Der Schlager "In der Mokka-Milch-Eisbar" machte das DDR-Kultlokal in der Karl-Marx-Allee weit über Ost-Berlin hinaus bekannt. Berühmt war die Eisbar für ihre Eisbecher und als Treffpunkt mehrerer Generationen. Jetzt wurde sie unter dem Namen "Mokka Milch" wiedereröffnet.
Die Mokka-Milch-Eisbar wurde im Zuge des architektonischen Wandels der DDR in den 60er-Jahren errichtet. Statt monumentaler Prachtbauten aus der Stalinzeit sollten nun moderne Gebäude das Stadtbild prägen. Der gläserne Pavillon an der Karl-Marx-Allee sollte dabei nicht nur Eis und Kaffee anbieten, sondern auch eine soziale Funktion erfüllen. Durch das benachbarte Kino International galt die Eisbar zu DDR-Zeiten als beliebter Anlaufpunkt für Jugendliche.
Viele von ihnen haben das Gefühl von damals bewahrt und kehren heute zurück. "Ich war sehr berührt davon, wie viele Menschen sich bei mir bedankten und mir Blumen schenkten", erklärt Betreiberin Natacha Neumann Euronews. "Wir versuchen hier, das Alte und das Neue zu verbinden." Das spiegele sich auch in der Einrichtung wieder: Tische und Stühle seien von der ursprünglichen Ausstattung inspiriert, so Neumann. Bei der Umgestaltung orientierte Neumann so sehr wie möglich am Original, schließlich ist das Gebäude denkmalgeschützt.
Damals wie heute ein Treffpunkt
Nach dem Mauerfall zogen ein Restaurant und Nachtclub in den Pavillon ein. Später wurden sie von einer Eisdiele abgelöst. Ab 2019 stand das Gebäude leer. Nachdem Natacha und ihr Partner Alexander Neumann es im November 2025 besichtigten, stand schnell für sie fest, dass sie dem einstiegen Kultlokal neuen Wind einhauchen wollen.
Der zunächst erfolgreichen Wiedereröffnung Ende Mai machten technische Probleme einen Strich durch die Rechnung. Doch seit dem 12. Juni ist "Mokka Milch" nun regulär geöffnet.
Statt auf die Eisproduktion konzentrieren die Neumanns sich auf den Restaurant- und Cafébetrieb. Außerdem gibt es Veranstaltungen und einen Coworking-Bereich. Wir versuchen weiterhin, Begegnungen und Verbindungen zu schaffen", so Natacha Neumann. Ziel sei ein lebendiger Ort, an dem Menschen aus unterschiedlichen sozialen Kreisen zusammenkommen.
Die historische Karl-Marx-Allee lebt wieder auf
Für eine lebendige Auslastung sorgen auch die vielen Besucher des benachbarten Kino International, die im Anschluss an ihren Film im "Mokka Milch" einkehren. Passend dazu bietet der Gastronomiebetrieb täglich einen "Kino International Special Cocktail" an, der sich am jeweiligen Filmprogramm orientiert.
Mit der Wiedereröffnung des Kino International im Februar dieses Jahres gewinnt die Karl-Marx-Allee neues Leben und die Berliner gleich zwei Orte, die Erinnerungen wecken und wieder zum Verweilen einladen.