Über mehr als acht Jahrzehnte ahnte niemand, dass ein unscheinbares Metallteil auf einem Hof bei Pruszcz Gdański zu einem der ungewöhnlichsten deutschen Panzerjäger des Zweiten Weltkriegs gehörte.
Erst moderne Hobbyhistoriker fanden heraus, dass der Gegenstand, der jahrelang als Amboss diente, in Wirklichkeit der Verschlussblock einer 88-Millimeter-Kanone aus dem Panzerjäger Nashorn ist. Das gefundene Teilstück gelangte schließlich in das Museum für Panzertruppen (Muzeum Broni Pancernej) in Posen.
Spektakulärer Fund bei Pruszcz Gdański
Die Geschichte des Fundes ist fast so spannend wie das Relikt selbst. Mitglieder des Geschichtsvereins von Pruszcz (Pruszczańskie Stowarzyszenie Historyczno-Poszukiwawcze Faktoria ) stießen auf die Überreste einer deutschen Selbstfahrlafette. Die Teile hatten jahrzehntelang auf einem Bauernhof bei Pruszcz Gdański (Praust) südlich von Danzig gelegen. Einer der wichtigsten Bestandteile, der Verschlusskörper der 88-Millimeter-Kanone, bekam nach dem Krieg eine neue Rolle und wurde als Amboss genutzt. Erhalten blieben auch eine Tür sowie kleinere Bauteile des Fahrzeugs.
Erst die Auswertung der Funde machte ihre Herkunft deutlich. Es zeigte sich, dass es sich um Teile eines Nashorn handelt, des deutschen Panzerjägers Sd.Kfz. 164.
Die Bedeutung des Fundes ist groß, denn vom Nashorn gab es nicht viele Exemplare. Insgesamt wurden nur 494 Fahrzeuge gebaut. Die jetzt entdeckten Teile stammen von einem der vermutlich drei Nashorn-Panzerjäger, die 1945 im Raum Danzig eingesetzt waren.
Nashorn - gebaut für die Jagd auf Panzer
Der Bau dieses Panzerjägers begann 1942 in Berlin. Ziel war es, hohe Beweglichkeit mit außergewöhnlich starker Bewaffnung zu verbinden.
Die 8,8-Zentimeter-Kanone PaK 43/1 L/71 gehörte zu den wirkungsvollsten deutschen Panzerabwehrwaffen jener Zeit; man setzte sie später unter anderem im Tiger II, im Elefant und im Jagdpanther ein. Ihre Leistungsfähigkeit erlaubte es dem Nashorn, unter günstigen Bedingungen selbst schwer gepanzerte gegnerische Panzer aus Entfernungen von mehr als vier Kilometern zu bekämpfen.
Der Panzerjäger hatte jedoch auch gravierende Schwächen. Die Panzerung war relativ dünn, der Kampfraum nach oben offen. Das Geschütz ließ sich nur begrenzt seitlich schwenken, für größere Richtungsänderungen musste oft das ganze Fahrzeug umgesetzt werden. Typische Taktik war daher, den großen Schussbereich und die starke Waffe auszuspielen: aus vorbereiteten Stellungen feuern und anschließend rasch die Position wechseln.
In größerer Zahl kam das Nashorn erstmals an der Ostfront zum Einsatz, unter anderem in der Schlacht am Kursker Bogen.
Vom Schlachtfeld über den Bauernhof ins Museum
Die schweren Metallteile der verlassenen Fahrzeuge galten damals vor allem als nützlicher Rohstoff. In diesem Fall wurde eines der markantesten Bauteile der Panzerabwehrkanone schlicht zum Amboss umfunktioniert. Über Jahrzehnte wusste niemand, welche Geschichte sich tatsächlich dahinter verbarg. Erst das Engagement der heutigen Hobbyforscher enthüllte sie.
Pruszczańskie Stowarzyszenie Historyczno-Poszukiwawcze Faktoria existiert seit März 2023. Nach Angaben der Mitglieder laufen alle Suchen mit Genehmigung, und gefundene Relikte werden an Einrichtungen übergeben, die für ihren Schutz zuständig sind.
Der aktuelle Fund könnte ein wichtiger Anstoß für weitere Recherchen im Landkreis Gdańsk sein.