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Trotz Druck aus Norwegen: Brüssel hält an Verbot von Öl- und Gasbohrungen in der Arktis fest

Norwegen lehnte im März 2011 Ölbohrungen in ökologisch sensiblen Gewässern nördlich des Polarkreises ab. Grund waren Ängste vor einer Katastrophe wie im Golf von Mexiko.
Norwegen lehnte im März 2011 Ölbohrungen in ökologisch sensiblen Gewässern knapp nördlich des Polarkreises ab – aus Sorge vor einer Katastrophe wie im Golf von Mexiko. Copyright  AP Photo / Håkon Mosvold
Copyright AP Photo / Håkon Mosvold
Von Marta Pacheco
Zuerst veröffentlicht am
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Nach Euronews-Informationen hält die EU-Kommission am Verbot neuer Öl- und Gasbohrungen in der Arktis fest. Am 20. Oktober will sie ihre überarbeitete "Nordische Nachbarschaftsstrategie" vorstellen.

Ein Verbot neuer Öl- und Gasbohrungen in der Arktis bleibt nach Angaben eines Sprechers der Europäischen Kommission auch in der überarbeiteten Strategie die offizielle Linie. Brüssel will das Konzept in Kürze vorstellen - trotz massiven Drucks aus dem ölreichen Norwegen, das die Regelung kippen möchte.

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Die überarbeitete Fassung der EU-Arktisstrategie aus dem Jahr 2021 wird am 20. Oktober veröffentlicht. Die Region gewinnt für die Verteidigungspolitik und die Klimaziele des Staatenbundes zunehmend an strategischer Bedeutung.

"Auch künftig halten wir an dem Moratorium fest. Unsere Politik zielt darauf, den Klimawandel und die Umweltzerstörung zu bekämpfen und eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu fördern", sagte der Kommissionssprecher.

Für die Kommission sind neue fossile Projekte in der Arktis mit den eigenen Klimazielen unvereinbar. Am Moratorium festzuhalten, unterstreicht den Anspruch Brüssels, diese Linie zu verteidigen - trotz Forderungen der Internationalen Energieagentur nach einer Neubewertung und trotz des Drucks aus Norwegen, einem wichtigen Energielieferanten und Verbündeten, während die EU mit einer angespannten Energieversorgung ringt.

Im Jahr 2021 unterstützten Deutschland, Schweden und Finnland die Position der Kommission im Grundsatz: Neue Öl- und Gasvorkommen sollten "im Boden bleiben". Dänemark musste hingegen einen schwierigen Spagat zwischen der Unterstützung der grünen Ziele der EU und seinem begrenzten Einfluss auf Grönland bewältigen. Das autonome Gebiet verfügt über große Rohstoffvorkommen, darunter mutmaßlich erhebliche unerschlossene Öl- und Gasreserven.

Die Kommission hatte zunächst einen multilateralen, rechtlich verbindlichen Bann für neue Öl- und Gasexplorationen in der Arktis und den umliegenden Regionen vorgeschlagen - ein Vorstoß, den Deutschland unterstützte. Am Ende blieb die Strategie jedoch eine politisch unverbindliche Selbstverpflichtung.

Auf die Frage, ob die überarbeitete Arktisstrategie mehr als ein symbolischer politischer Schritt sei, verwies die Kommission darauf, dass der "Prozess noch läuft". Das Verbot dürfte dennoch weiterhin nicht bindend sein. So könnte ein offener Konflikt mit Norwegen vermieden werden, während sich die EU zugleich Sorgen um ihre Energieversorgung macht.

EU-Strategie stößt auf Widerstand in Norwegen

Norwegen bezeichnet die Gaserkundung in der Arktis als eine Art Versicherung für die EU, die mit steigenden Energiepreisen kämpft. Gleichzeitig drängt Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf ein G7-Treffen zur Energiefrage, bei dem eine zweite Freigabe von Notfall-Ölvorräten zur Debatte stehen könnte.

Um die EU zu einem Kurswechsel zu bewegen, sagte der norwegische Energieminister Terje Aasland kürzlich: "Fortgesetzte Aktivitäten in der Barentssee dienen sowohl norwegischen als auch europäischen Interessen." Er verwies auf die Turbulenzen an den globalen Energiemärkten infolge des Kriegs im Nahen Osten. Zudem kündigte er an, Norwegen werde unabhängig von der Position der EU weiterhin in der Arktis bohren.

Für Brüssel ist das Thema besonders heikel, weil Norwegen tief in die Energiesicherheitsarchitektur der EU eingebunden ist. Jüngste Erschütterungen, darunter eine beschädigte Pipeline in Saudi-Arabien, haben gezeigt, wie schnell Europa verwundbar wird, wenn Lieferungen aus anderen Förderregionen unterbrochen werden.

Seit russisches Pipelinegas weitgehend aus dem europäischen Markt verdrängt ist, hat sich Norwegen zum größten LNG-Lieferanten der EU entwickelt. Zwischen Januar und Juni stand das Land für 54,4 Prozent der gesamten EU-Importe, nach 52,1 Prozent im Jahr 2025, wie EU-Daten zeigen.

Umweltaktivisten halten dagegen, dass norwegisches Arktisgas nur 1,4 Prozent der EU-Gasimporte ausmacht und die kurzfristige Energiesicherheit daher kaum beeinflussen dürfte. Gas aus neuen Projekten in der Barentssee käme nach einer Analyse von WWF Norwegen frühestens 2045 auf den Markt - zu spät, um den unmittelbaren Bedarf der EU zu decken.

"Größere neue Arktis-Liefermengen würden eintreffen, wenn der Gasbedarf der EU voraussichtlich stark fällt", erklärte WWF Norwegen. Die Organisation verweist auf Berechnungen, nach denen die Nachfrage nach fossilem Gas in der EU von rund 329 Milliarden Kubikmetern (bcm) im Jahr 2024 auf etwa 85 bcm im Jahr 2040 sinken könnte, wenn der Ausstoß um 90 Prozent reduziert wird.

Der Bericht stellt weder die bestehende norwegische Produktion noch die Rolle des Landes als verlässlicher Energielieferant infrage. Stattdessen argumentiert WWF Norwegen, dass saubere Energie, Elektrifizierung und mehr Effizienz Europas Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen schneller verringern könnten als neue Öl- und Gasprojekte in der Arktis.

Norwegens Fortschritte bei sauberer Stromerzeugung und Elektrifizierung könnten einen gemeinsamen Nenner mit Brüssel bieten. Batterieelektrische Fahrzeuge machen im Land inzwischen rund 95 bis 99 Prozent der Neuwagenverkäufe aus.

Paal Frisvold, Koordinator der NGO-Allianz zur Bewahrung des Moratoriums für Ölbohrungen in der Arktis, bezeichnete die Entscheidung der EU, das Verbot beizubehalten, als "wichtigen Sieg" für das Klima. Sie könne dazu beitragen, eine zunehmende Konkurrenz im hohen Norden zu verhindern.

"Sie sendet ein wichtiges Signal an Norwegen und die Erdölbranche: Die EU bekennt sich klar dazu, den Übergang zu einem wettbewerbsfähigen und emissionsfreien Europa im Einklang mit dem Pariser Abkommen zu beschleunigen - mit bezahlbarer heimischer Energie, die die Abhängigkeit von teuren fossilen Importen beendet, unter denen Haushalte und Industrie in Europa leiden", sagte Frisvold gegenüber Euronews.

Arktis-Gipfel berät EU-Kurs

Das EU-Verbot neuer Öl- und Gasexplorationen in der Arktis dürfte auch Thema beim Arktis-Gipfel gewesen sein, den Finnland am 13. und 14. September ausgerichtet hat und an dem Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre teilnahm.

Elf Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Dänemark, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Frankreich, Griechenland, den Niederlanden, Polen und Schweden kamen in Rovaniemi zusammen, um über die "strategische Bedeutung" der Arktis zu beraten.

Mit dabei waren auch EU-Ratspräsident António Costa, die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und der Kommissar für Internationale Partnerschaften, Jozef Síkela.

Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo erklärte, Europa müsse einen "umfassenden Ansatz" für die Sicherheit in der Arktis verfolgen, der auch die Energieversorgung einschließt. Er verwies zudem auf den zunehmenden Wettbewerb der Großmächte in der Region und nannte die verstärkten Aktivitäten und wachsenden Interessen Chinas, Russlands und der Vereinigten Staaten.

Noch ist unklar, ob die am 18. September erzielte Vereinbarung zwischen Washington, Dänemark und Grönland auch ein Öl-Erkundungsprojekt im Jameson-Land-Becken in Ostgrönland umfasst - eine Region, die bereits die Regierung von Donald Trump ins Visier genommen hatte.

Ministerpräsident Petteri Orpo lobte den Arktis-Gipfel als "sehr produktive" hochrangige Diskussion, die "über militärische Sicherheit hinausgeht".

"Es geht um wirtschaftliche Sicherheit, kritische Rohstoffe, Energie, Infrastruktur und Logistik, Handelsrouten, Versorgungssicherheit, Klimawandel und nachhaltige Entwicklung", sagte Orpo.

Eine mit den Arktis-Gesprächen der EU vertraute Quelle sagte Euronews, die Verweise auf Energie beim Gipfel könnten sich auch auf andere mögliche Energiequellen in der Region beziehen, darunter Solarstrom während der langen Helligkeitsperioden.

Die Kommission kündigte am 7. September Investitionen in Höhe von 200 Millionen Euro für Grönland an. Die Mittel sollen unter anderem in "klimaarme Energieproduktion, Speicherung und Technologien, die für die Arktis geeignet sind, sowie in die Widerstandsfähigkeit des Systems" fließen.

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