WM-Aus für die deutsche Nationalmannschaf. Die DFB-Elf unterliegt Paraguay 4:5 im Elfmeterschießen. Ein Elferdebakel bei einer WM ist eine Premiere für die Fußballnation Deutschland. Gegen limitierte, defensiv zermürbende Südamerikaner können harmlose, ideenlose Deutsche ohne Tempo nicht gewinnen.
Deutschlands Kapitän Joshua Kimmich fasst bei MagentaTV das Debakel im K.O.-Spiel gegen Paraguay zusammen: „Klar ist, dass wir schon wieder früh ausgeschieden sind, weil wir hier einen schwachen Gegner nicht schlagen konnten.“ Man habe es nicht geschafft, viele Torchancen zu kreieren, bekomme in jedem Spiel ein Gegentor, müsse dann einem Rückstand hinterher laufen. Das sei, wenn man alle Spiele zusammennehme, deutlich zu wenig. Auch beim Elfmeterschießen wird der Bayern-Star deutlich: „Normal darf es gegen so einen Gegner – beim allem Respekt – gar nicht zu einem Elfmeterschießen kommen, wir hatten 120. Minuten Zeit, zwei Tore zu machen und weil wir das nicht schaffen, verlieren wir das Spiel.“
Kapitän Kimmich: "Dafür tragen wir alle Verantwortung"
Dann wird Kimmich im TV emotional: „Ich kenne Deutschland als Kind vom Fernsehen, da war immer Halbfinale, Finale, natürlich will man das auch den Kindern und Menschen und auch der jetzigen Generation gern geben und Fakt ist, dass wir das all den Menschen zuhause nicht geben konnten und das ist“ sehr, sehr schade, gerade in einer Zeit wo uns extrem gut tun würde in Deutschland, wenn wir etwas haben worauf wir stolz sein können, die Nationalmannschaft ist es leider nicht, dafür tragen wir alle Verantwortung.“
Unterdessen nimmt sofort die Trainerdebatte Fahrt auf. Heute morgen fordern viele Medien in Deutschland den Rücktritt von Nagelsmann und nennen Jürgen Klopp als Nachfolger. DFB-Sportdirektor Rudi Völler äußerte sich dazu bereits nach dem Spiel bei MagentaTV: „Wenn man die letzten drei Weltmeisterschaften nimmt, ist es für ein Fußballland wie Deutschland schwer zu ertragen.“ Nagelsmann sei immer noch ein absoluter Top-Trainer: „Ich bin immer noch davon überzeugt, dass er der Richtige ist, um weiterzumachen. Ich bin aber natürlich auch nicht der DFB alleine, ich habe das nicht alleine zu entscheiden.“
Julian Nagelsmann: "Ich stehe bereit"
Nagelsmann, der vor zwei Jahren noch den Titelgewinn als Ziel ausgegeben hatte, äußerte sich so: „Ich stehe bereit, wenn das möchte, wenn man das nicht möchte, muss man das sagen.“ Er bereite gern die kommende EM und die Nations League vor. Zum Spiel selbst sagte der Bundestrainer: „Wir hatten ja die Kontrolle über das Spiel, der Punch hat gefehlt“ und weiter: „Die Jungs wollten schon gewinnen, hatte ich schon den Eindruck, dass sie Gas gegeben haben.“
Zum Spiel: Deutschland hatte in der ersten Halbzeit rasch die Spielkontrolle, fängt sich kurz vor dem Pausenpfiff aber das 1:0. In der zweiten Halbzeit macht Havertz das 1:1. Paraguay spielt unangenehm, setzt auf eine Betonabwehr und Deutschland hat zwar bis zu 80% Ballbesitz und jeden statistischen Wert auf seiner Seite, aber es fehlen Tempo und Ideen und entsprechende Torchancen. In der Verlängerung köpft Abwehrchef Tah die Nationalelf in Führung, das Tor wird aberkannt, angeblich hatte Stuttgarts Anton zuvor den Torhüter der Südamerikaner gefoult - eine mehr als umstrittene Entscheidung. Im Elfmeterschießen dann das Debakel von Boston. Kai Havertz verwandelt schon den ersten Elfer nicht, auch Woltemade und Amiri scheitern. So etwas hat es noch nie gegeben.
Deutschland hat sich bei einer WM erneut blamiert
Julian Nagelsmann: "In der Kabine ist die Stimmung sehr niedergeschlagen. Jeder ist enttäuscht, dass wir ausgeschieden sind. Paraguay geht mit einer Aktion in Führung und wir haben lange gebraucht, um ins Spiel zu kommen. Wir hatten einen zu langsamen Spielvortrag, haben dann irgendwann auf Brechstange umgeschaltet. Wir hatten viele Standards und müssen das Spiel anders regeln, aber das haben wir nicht geschafft."
Kai Havertz, Mittelstürmer beim FC Arsenal in London, ist ebenfalls deutlich: "Ich kann nicht viel sagen, mir fehlen ein bisschen die Worte. Das Einzige, was ich sagen kann, ist Entschuldigung. Wir sind alle enttäuscht, wir hatten uns viel vorgenommen. Jetzt wieder zu enttäuschen, ist kein schönes Gefühl. Es war schwer, Tempo zu kreieren, aber eigentlich hat nicht so viel gepasst, wenn man - bei allem Respekt - gegen Paraguay ausscheidet." Nationalmannschaftskollege Nadiem Amiri äußert sich so: "Ich bin sehr enttäuscht, irgendwie auch schockiert, weil ich nicht damit gerechnet habe, dass wir so früh ausscheiden. Unser Anspruch war es, weiterzukommen.".
Fazit: Deutschland hat sich nach den Vorrunden-Desastern 2018 und 2022 unter Löw und Flick erneut bei einer Weltmeisterschaft blamiert. Jetzt können wir offenbar nicht einmal mehr Elfmeter.
Paraguay dagegen feiert. Staatspräsident Santiago Peña hat den Tag nach dem WM-Erfolg zum landesweiten Feiertag erklärt.