Eine neue Studie zeigt: Facebook-Seiten, die von Faktencheckern mehr als zehnmal wegen Falschmeldungen markiert wurden, verdienen weiter Geld – sogar nach Sperren.
Akteure, die Desinformation verbreiten, verdienen auf Facebook weiterhin Geld – selbst wenn sie gegen die Regeln der Plattform verstoßen. Das zeigt eine neue Studie.
What to Fix, eine Non-Profit-Initiative für Technologiepolitik, und Raskrinkavanje, eine bosnische Faktencheck-Organisation, untersuchten (Quelle auf Englisch) mehr als 290 Facebook-Seiten in Bosnien, die einer der Faktencheck-Partner von Meta jeweils mehr als zehnmal wegen der Verbreitung falscher Inhalte markiert hatte.
Einundfünfzig der von Faktenprüferinnen und Faktenprüfern mindestens zehnmal wegen Desinformation beanstandeten Konten „waren in der Vergangenheit mindestens in einem Facebook-Monetarisierungsprogramm registriert“, heißt es in der Analyse von Raskrinkavanje.
Von diesen Konten konnte sich rund ein Drittel noch vor 2024 für mehr als einen Monetarisierungskanal anmelden. In diesem Jahr fasste Meta seine verschiedenen Geldquellen zu einem einzigen Programm zusammen, zu dem man nur auf Einladung Zugang erhält.
Weitere neun Konten lud Meta in dieses Programm (Quelle auf Englisch) ein, das Zahlungen an die Reichweite und Leistung der Inhalte koppelt.
„Unsere Ergebnisse werfen wichtige Fragen dazu auf, ob Meta sein Versprechen einlösen kann, Wiederholungstäter bei Desinformation zu demonetarisieren“, heißt es in der Studie.
Meta, der Mutterkonzern von Facebook, steht in den USA und Europa seit Langem in der Kritik, weil es dem Unternehmen nicht gelingt, die Verbreitung von Desinformation auf seinen Plattformen zu stoppen.
Nach den Sorgen um die Informationsintegrität bei der US-Wahl 2016 begann Meta, mit externen Faktencheck-Partnern zusammenzuarbeiten und Inhalte prüfen zu lassen. Im vergangenen Jahr hat der Konzern diese Maßnahmen in einigen Regionen wieder zurückgefahren. Stattdessen setzt er dort auf „Community Notes“, bei denen Nutzerinnen und Nutzer Hinweise unter Beiträge setzen können, um sie zu erläutern oder als potenziell irreführend zu kennzeichnen.
Die aktuelle Unternehmensrichtlinie (Quelle auf Englisch) erlaubt laut Bericht keine Monetarisierung von Inhalten, die die mit Meta kooperierenden Faktenprüfer als „Fake“ einstufen oder die als Clickbait gelten.
Als „Fake“ gilt jeder Inhalt, „der keinerlei faktische Grundlage hat“ – einschließlich (Quelle auf Englisch) gefälschter Zitate, unmöglicher Behauptungen, Verschwörungstheorien, erfundener Inhalte oder realer Medien, die als „Beleg für ein nicht zusammenhängendes Ereignis“ verwendet werden, erklärte das Unternehmen.
Der Bericht hält jedoch fest, dass Meta nicht offenlegt, ab welchen Schwellenwerten das Unternehmen wiederholte Verstöße sanktioniert.
Einige der untersuchten Konten hat Meta schließlich demonetarisiert oder wegen Verstößen gegen die Plattformregeln gesperrt. Laut Studie konnten jedoch 84 % dieser Konten den Zugang zur Monetarisierung wiedererlangen.
Mehr als 50 % der eingeschränkten Konten waren nach einem Monat wieder online. In einigen Fällen dauerte die Sperre nur zwei Tage.
„Das deutet darauf hin, dass Meta eingeschränkten Akteuren möglicherweise erlaubt hat, weiterhin Inhalte auf Facebook zu monetarisieren – obwohl das Unternehmen sie korrekt als wiederholte Verletzer seiner Monetarisierungsrichtlinien identifiziert hatte“, heißt es in dem Bericht.
Euronews Next bat Meta um eine Stellungnahme, erhielt jedoch zunächst keine Antwort.
What To Fix betonte, die Aussagekraft der Studie sei begrenzt, weil Meta keine Daten zur Monetarisierung einzelner Konten auf der Plattform zugänglich macht.
Stattdessen stützen sich die Faktencheck-Organisationen auf eine fortlaufend aktualisierte Datenbank mit Offenlegungen, um zu erkennen, wann Konten monetarisiert wurden, sowie auf ein internes Archiv ihrer Faktenchecks.
Wegen des begrenzten Umfangs der Untersuchung sei zudem möglich, dass Meta in anderen Märkten mit weiteren Faktencheck-Partnern zusammenarbeitete und dort zusätzliche Konten entfernte.
Dennoch fordert die Organisation die Europäische Union auf zu prüfen, ob Meta die Vorgaben des Digital Services Act (DSA) und seine Verpflichtungen aus dem Verhaltenskodex gegen Desinformation einhält. Darin verpflichtet sich das Unternehmen, „Desinformation zu demonetarisieren“.