus anderen Regionen bleiben nur die verbleibenden Margen, heißt es. Strukturelle Hürden, zersplitterte Regulierung, komplizierte Genehmigungsverfahren, Verzögerungen beim Netzanschluss, das Fehlen eines heimischen Hyperscalers und wenig Wagniskapital oder staatliche Förderung verfestigen diese Abhängigkeit.

Europa ist zudem auf Hardware aus Asien angewiesen, etwa Grafikprozessoren (GPUs), die für das Training von KI-Modellen nötig sind. Die EU importiert 57 % ihrer IT-Ausrüstung und mehr als die Hälfte der für Rechenzentren benötigten Hardware aus fünf asiatischen Ländern: Taiwan, China, Südkorea, Malaysia und Vietnam.

Diese Abhängigkeit von asiischer Hardware ergänzt laut Bericht die starke US-Ausrichtung. Sie nimmt weiter zu, wenn Europa in diesem Bereich nicht eigenständig investiert.

Vor diesem Hintergrund steht Europa dauerhaft unter der Drohung eines US-„Kill Switch“ für Clouddaten. Die USA könnten diese Dienste jederzeit abschalten, heißt es weiter. Dadurch droht ein wachsendes Ungleichgewicht bei digitalen Dienstleistungen zwischen EU und USA, falls KI-Märkte vor allem im Ausland entstehen.

Europas „doppeltes Defizit“

Der Kontinent leidet unter einem „doppelten Defizit“: zu wenig privates Kapital und eine zersplitterte öffentliche Politik. In den USA investieren Unternehmen Hunderte Milliarden in KI-Infrastruktur, in China bündelt der Staat die Gelder.

Europa muss regulatorische Hürden und Kapitalengpässe abbauen, um nicht in eine technologische Abhängigkeitsfalle zu geraten, mahnt die Studie.

So erschweren begrenzte Flächen in den Städten, komplizierte Genehmigungsverfahren und Umweltauflagen den Bau von Rechenzentren. Manche Projekte brauchen bis zu vier Jahre, bevor sie starten können.

In einigen Regionen Europas ziehen sich Rechenzentrumsprojekte sogar bis zu fünf Jahre hin. Anbieter können ihre Anlagen dort nicht an veraltete Stromnetze anschließen, die nur begrenzte Kapazitäten haben und die hohen Lasten neuer Zentren nicht verkraften, heißt es weiter.

Trotz dieser Risiken sieht der Bericht weiterhin Wettbewerbsvorteile Europas im industriellen Anlagenbau, bei Automatisierungslösungen und bei regulativer KI.

Positiv hervorgehoben werden Initiativen für souveränes Cloud-Computing in Frankreich und Schweden. Sie zielen darauf ab, staatliche Dienste von US-Technologiekonzernen wie Google oder Amazon Web Services (AWS) zu lösen und stattdessen in europäische Lösungen zu investieren.

Diese Projekte gelten als vielversprechende „Gegengewichte“, bleiben derzeit aber noch klein im Maßstab, so der Bericht.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Größter Wettbewerb für KI-Persönlichkeiten: Sind virtuelle Influencer die Zukunft?

Warum Europas Unternehmen KI-Tools meiden

Deutschland startet 125-Millionen-Euro-Offensive für europäische Spitzen-KI