Mindestens ein Dutzend Flugobjekte bewegte sich laut Militär nahe der polnischen Grenze. Eines näherte sich bis auf rund fünf Kilometer, ein weiteres wurde später im polnischen Luftraum registriert.
Gegen 3.40 Uhr in der Nacht heulten in Lublin und umliegenden Ortschaften die Alarmsirenen. Zuvor hatte das Operative Kommando über verstärkte russische Angriffe auf die Ukraine informiert. Medienberichten zufolge fielen Bomben auf Kyjiw, Lwiw und Krywyj Rih. Mindestens sechs Menschen kamen ums Leben.
Der Sprecher des Operativen Kommandos der Teilstreitkräfte (DORSZ), Oberstleutnant Jacek Goryszewski, bestätigte im Gespräch mit Euronews, dass der Start von Kampfjets an der Ostgrenze und die Warnmeldungen an das Regierungszentrum für Sicherheit auf eine verstärkte Luftaktivität der Russischen Föderation nahe der polnischen Grenze zurückgingen.
Sprecher des DORSZ: "Flugzeug in der Luft, zwei Kampfjets jederzeit einsatzbereit"
Nach Angaben der örtlichen Behörden lösten die Einsatzkräfte die Sirenen aus, weil ein reales Risiko von Luftangriffen bestand. In den meisten Orten der Woiwodschaft Lublin waren die Alarmsirenen zu hören.
"In der Nacht registrierten wir eine intensive Gefechtsaktivität der Langstreckenluftwaffe der Russischen Föderation. Wir ergriffen alle nötigen Maßnahmen, um mögliche Verletzungen unseres Luftraums zu verhindern. Wir ließen ein Jagdpaar starten – zwei bewaffnete Kampfjets in ständiger Einsatzbereitschaft –, dazu ein Frühwarnflugzeug und ein Tankflugzeug", sagte der Sprecher des Operativen Kommandos der Teilstreitkräfte gegenüber Euronews.
Wie er erläuterte, reagierten die Kampfjets auf die Bewegungen fremder Flugobjekte nahe der polnischen Grenze.
"Im Westen der Ukraine sahen wir mindestens ein Dutzend Objekte, die sich in geringem Abstand zu unserer Grenze bewegten. Das nächste kam bis auf rund fünf Kilometer an die polnische Grenze heran und drehte dann ab", erklärte er.
Die Behörden hoben den Alarm gegen 3.59 Uhr wieder auf, die Sirenen wurden abgeschaltet. Auch das Operative Kommando der Teilstreitkräfte meldete in einer nächtlichen Mitteilung den Einsatz von Kampfjets und einem Frühwarnflugzeug.
"Die ganze Nacht liefen unsere Systeme auf Hochtouren, um die Sicherheit unseres Luftraums zu gewährleisten. Wir hatten ein Flugzeug in der Luft und zwei Kampfjets, die jederzeit einsatzbereit waren", betonte Goryszewski.
Unbekanntes Flugobjekt über Polen
Obwohl der Alarm bereits aufgehoben war, registrierten die Systeme gegen 3.40 Uhr ein unbekanntes Flugobjekt im polnischen Luftraum. Ein F-16-Kampfjet stieg auf, um es abzufangen.
Kurz darauf verschwand das Objekt von den Radarschirmen. Sein mutmaßlicher Einschlagsort wurde nahe der Ortschaft Tarnawa-Kolonia ausgemacht. Einsatzkräfte fuhren dorthin, um die Art des Objekts zu klären.
"Gegen 3.40 Uhr haben wir in unserem Luftraum ein Objekt festgestellt, das derzeit von den zuständigen Diensten untersucht wird. Erst nach Abschluss dieser Arbeiten wird man sagen können, was in Tarnawa-Kolonia niedergegangen ist", erklärte Oberstleutnant Jacek Goryszewski. "Eine eindeutige Identifizierung ist wahrscheinlich nicht gelungen, weil das Objekt genau in dem Moment abstürzte, als sich die F-16 näherte."
Die Behörden machten zunächst keine Angaben zur genauen Beschaffenheit des Objekts. Einige Experten halten es jedoch für möglich, dass es sich um eine ballistische Rakete gehandelt haben könnte.
Der polnische Nachrichtendienstoffizier Oberst Andrzej Derlatka sagte beim Sender TVP Info, es habe sich "wahrscheinlich um eine Rakete gehandelt, die entweder an einem Angriff auf Teile der Ukraine beteiligt war oder um eine ukrainische Flugabwehrrakete, die eine ballistische Rakete abfangen sollte".
Krater in der Woiwodschaft Lublin: Politik reagiert
Politiker haben den Vorfall bereits kommentiert. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz dankte den Einsatzkräften für ihr wirksames Handeln und versprach, die Öffentlichkeit fortlaufend zu informieren.
Auch Ministerpräsident Donald Tusk kündigte die Einberufung eines speziellen Koordinierungsteams unter Beteiligung des Verteidigungsministers an. Die zuständigen Stellen sollten ihn laufend über alle wesentlichen Informationen unterrichten.