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WM-Reiseboom: Wer profitiert von der erhöhten Nachfrage?

MetLife Stadium in East Rutherford im US-Bundesstaat New Jersey ist Austragungsort des WM-Finales 2026 am 19. Juli.
MetLife Stadium in East Rutherford im US-Bundesstaat New Jersey richtet am 19. Juli 2026 das Finale der Fußball-WM aus. Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
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Von Michael Starling
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Der Tourismus zieht vor dem Turnier in diesem Sommer deutlich an, doch Studien gehen davon aus, dass die gesamtwirtschaftlichen Effekte begrenzt bleiben.

Die internationale Nachfrage nach Reisen zur FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wächst in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko. Neue Daten deuten jedoch darauf hin, dass die Vorteile ungleich verteilt sein werden – sowohl bei den Reisezielen der Fans als auch bei den Gewinnen der Austragungsstädte.

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Eine Analyse von Data Appeal und Mabrian in Zusammenarbeit mit PredictHQ zeigt, dass die internationale Reiseabsicht in allen drei Gastgeberländern zunimmt, wenn auch in unterschiedlichem Tempo. Mexiko verzeichnet bislang das konstanteste Wachstum für 2026. In den USA kam es im ersten Quartal zu einem späten, aber kräftigen Nachfrageschub. In Kanada steigt das Interesse ebenfalls, aber gleichmäßiger und langsamer.

Auf Stadtebene konzentriert sich das Interesse auf einige zentrale Ziele. Boston, Mexiko-Stadt und Vancouver gehören zu den größten Gewinnern. New York City baut seine Rolle als globaler Reiseknotenpunkt weiter aus. Allein die Nachfrage entscheidet jedoch nicht darüber, welche Städte am Ende vorne liegen.

Der Bericht nennt Flugverbindungen und den Binnenreiseverkehr als entscheidende Faktoren, um Interesse in tatsächliche Ankünfte zu verwandeln. Die USA fungieren mit Direktflügen in vierzig der achtundvierzig teilnehmenden Länder voraussichtlich als wichtigstes Einfallstor für internationale Fans. Zugleich steigt die Inlandsnachfrage deutlich: In den Gastgeberstädten legt sie im Turnierzeitraum im Schnitt um 3,82 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr zu.

„Das Format der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 wird voraussichtlich sowohl die Nachfrage als auch die Wirkung des Turniers auf mehrere Stadien, Städte und Länder verteilen. So entstehen gleichzeitig Spitzen in unterschiedlichen Regionen und Chancen für jedes Gastgeberland“, sagte Maria Pradissitto, North America Market Manager bei Data Appeal.

„Frühe Signale aus der Flugkapazität, dem Suchverhalten und den Buchungsmustern deuten auf eine sehr bewegliche Nachfrage hin. In diesem Umfeld entscheidet nicht allein Sichtbarkeit über den Erfolg. Entscheidend ist, wie gut ein Reiseziel Echtzeitdaten deuten und darauf reagieren kann – etwa bei Verbindungen, Preisstrategien und Kapazitätsmanagement –, um Wertschöpfung mit der Wanderung der Nachfrage mitzusteuern.“

Auch die Ausgaben dürften deutlich ausfallen. Prognosen rechnen mit rund vier Komma drei Milliarden US-Dollar (drei Komma sechs sechs Milliarden Euro) an tourismusbezogenen Einnahmen rund um das Turnier. Mehr als achtzig Prozent davon entfallen voraussichtlich auf die Hotellerie und Gastronomie.

Hotelpreise steigen in den WM-Austragungsstädten bereits an. Am stärksten ziehen sie zu Spielen mit hoher Strahlkraft an – etwa zum Eröffnungsspiel am elften Juni in Mexiko-Stadt und zum Finale am neunzehnten Juli in der Region New York/New Jersey.

„Nur begrenzte, kurzlebige Effekte“

Auch wenn die Reisedaten auf einen deutlichen Schub in den Monaten vor dem Turnier hindeuten, kommen andere Untersuchungen zu dem Schluss, dass die breiteren wirtschaftlichen Effekte eher überschaubar bleiben.

Laut einem Bericht von Oxford Economics dürfen US-Gastgeberstädte nur mit „marginalen und kurzlebigen“ Zuwächsen bei Wirtschaftsleistung und Beschäftigung rechnen, die sich vor allem auf Freizeit- und Gastgewerbe konzentrieren.

Da für das Turnier nur wenig neue Infrastruktur entstanden ist, dürfte ein großer Teil der erwarteten Reiseaktivitäten bestehende Reisen verdrängen, statt völlig neue Nachfrage zu schaffen.

„Weil für die Weltmeisterschaft in diesem Jahr so gut wie keine neue Infrastruktur errichtet wurde, bleibt der mittelfristige Wachstumseffekt begrenzt. Zum großen Teil wird der tourismusbezogene Verkehr rund um die Spiele lediglich vorhandenen Tourismus ersetzen“, sagte Barbara Denham, Chefökonomin bei Oxford Economics und Autorin des Berichts.

„Entsprechend wird die WM nur geringe und kurzlebige Auswirkungen auf das gesamte Bruttoinlandsprodukt der Gastgeberstädte und auf ihr Beschäftigungswachstum haben.“

Die Effekte unterscheiden sich zudem deutlich von Stadt zu Stadt. Kleinere Märkte wie Kansas City dürften den relativ größten Zuwachs an Arbeitsplätzen sehen. Es folgen San Jose, Atlanta, Houston und Los Angeles.

In etablierten Touristenzentren wie Miami, New York und Seattle fallen die Zuwächse laut Prognosen geringer aus, da diese Städte ohnehin große Zahlen internationaler Gäste anziehen.

In allen Austragungsstädten dürfte das Freizeit- und Gastgewerbe stärker wachsen als im Durchschnitt. Außerhalb dieses Bereichs erwartet der Bericht jedoch nur geringe wirtschaftliche Effekte durch das Turnier.

Die Ergebnisse erinnern an Muster früherer Turniere, etwa der Weltmeisterschaft 1994 in den USA, bei der die langfristigen wirtschaftlichen Effekte auf Stadtebene ebenfalls begrenzt blieben.

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