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Nach WM-Pleite: Nagelsmann nicht mehr Nationaltrainer, DFB spricht mit Klopp

Bundestrainer Julian Nagelsmann, bei einer Pressekonferenz während der Weltmeisterschaft 2026, Foxborough, 28. Juni 2026 (AP Photo/Martin Meissner)
Bundestrainer Julian Nagelsmann, bei einer Pressekonferenz während der Weltmeisterschaft 2026, Foxborough, 28. Juni 2026 (AP Photo/Martin Meissner) Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Eduard Wolter
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Nach enttäuschender WM: Julian Nagelsmann ist nicht mehr Trainer der deutschen Nationalmannschaft, er bedankte sich bei den Fans und zog die Konsequenzen aus dem insgesamt schwachen Auftritt bei der WM 2026. Der DFB spricht bereits mit Jürgen Klopp, dieser habe seine Bereitschaft signalisiert.

Auf Vorschlag von DFB-Präsident Bernd Neuendorf haben die DFB-Gremien heute einstimmig die sofortige Auflösung des Vertragsverhältnisses mit Bundestrainer Julian Nagelsmann beschlossen, so der DFB heute in einer Pressemitteilung.

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"Julian Nagelsmann hatte bereits am Vortag in einem vertraulichen Gespräch mit der Verbandsspitze darum gebeten, ihn nach dem enttäuschenden Verlauf der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko von seinen Aufgaben zu entbinden", so der DFB. Diesem Wunsch wurde nunmehr seitens der Gesellschaftervertreter und des Aufsichtsrats entsprochen.

Bernd Neuendorf sagte: "Der Deutsche Fußball-Bund bedankt sich ausdrücklich bei Julian Nagelsmann für die seit September 2023 geleistete Arbeit." Nagelsmann habe sich durch hohe Einsatzbereitschaft und außerordentlichen Ehrgeiz ausgezeichnet. "Julian Nagelsmann ist darüber hinaus ein überaus verantwortungsbewusster und aufrichtiger Mensch, den wir alle schätzen."

Nagelsmann: "Ein besonderer Dank gilt auch den Fans. Ihr habt uns getragen"

Julian Nagelsmann selbst erklärte: "Ich habe in den vergangenen Tagen seit dem Ausscheiden viel nachgedacht und mich mit Vertrauten in meinem persönlichen Umfeld und im Verband ausgetauscht. Die Entscheidung ist mir alles andere als leichtgefallen. Mein oberstes Ziel war immer der Erfolg der Mannschaft. Sie hat nach so einer herben Enttäuschung die Chance auf einen unbelasteten Neuanfang verdient."

Er bedankte sich beim Trainerteam, dem sogenannten Staff, und beim DFB. Weiter erklärte er: "Ein besonderer Dank gilt auch den Fans. Ihr habt uns getragen, ihr habt uns vertraut, ihr habt uns Energie gegeben, selbst in schwierigen Phasen. Es tut mir von Herzen leid und weh, dass wir euch enttäuscht haben und euch keine weiteren Fußballnächte bei dieser WM bescheren konnten. Ihr hättet viel mehr verdient gehabt!"

Sportdirektor Rudi Völler, der Nagelsmann ins Amt hob und ihn stets unterstützt hat, sagte: "Nach dem für ausnahmslos alle enttäuschenden WM-Aus verdient Julians Entscheidung unseren Respekt, weil er Verantwortung übernimmt, wo er gerne weiter gestalten würde, und die Nationalmannschaft als Ganzes über die eigene Person stellt. Natürlich hätten wir uns alle einen anderen Ausgang des Turniers und eine überzeugendere Leistung unserer Mannschaft gewünscht. Aber Julian ist und bleibt ein exzellenter Trainer, und ich bin überzeugt, dass er seinen Weg weiter erfolgreich gehen wird. Ich bin Julian aufrichtig dankbar für die vertrauensvolle und freundschaftliche Zusammenarbeit."

Klopp hat Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert

Zu einem Nachfolger schreibt der DFB: "Hinsichtlich der Neubesetzung des Trainerpostens wird die DFB-Spitze nunmehr das Gespräch mit Jürgen Klopp suchen. Er hat bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert."

Die Kritik gegen Nagelsmann wurde nach dem Aus gegen Paraguay immer lauter. So sagte Ex-Nationaltrainer und Weltmeister von 1990 Jürgen Klinsmann beim TV-Sender ESPN: "Die Art und Weise, wie wir rausgeflogen sind, ist eine riesige Enttäuschung. Die Mannschaft war nicht darauf vorbereitet, die Kontrolle in den 120 Minuten zu übernehmen. Sie hatte zu wenig Energie, war nicht entschieden und aggressiv genug, um den Kampf gegen ein sehr starkes Team aus Paraguay anzunehmen."

Kritik an Nagelsmann wurde täglich lauter

Der Weltmeister von 2014 und TV-Experte Mats Hummels sagte bei MagentaTV: "Es muss sich auf der Trainerposition etwas ändern", man müsse klären, "was in den knapp vier Jahren Amtszeit richtig gut war und was nicht so gut war. Dann werden Entscheidungen getroffen, aber es ist schon irgendwo schwer vorstellbar für mich, dass es so weitergehen soll." Insgesamt habe Nagelsmann "schmallippig" und "patzig" auf ihn gewirkt. Hummels kritisierte vor allem die Kommunikationsfähigkeiten von Nagelsmann: "Das ist eine große Baustelle, die er auch in den nächsten Jahren für sein Trainerdasein, vor allem auch auf einer so großen Bühne, wenn du Nationaltrainer bist, noch verbessern muss."

Auch Didi Hamann, ehemaliger Nationalspieler, äußerte massive Kritik an Nagelsmann. Während der Heim-EM, in der WM-Qualifikation und auch jetzt bei der WM habe es kaum gute Spiele gegeben, sagte Hamann beim irischen Sender RTÉ. Er warf Nagelsmann mangelndes Engagement vor: "Offensichtlich ist es der Trainer. Es ist der Job eines Trainers, die Jungs zusammenzubekommen. Das ist ein Typ, der selten Spiele schaut. Er war nicht einmal in Mailand, um Bisseck zu sehen, einen Spieler, den er mit zur WM hätte nehmen sollen. Er war in zweieinhalb Jahren nie in Brentford, um Schade zu beobachten, einen Spieler, der letzte Saison zehn Tore erzielt hat. In der Bundesliga schaut er vielleicht ein, zwei Spiele im Monat."

Didi Hamann: Nagelsmann hat zu selten Spiele geschaut

Nagelsmann sei weder bei Champions-League-Spielen noch beim Afrika-Cup oder bei der Klub-WM in den USA gewesen, um gegnerische Spieler, Teams oder die örtlichen Gegebenheiten zu analysieren. Hamanns Fazit: "Deswegen habe ich keine Sympathie für ihn. Ich glaube, er und das Team haben bekommen, was sie verdient haben."

Ausführliche Kritik übte jüngst auch Thomas Hitzlsperger in der ARD-Sportschau an Julian Nagelsmann. "Dieses Amt heißt auch, Souveränität auszustrahlen, das hat er nicht. Er hat vor der WM viele Baustellen aufgemacht, die unnötig waren, kommunikativ." Hitzlsperger nannte als Beispiele den Umgang mit Stürmer Undav sowie die Nominierung von Manuel Neuer und die Zurückstufung von Oliver Baumann.

Thomas Hitzlsperger: Nagelsmann fehlt Lebenserfahrung

Der WM-Dritte von 2006 und Deutsche Meister 2006/2007 mit dem VfB Stuttgart sagte dazu wörtlich: "Da ist meine Schlussfolgerung, dass er ein toller Trainer und sehr erfahren als Trainer ist, aber er hat wenig Lebenserfahrung und als Bundestrainer vielleicht ein bisschen zu wenig Lebenserfahrung."

Hitzlsperger begründete seine Kritik so: "Er ist noch nicht groß herumgekommen. Er war in Deutschland Trainer, in der Jugend, dann bei Bayern, dann auch bei Leipzig und Hoffenheim. Aber dann als nächsten Schritt Bundestrainer zu werden, da ist mein Eindruck, da hat er in der Außendarstellung noch Nachholbedarf." Nagelsmann habe nicht genug darauf geachtet, unter welcher öffentlichen Beobachtung ein Bundestrainer stehe. Nagelsmann sei zum Beispiel zu selten in Bundesligastadien gewesen und habe nicht bedacht, dass sich die Leute fragten, wo der Bundestrainer sei.

Auch seine Sturheit in Sachen Leroy Sané habe viele vor den Kopf gestoßen. Hitzlspergers Fazit: "Er wirkt auf mich immer noch sehr selbstbewusst, auch im Misserfolg. Ein paar der Aussagen von gestern erwecken bei mir nicht den Eindruck, als hätte er verstanden, was da gerade passiert ist."

Nächste Spiele: 24. September gegen die Niederlande

Am 24. September findet in den Niederlanden gegen das Oranje-Team das nächste Spiel der Nationalmannschaft in der Nations League statt. Im Laufe des Jahres folgen dann Spiele gegen Griechenland und Serbien.

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