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US-Hotelverband warnt: WM-Boom bei Hotels bleibt aus

FIFA-WM 2026: Houston richtet sieben Spiele im NRG Stadium aus
Houston: NRG Stadium richtet sieben Spiele der Fußball-WM 2026 aus Copyright  AP Photo/Jon Shapley
Copyright AP Photo/Jon Shapley
Von Michael Starling
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Laut einem neuen Bericht des US-Hotelverbands bleibt die erwartete Nachfrage hinter den Prognosen: Die Buchungen sind schwach, Inlandsreisen liegen klar vor Auslandsbesuchen.

Weniger als 40 Tage vor dem Anpfiff der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika geht es in der Vorbereitung nicht nur um die teilnehmenden Länder und Stars auf dem Rasen, sondern immer stärker auch um die Frage, welche Tourismus-Effekte das Turnier tatsächlich bringt.

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Die WM der Männer soll die größte aller Zeiten werden: mit einer Rekordzahl von 48 Teams und 104 Partien. Entsprechend war das Turnier in diesem Sommer als großer wirtschaftlicher Gewinn für die Gastgeberstaaten angekündigt.

Doch neue Daten des US-Hotelverbands American Hotel & Lodging Association (AHLA) zeichnen für die Vereinigten Staaten ein komplizierteres Bild.

In ihrem jüngsten „FIFA World Cup 2026 Hotel Outlook“ (Quelle auf Englisch) warnt die AHLA, dass die erwartete Nachfrage sich bislang nicht in kräftigen Hotelbuchungen niederschlage und dass inländische Gäste die internationalen Besucher klar übertreffen. Stornierte von der FIFA geblockte Zimmerkontingente, Hürden im internationalen Reiseverkehr und steigende Kosten sieht der Verband als „Haupttreiber der abgeschwächten Hotelnachfrage“.

Dem Bericht zufolge, der auf Befragungen von Hoteliers in elf Gastgeberstädten basiert, sagen 80 Prozent der Befragten, die Buchungen lägen unter den ursprünglichen Prognosen. Gäste aus den USA füllen die Hotels zwar auf üblichem Sommerniveau, die erwartete Welle internationaler Fans ist aber bisher ausgeblieben.

Dieser Trend passt zu breiteren Reisedaten, die Anfang des Monats veröffentlicht wurden: Das weltweite Interesse an der WM nimmt zu, doch längst nicht alle Suchanfragen münden in gebuchte Reisen. Analystinnen und Analysten sehen eine wachsende Lücke zwischen Online-Suche und tatsächlichen Ankünften und verweisen auf strukturelle Hürden, die die Umwandlung in Buchungen bremsen.

Im Mittelpunkt stehen Visabeschränkungen und geopolitische Sorgen. Zwischen 65 und 70 Prozent der von der AHLA befragten Hoteliers nennen diese Punkte als Hauptgrund für die schwächere internationale Nachfrage. Für ein Turnier, das stark auf grenzüberschreitende Reisen – vor allem aus Europa und Lateinamerika – angewiesen ist, ist das eine erhebliche Herausforderung.

„Hotels in allen Austragungsorten haben jahrelang auf die Weltmeisterschaft hingearbeitet, und die Vorfreude ist spürbar, doch die Daten sprechen für eine differenziertere Lage“, sagt Rosanna Maietta, Präsidentin und Geschäftsführerin der AHLA.

Ein weiterer Grund für den verhaltenen Ausblick ist laut Bericht ein „künstliches frühes Nachfragesignal“, das durch von der FIFA belegte Zimmerkontingente entstanden sei. Viele Hotels hatten zunächst große Teile ihrer Kapazitäten für offizielle Zwecke der WM reserviert und damit die Erwartungen in die Höhe getrieben. Inzwischen meldet jedoch etwa die Hälfte der Befragten, dass sie einen beträchtlichen Teil dieser Zimmer wieder in den freien Verkauf geben mussten – die Nachfrageprognosen werden deshalb neu justiert.

Die Auswirkungen unterscheiden sich deutlich zwischen den einzelnen Gastgeberstädten.

In Kansas City berichten 85 bis 90 Prozent der befragten Hotels von Buchungszahlen unter den Erwartungen; die Nachfrage liegt dort sogar unter einem normalen Sommer ohne Großereignis. Ähnlich schwach fällt die Lage in Boston, Philadelphia, San Francisco und Seattle aus, wo viele Betreiber die WM bislang faktisch als „Nicht-Ereignis“ bezeichnen.

Anders sieht es in einer kleineren Gruppe von Zielen aus. Miami und Atlanta liegen deutlich über den Erwartungen, gestützt durch ihre starke Anziehungskraft für Freizeitreisende, gute Flugverbindungen und bestätigte Team-Quartiere. Diese Märkte machen laut AHLA jedoch nur etwa 25 bis 30 Prozent der Befragten aus.

Wichtige Drehkreuze wie New York City und Los Angeles liegen im Mittelfeld. Die Buchungen bleiben hinter den Erwartungen zurück, entsprechen aber in etwa dem üblichen Sommergeschäft – ein Hinweis darauf, dass die WM bisher keinen deutlichen Zusatzschub bringt.

Dallas und Houston melden ein ähnliches Bild: Rund 70 Prozent der Hotels bleiben hinter den WM-Prognosen zurück, auch wenn sie ihre Grundauslastung halten.

Maietta sieht trotzdem „weiterhin beträchtliche Chancen“. Damit sich dieses Potenzial ausschöpfen lässt, müssten die USA und die FIFA jedoch für ein „gastfreundliches und reibungsloses Erlebnis für internationale Reisende“ sorgen.

„Das bedeutet“, so Maietta weiter, „unnötige Kostensteigerungen bei Visa und bei der An- und Abreise zu den Spielen zu vermeiden und lokale Behörden davon abzubringen, kurzfristig zusätzliche Steuern zu erheben, die dem Turnier und den Fans schaden.“

Auch wenn sich die Touristenzahlen insgesamt verbessern, verteilt sich der Nutzen in Nordamerika sehr ungleich. Analysen der Unternehmen Data Appeal und Mabrian gemeinsam mit PredictHQ zeigen, dass die Nachfrage in unterschiedlichem Tempo wächst und sich vor allem in Städten wie Mexico City, Vancouver und Boston bündelt – gute Flugverbindungen spielen dabei eine zentrale Rolle für tatsächliche Buchungen.

Die Ausgaben könnten sich auf bis zu 4,3 Milliarden Dollar summieren, vor allem in der Hotellerie und Gastronomie. Das Beratungsunternehmen Oxford Economics erwartet dennoch, dass die gesamtwirtschaftlichen Effekte „nur gering und von kurzer Dauer“ bleiben. Ein großer Teil der Nachfrage verdränge bestehende Reisen, betont Ökonomin Barbara Denham; profitieren dürften daher eher kleinere Städte als etablierte Metropolen.

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