Ryanair-Chef Michael O’Leary wundert sich über Frühtrinker, doch Wetherspoon-Eigentümer Tim Martin wehrt sich gegen ein Zwei-Pint-Limit an Flughäfen.
Flughäfen wirken wie Orte außerhalb normaler Zeitabläufe. Sie starten vielleicht früh am Morgen, nebenan überlegt jemand mit Zwischenstopp schon, was er zum Abendessen bestellt.
Deshalb gibt es dort rund um die Uhr Frühstück und Abendessen und dazu Pints Bier.
Das hat sich so sehr eingebürgert, dass niemand mehr staunt, wenn schon um sieben Uhr morgens Prosecco-Gläser klingen. Ryanair-Chef Michael O’Leary fordert nun ein Verbot.
Nach seinen Angaben muss Europas größte Airline fast jeden Tag einen Flug umleiten, weil sich Passagiere danebenbenehmen. Oft haben sie vor dem Boarding schlicht zu viel getrunken.
„Das wird für alle Airlines zu einem echten Problem“, sagte O’Leary der Zeitung The Times (Quelle auf Englisch). „Ich verstehe nicht, warum Flughafenkneipen um fünf oder sechs Uhr morgens überhaupt Alkohol ausschenken. Wer muss um diese Uhrzeit Bier trinken?“
Viele Fluggäste nehmen zu ihrem ersten Bier des Tages gerade einmal ein kleines Frühstück zu sich, manche essen gar nichts. Da sind Probleme programmiert.
O’Leary kritisiert den freien Alkoholausschank an Flughäfen seit Langem. Er erneuerte seine Forderung nach einem Limit von zwei Drinks pro Person, kontrolliert über die Bordkarte, die beim Bestellen vorgezeigt werden müsste.
Ryanair verfolgt bei Störungen an Bord eine Null-Toleranz-Strategie und informiert regelmäßig darüber, wenn Passagiere wegen ihres Verhaltens verurteilt wurden.
In dieser Woche meldete die Airline, dass zwei Passagiere, die einen Flug von London Stansted nach Ibiza zu einer Zwischenlandung in Toulouse nötigten, Bewährungsstrafen von bis zu zehn Monaten erhielten und zusammen mehr als 10.000 Euro zahlen müssen.
Mit O’Learys Vorstoß sind allerdings nicht alle einverstanden.
Sir Tim Martin, Besitzer der britischen Pub-Kette Wetherspoon, erklärte, ein solches Limit sei „außerordentlich schwer umzusetzen, es sei denn, man würde die Passagiere mit Alkoholtests kontrollieren“.
Die Kette teilte The Times (Quelle auf Englisch) mit, eine Auswertung der Umsätze in ihren Flughafen-Pubs der vergangenen sechs Monate zeige, dass ein „erheblicher Teil“ der alkoholischen Getränke zusammen mit einem Essen bestellt werde.
Außerdem gebe es strenge Regeln, um zu verhindern, dass Fluggäste vor dem Start zu viel trinken. Ein starres Limit könne dazu führen, dass viele schon vor der Anreise zum Flughafen Alkohol konsumieren.
Betrunken im Flugzeug: Welche Regeln gelten
Über den Umgang mit betrunkenen Passagieren entscheiden in erster Linie die Luftfahrtbehörden der einzelnen Staaten. Einzelne Fluggesellschaften nehmen entsprechende Klauseln außerdem in ihre Beförderungsbedingungen auf.
So heißt es etwa in der britischen Air Navigation Order 2016: „Eine Person darf kein Luftfahrzeug betreten oder sich in einem Luftfahrzeug aufhalten, wenn sie betrunken ist.“ Was genau als betrunken gilt, bleibt allerdings offen.
In den Lufthansa-Beförderungsbedingungen kann die Airline den Einstieg verweigern, wenn „Ihr Verhalten, Ihr Zustand oder Ihre geistige oder körperliche Verfassung – etwa infolge von Alkohol- oder Drogenkonsum – Sie selbst, andere Passagiere oder die Besatzung gefährdet“.
Die Europäische Agentur für Flugsicherheit EASA startete 2019 die Kampagne #NotOnMyFlight. Sie soll Fehlverhalten an Bord eindämmen, darunter Trunkenheit und Aggression.