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Ausländische Geheimdienste nehmen deutsche Unternehmen ins Visier

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Von Laura Fleischmann
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Sechs Prozent der Unternehmen waren laut einer aktuellen Studie des Bundesamts für Verfassungsschutz in den vergangenen zwölf Monaten von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage betroffen – oder vermuten es. Die meisten Attacken kommen aus China und Russland.

Ausländische Geheimdienste nehmen zunehmend deutsche Unternehmen ins Visier, so das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) heute bei der Vorstellung der "Wirtschaftsschutzstudie". In den vergangenen zwölf Monaten sollen demnach 96 Prozent aller Unternehmen Opfer von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage gewesen sein oder es zumindest vermuten.

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Die Daten basieren auf einer Erhebung von Bitkom, erklärt der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche. Befragt wurden 1.003 Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mindestens 1 Million Euro in Deutschland. Die Erhebung ist repräsentativ.

37 Prozent der betroffenen Unternehmen vermuten hinter mindestens einem Angriff einen fremden Nachrichtendienst. Deutlich niedriger war der Anteil noch 2023: Damals setzten nur sieben Prozent nachrichtendienstliche Aktivitäten in Zusammenhang mit Angriffen. Insgesamt sei ein Schaden von 211 bis 270,8 Milliarden Euro entstanden, so die Studie, darunter Kosten für unter anderem Betriebsausfälle, Rechtsstreitigkeiten und Erpressung.

Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Sinan Selen, erklärt dazu: "Die Ergebnisse der Bitkom-Studie fügen sich nahtlos in das Bild der aktuell hohen Bedrohungslage ein. Sie zeigen dieses Jahr erneut, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland im Zielspektrum von Cyberoperationen staatlicher sowie nicht-staatlicher Akteure steht."

Vor allem Angriffe aus China und Russland

Das Bundeskriminalamt registrierte 2025 insgesamt rund 335.000 Fälle von Cybercrime. Zwei Drittel (207.888 Fälle) sollen vom Ausland aus oder von unbekannten Tatorten begangen worden sein. Schwere Cyberdelikte würden zunehmen. Auch Angriffe auf Unternehmen, Behörden und kritische Infrastrukturen würden steigen.

Zahlreiche der durch Bitkom registrierten Angriffe konnten ins außereuropäische und ins europäische Ausland verfolgt werden. Bei 52 Prozent der betroffenen Unternehmen kam mindestens ein Angriff aus China, bei 49 Prozent aus Russland mit deutlichem Abstand folgen Angriffe aus Osteuropa ohne die EU (34 Prozent).

Bei 27 Prozent der Unternehmen kam mindestens ein Angriff aus den USA. Angriffe aus der EU exklusive Deutschland konnten 26 Prozent der Unternehmen verzeichnen. Aus Deutschland konnten bei 12 Prozent Angriffe nachgewiesen werden.

Erst im April veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium Verteidigungsministerium eine Liste verschiedener Adressen von Rüstungsfirmen in Deutschland und in anderen europäischen Ländern. Auch Adressen angeblicher Produktionsorte von Drohnen für die Ukraine befanden sich auf der Liste. Der russische Politiker und ehemalige Ministerpräsident Dmitri Medwedew bezeichnete sie als "Liste potenzieller Ziele für die russischen Streitkräfte". Medwedew ist derzeit stellvertretender Vorsitzender des Sicherheitsrates der Russischen Föderation.

Ende 2021 griffen staatliche chinesische Akteure das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie an, so die Bundesregierung im Sommer 2024. Es sei zu "Spionagezwecken infiltriert" worden. Im Herbst 2025 warnte Google mehrere Journalisten vor "staatlich unterstützten" Angreifern, die versuchten, Mailkonten zu hacken. Auch mindestens ein deutscher Journalist soll betroffen gewesen sein. Mutmaßlich sollte China dahinterstecken, so das ZDF.

Zunehmend Nutzung von KI für Angriffe

Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst spricht von einem größer werdenden Dunkelfeld. "Fast alle Unternehmen sind von Angriffen nachweislich betroffen oder vermuten es, dabei sind ausländische Nachrichtendienste deutlich häufiger die Täter. Nachrichtendienste arbeiten professioneller und verdeckter und stellen die angegriffenen Unternehmen vor neue Herausforderungen. Zugleich erhalten auch weniger professionelle Angreifer durch KI ganz neue Möglichkeiten." Entscheidend sei es, Angriffe frühzeitig zu erkennen.

Als wichtigste Tätergruppe führt die Studie die organisierte Kriminalität an. Darauf könnten 62 Prozent der Unternehmen mindestens einen Angriff zurückverfolgen. 2025 lag der Wert etwas höher bei 68 Prozent. Zum ersten Mal liegen ausländische Nachrichtendienste auf Platz zwei der wichtigsten Tätergruppen. 37 Prozent konnten mindestens einen Angriff auf sie zurückführen. Im Vorjahr waren es 28 Prozent.

"Die Grenzen zwischen Organisierter Kriminalität und den Geheimdiensten sind in vielen Ländern fließend. Nachrichtendienste bedienen sich krimineller Strukturen, umgekehrt wird Kriminellen freie Hand gelassen, solange sie ihre Ziele den politischen Vorgaben entsprechend wählen", erklärt Bitkom-Chef Wintergerst.

Relevante Tätergruppen seien ebenfalls Privatpersonen und aktuelle oder ehemalige Beschäftigte des jeweils angegriffenen Unternehmens. Dabei nehmen KI-gestützte Angriffe zu, darunter sogenannte "Robo Calls", bei denen etwa KI-generierte Stimmen genutzt werden. Auch Deepfakes, also KI-generierte Videos oder Fotos, werden zunehmend eingesetzt.

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