Norwegens neues Walmuseum eröffnet 2027 in Andenes. Bis dahin locken arktische Walbeobachtung und Küstenwanderungen in das Dorf am Meer.
Auf der Nordspitze einer norwegischen Insel entsteht im kommenden Jahr ein neues Museum.
Passend trägt es den Namen The Whale. Das Haus widmet sich Wissen und Erlebnissen rund um das größte Säugetier der Erde und soll im Juni 2027 im nordnorwegischen Andenes eröffnen.
Der Standort ist kein Zufall. Das Dorf ist vom Arktischen Ozean umgeben und gilt ganzjährig als einer der besten Orte für Begegnungen mit Walen. The Whale will Wissenschaft, Kunst, Erzählkunst und Architektur zusammenführen. Besucherinnen und Besucher sollen einen Ort bekommen, an dem sie die Meeresgiganten und ihr Ökosystem kennenlernen.
Das Museum ist in mehrere „Erlebnisbereiche“ gegliedert. Es geht über die Grenzen eines klassischen naturhistorischen Museums hinaus: lebensgroße Holzskulpturen von Orcas, die die Wasseroberfläche durchbrechen, stehen neben einer Artengalerie mit allen 90 heute lebenden Walarten. Ein weiterer Bereich widmet sich der Anatomie der Tiere – von Knochen bis zu „seltsamen Massen und Klumpen“, wie The Whale ankündigt.
Geplant ist zudem ein multisensorischer Raum mit Walgeräuschen. Gedämpftes Licht soll die Tiefe des Ozeans nachahmen. The Whale thematisiert auch die Folgen des industriellen Walfangs und die Versuche, diese Praxis einzudämmen.
Im Zentrum des Museums steht eine Wal-Skulptur in Originalgröße. Sie macht die Parallelen zwischen dem Verhalten der Meeresriesen und dem der Menschen deutlich – bei Kommunikation, Kooperation und Fürsorge.
Die dänische Architektin Dorte Mandrup hat den Bau entworfen. Die konkave Form scheint aus der felsigen Küstenlandschaft herauszuwachsen und fügt sich mit ihren Formen, Materialien und Farben in die Umgebung ein.
Auch der Außenbereich wird genutzt. Das Dach ist öffentlich zugänglich und als begehbare Fläche konzipiert. Von dort oben öffnen sich Panoramablicke auf Meer, Berge und Horizont, einschließlich des historischen Leuchtturms von Andenes, der die Küste seit 1859 markiert.
Bis zur Eröffnung sind es noch einige Monate. Der Ticketverkauf soll jedoch bereits im Herbst starten. Eintrittspreise für Erwachsene beginnen bei 540 Norwegischen Kronen (49,47 €).
300 km nördlich des Polarkreises: Was Reisende sonst noch erleben
Wenn The Whale eröffnet, können Besucherinnen und Besucher ihr neues Wissen über die großen Meeressäuger gleich auf dem Wasser testen. Walbeobachtungsfahrten ab Andenes finden das ganze Jahr über statt. Pottwale zeigen sich meist im Sommer, Buckelwale eher im Winter.
Für 1.690 Norwegische Kronen (154,94 €) gehen Gäste an Bord der M/S Reine. Die Ausfahrt zur Walbeobachtung dauert drei bis vier Stunden und wird von einer erfahrenen Crew begleitet. Neben Walen lassen sich oft auch verschiedene Delfinarten sehen.
An Land bietet das Küstendorf mehrere Wanderwege und Spazierpfade, auf denen Reisende die arktische Landschaft erleben. Eine zwei Kilometer lange Runde um Røyken dauert höchstens 45 Minuten. Sie bietet Blicke auf den Leuchtturm und gute Chancen, Seehunde und Seeadler zu beobachten. Der Berg Måltinden ist 408 Meter hoch und erschlossen durch einen rund vier Kilometer langen Pfad. Die längere Strecke lohnt sich wegen der weiten Küstenblicke.
Nach Walbeobachtung und Wanderung stillt das Restaurant Arresten den Hunger. Es serviert arktische Meeresfrüchte, Rentier, Burger und andere lokale Favoriten – und hat eine ungewöhnliche Geschichte. Das Lokal befindet sich in einem mehr als 150 Jahre alten ehemaligen Gefängnis. Die originale Zellentür und die vergitterten Fenster sind bis heute erhalten.