Die personalisierten Pistolen, die der türkische Präsident beim NATO-Gipfel dieser Woche verschenkte, sorgen weiter für Gesprächsstoff. Der Transport der Waffen gestaltet sich für manche Staats- und Regierungschefs als kompliziert.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will eine Pistole, die ihr der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan geschenkt hat, einem Militärmuseum in der belgischen Hauptstadt überlassen, sobald sie nach Brüssel gebracht worden ist.
Der stellvertretende Chefsprecher der EU-Kommission, Olof Gill, erklärte, von der Leyen habe sich bei dem türkischen Staatspräsidenten für das Geschenk bedankt. Erdoğan überreichte die Waffe am Mittwoch nach Abschluss des jährlichen NATO-Gipfels in Ankara.
„Die Waffe wird sicher transportiert und gelagert. Sobald sie deaktiviert ist, beabsichtigt die Präsidentin, sie einem Militärmuseum zu schenken“, sagte Gill auf eine Frage von Euronews.
Vorher muss die Pistole unbrauchbar gemacht werden, damit sie keine scharfen Schüsse mehr abgeben kann.
Nach den bisher bekannten Informationen handelt es sich um einen Gümüşay .357 Magnum, einen seltenen Revolver des türkischen Staatsunternehmens MKE (Makine ve Kimya Endüstrisi). Erdoğan überreichte die Waffe beim NATO-Gipfel 2026 in Ankara allen teilnehmenden Staats- und Regierungschefs.
Auch Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekam eine.
Merz nahm den Revolver nicht persönlich mit nach Deutschland. Nach Angaben der Bundesregierung wurde die Waffe zunächst der deutschen Botschaft übergeben, damit sie ordnungsgemäß eingeführt und anschließend als offizielles Staatsgeschenk inventarisiert werden kann.
Ein Vertreter des Europäischen Rates erklärte, die Pistole von Ratspräsident António Costa werde entsprechend dem belgischen Recht eingeführt.
Die Waffe werde anschließend „deaktiviert und gelagert“ – im Einklang mit den Sicherheitsvorschriften des Generalsekretariats des Rates.
Der scheidende britische Premierminister Keir Starmer sagte am Mittwoch, Erdoğan habe jedem anwesenden Staats- und Regierungschef eine Pistole mit eingraviertem Namen überreicht, dazu eine Schachtel Munition und ein Schreiben, das die türkischen Exportkontrollen außer Kraft setze.
Starmer erklärte, er habe seine Waffe in der Türkei gelassen, damit sie dort deaktiviert werde, denn die Einfuhr einer scharfen Waffe nach Großbritannien sei illegal. Auch nach belgischem Recht ist die Einfuhr einer scharfen Waffe ohne die nötige Genehmigung verboten.
Belgische Medien berichten, dass auch der belgische Premierminister Bart De Wever beim Gipfel einen schussfähigen Revolver samt Munition erhalten habe. Nach Angaben der Zeitung HLN gelangte die Waffe unbeabsichtigt nach Belgien; der Inhalt des Geschenks sei erst auf dem Rollfeld nach der Landung im flämischen Ort Melsbroek entdeckt worden. Die Pistole sei anschließend der Flugpolizei überlassen worden.
Einen offiziellen Neupreis gibt es nicht mehr, da das Modell seit Jahrzehnten nicht produziert wird. Als seltenes Sammlerstück dürfte sein Wert – je nach Zustand und Herkunft – mehrere tausend Euro betragen. Ein verlässlicher Marktpreis ist derzeit jedoch nicht bekannt.
Von der Leyen und Costa nahmen am Mittwoch im Präsidentenpalast an einem Arbeitsessen mit Erdoğan teil. Den Delegationen zufolge sprachen sie über die bilateralen Beziehungen zwischen der EU und der Türkei sowie über Themen wie Verteidigung, Migration, Mobilität, Handel und Industriepolitik.
Vor dem Treffen stand die Frage im Raum, worüber genau gesprochen werden würde und ob es trotz früherer Fehltritte zu einer Annäherung zwischen von der Leyen und Erdoğan kommen könnte.