Ein Großbrand in Norwegen zerstört über 100 Häuser, Hunderte fliehen. In sozialen Medien kursieren Behauptungen über ein Importverbot für Produkte aus israelischen Siedlungen in Oslo. The Cube prüft die Hintergründe.
Norwegen steht unter Schock nach einem Großbrand, der vergangene Woche in einem Reihenhaus in der südlichen Stadt Drammen ausbrach. Die Flammen breiteten sich schnell auf die Umgebung und in nahe gelegene Wälder aus.
Mehr als 100 Häuser wurden zerstört. Seit dem Ausbruch des Feuers am 17. Juni mussten Hunderte Menschen ihre Wohnungen verlassen.
Die Nachrichtenagentur Associated Press berichtete (Quelle auf Englisch), die norwegische Direktion für Zivilschutz habe den Brand als den größten seiner Art in der modernen Zeit bezeichnet.
Seitdem kursieren im Netz Beiträge, die den Brand mit einer angeblichen Entscheidung der norwegischen Regierung in Verbindung bringen.
Demnach soll das Feuer nur zwei Tage nach einer Abstimmung in Norwegen ausgebrochen sein, bei der Handel und Investitionen im Zusammenhang mit illegalen israelischen Siedlungen verboten worden seien.
Diese Darstellung führt in die Irre. Nach heutigem Stand hat Norwegen kein Importverbot für Waren aus israelischen Siedlungen beschlossen, und es gibt keine öffentlich bekannten Hinweise darauf, dass der Brand auf eine Straftat zurückgeht.
Kein Importverbot für Waren aus israelischen Siedlungen
Die norwegische Regierung nahm das Thema Handel mit Siedlungen zuletzt am 19. Juni auf. An diesem Tag kündigte das Außenministerium eine öffentliche Anhörung zu einem Gesetzentwurf (Quelle auf Englisch) an, der den Handel mit israelischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten untersagen soll.
Die Regierung erklärte, der Entwurf solle auf eine Siedlungspolitik reagieren, die aus ihrer Sicht die Aussichten auf eine Zweistaatenlösung untergräbt, in der Israelis und Palästinenser in Frieden und Freiheit leben können.
„Die israelischen Siedlungen in Palästina verstoßen gegen das Völkerrecht“, sagte Norwegens Außenminister Espen Barth Eide. „Sie führen zu Vertreibung, extremer Gewalt und einer Lage, die eine friedliche Lösung unmöglich macht.“
„Wir wollen den Handel mit den rechtswidrigen Siedlungen verbieten“, fügte Eide hinzu. „Mit rechtlich bindenden Verboten stellt die Regierung klar, dass norwegische Bürgerinnen und Bürger sowie norwegische Unternehmen nicht von Aktivitäten profitieren oder sie unterstützen dürfen, die Israels rechtswidrige Siedlungspolitik in Palästina aufrechterhalten.“
Nach dem Entwurf würde Norwegen die Einfuhr von Waren aus israelischen Siedlungen ebenso verbieten wie Ausfuhren in diese Siedlungen.
Außerdem wären der Kauf von Immobilien in den Siedlungen untersagt, ebenso Dienstleistungen im Zusammenhang mit Bau, Renovierung, Kauf oder Verkauf von Immobilien dort sowie der Erwerb von Unternehmen, die ihren Sitz in den Siedlungen haben oder dort Waren produzieren.
Der Entwurf hat allerdings noch keine Gesetzeskraft. Das Parlament in Oslo hat ihn noch nicht verabschiedet.
Der Text liegt zunächst zur öffentlichen Konsultation vor. Betroffene Unternehmen, Organisationen, Fachleute und andere Interessierte können Stellungnahmen einreichen. Die Anhörung läuft bis zum 19. September 2026.
Bisher hat Norwegen im Zusammenhang mit den israelischen Siedlungen nur Sanktionen und weitere Maßnahmen gegen gewalttätige israelische Siedler im Westjordanland ergriffen. Die Regierung kündigte sie am 9. Juni gemeinsam mit Kanada, Frankreich und dem Vereinigten Königreich an.
Keine Hinweise auf Straftat
Die Ursache des Feuers wird weiter untersucht. Die Polizei teilte mit, sie habe einen möglichen Ausgangspunkt identifiziert (Quelle auf Englisch), nannte aber keine weiteren Details.
„Die Ermittlungen prüfen mehrere mögliche Ursachen für den Brand“, erklärte die Polizei.
Die Ermittler betonten zugleich, sie hätten derzeit keinen konkreten Verdacht auf eine Straftat.
Zugleich erläuterte die Polizei, dass im Rahmen einer Brandermittlung grundsätzlich jede Person, die sich am Ort des Geschehens aufhielt oder eine Verbindung zum betroffenen Gebiet hat, vorübergehend als Verdächtige gelten kann, solange die Abläufe geklärt werden.
„Derzeit wird eine Person als Verdächtige geführt und wurde vernommen“, hieß es.
Medienberichten zufolge gehen die Behörden nach der Vernehmung davon aus, dass Fahrlässigkeit die wahrscheinlichste Ursache des Feuers ist.
Am 23. Juli teilte die Kommune Drammen mit (Quelle auf Englisch), dass die Feuerwehr ihren Einsatz im betroffenen Gebiet von Krokstadelva beendet. Vermisst wird niemand.