Die Energiekrise verschärft die Probleme der kleineren Flughäfen in Europa. Für sie wird sie zur existenziellen Bedrohung.
Europas Regionalflughäfen sind nach Einschätzung eines Branchenverbands besonders anfällig für die Folgen des Kriegs im Nahen Osten.
Irans Vergeltungsmaßnahmen an der Straße von Hormus haben die Kerosinpreise in die Höhe getrieben. Sie erreichten Anfang des Monats zeitweise mehr als 1.800 US-Dollar (1.535 Euro) je Tonne. Fluggesellschaften reagieren mit höheren Ticketpreisen und gestrichenen Verbindungen.
Die Energiekrise verschärft die Probleme der kleineren Flughäfen in Europa. Nach Verbandsangaben entwickelt sich die Lage zu einer existenzbedrohenden Krise.
Kleine Flughäfen: Schock bei Angebot und Nachfrage
Regionalflughäfen sind nach Angaben des Airports Council International Europe (ACI Europe) am stärksten den Folgen der explodierenden Energiekosten ausgesetzt. Der Verband veröffentlichte dazu in dieser Woche eine Stellungnahme.
Die Nachfrage auf ihren Strecken reagiert deutlich empfindlicher auf Preisänderungen. Für die Airlines sind diese Verbindungen deshalb weniger lukrativ.
Darum setzen Fluggesellschaften bei Kapazitätskürzungen häufig zuerst bei Regionalflughäfen an. Das zeigte zuletzt die Entscheidung der Lufthansa, ihre Regionaltochter CityLine einzustellen.
In den Jahren nach der COVID-19-Pandemie blieb das Passagieraufkommen an kleinen Regionalflughäfen mehr als dreißig Prozent unter dem Niveau von 2019. Große Flughäfen verzeichneten im gleichen Zeitraum ein Plus von mehr als sechzehn Prozent, erklärte Olivier Jankovec, Generaldirektor von ACI Europe.
„Die aktuellen Kerosinpreise und die Gefahr einer neuen Lebenshaltungskostenkrise bedeuten, dass viele Regionalflughäfen in Europa zugleich einen Angebots- und einen Nachfrageschock erleben könnten“, sagte er. „Für sie ist das nichts weniger als eine existenzielle Bedrohung.“
Hinzu kommt nach Verbandsangaben die stockende Einführung des Schengen Entry/Exit Systems (EES). Es dürfte in diesem Sommer besonders an Regionalflughäfen mit beliebten Ferienzielen für erhebliche Störungen sorgen und für Chaos sorgen.
Schon jetzt kämpfen kleinere Flughäfen mit finanziellen Problemen. Die Entgelte, die Airlines zahlen – etwa für Starts, Landungen und Abstellpositionen –, liegen im Schnitt noch rund elf Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Pro Passagier ergibt sich dadurch ein durchschnittlicher Verlust von 2,64 Euro.
Regionalflughäfen gelten als unverzichtbar
ACI Europe betont, dass Regionalflughäfen zur kritischen Infrastruktur Europas gehören und besonderen Schutz brauchen.
„Regionalflughäfen wickeln rund fünfunddreißig Prozent der Luftverbindungen in Europa ab“, sagte Andrea Andorno, Chef des Flughafens Turin und Vorsitzender des ACI-Europe-Regionalflughafenforums. „Sie sind damit ein unverzichtbares Rückgrat des EU-Binnenmarkts und entscheidend für Zusammenhalt und regionale Entwicklung.“
„Ein Flughafen setzt eine Region nicht nur auf die europäische, sondern auch auf die globale Landkarte. Unsere strategische Bedeutung hat in den vergangenen Jahren zugenommen und stärkt unsere Rolle in der Strategie der EU zur breiteren Aufstellung des Tourismus.“
ACI Europe und sein Forum der Regionalflughäfen fordern, nationale Luftverkehrssteuern auszusetzen. Das soll die Luftfahrt- und Tourismussektoren sowie die Verbraucher während der Energiekrise entlasten.
Der Verband verlangt zudem, Betriebshilfen für Regionalflughäfen mit bis zu einer Million Passagieren im Jahr zu sichern und die Dekarbonisierung der Luftfahrt zu beschleunigen.
Außerdem setzt sich die Organisation dafür ein, dass Flughäfen das Schengen-EES bei übermäßigen und nicht mehr kontrollierbaren Wartezeiten an den Grenzkontrollen vollständig aussetzen dürfen – in der Sommersaison 2026 und darüber hinaus.