In Kenia erprobt man derzeit einen solarbetriebenen Krankenwagen, der medizinische Versorgung in entlegene Gemeinden bringen soll.
Das Fahrzeug mit dem Namen Stella Juva haben Studierende der Technischen Universität Eindhoven in den Niederlanden entwickelt. Es soll die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und von Stromnetzen verringern. Solche Netze sind in manchen abgelegenen Regionen unzuverlässig.
Yarno Basten, einer der Innovatoren hinter dem Projekt, erklärte, die Idee sei nach Gesprächen mit in Afrika tätigen NGOs entstanden. Diese hätten berichtet, dass ihre Abhängigkeit von Treibstoff und Netzstrom ihre Möglichkeiten, Gesundheitsversorgung anzubieten, teilweise einschränke.
Mobile Klinik auf Rädern
Stella Juva soll mehr sein als nur ein Rettungswagen. Das Fahrzeug kann medizinische Geräte transportieren, etwa ein Ultraschallgerät, mobiles Röntgenequipment, einen Defibrillator und Kühltechnik für medizinische Vorräte.
Solarzellen liefern Energie für das Fahrzeug und für die medizinischen Geräte an Bord. Die verfügbare Leistung ist jedoch begrenzt. Das Team musste deshalb genau auswählen, welche Ausstattung mitfährt.
„Es ist sehr wichtig, dass wir für jeden Einsatzfall die passende Ausrüstung dabeihaben, denn uns steht nur eine begrenzte Energiemenge zur Verfügung“, sagte Basten.
Das Fahrzeug schafft unter günstigen Bedingungen bis zu 715 Kilometer mit einer Ladung und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.
Den Prototyp testen die Entwickler derzeit auf kenianischen Straßen, darunter staubige und unebene Routen im County Narok.
Gesundheitsversorgung kommt zu den Menschen
Das Projekt entsteht in enger Zusammenarbeit mit medizinischem Personal, das in den Gemeinden arbeitet, die später von dem Fahrzeug profitieren sollen.
Geoffery Sadera, Projektmitarbeiter bei Amref Health Africa, betonte, das Fahrzeug könne Fachkräfte dabei unterstützen, diagnostische Untersuchungen in Gebieten mit begrenztem Zugang zu Strom durchzuführen.
„Es ermöglicht uns, Mütter und Babys zu untersuchen, Komplikationen früh zu erkennen und sie in Echtzeit weiterzuverweisen“, sagte er.
Das Fahrzeug kann auch Überweisungen zwischen Gesundheitsstationen in den Gemeinden und größeren medizinischen Zentren erleichtern.
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sind weltweit Hunderte Millionen Menschen auf Gesundheitseinrichtungen angewiesen, die gar keinen oder nur einen sehr unzuverlässigen Stromanschluss haben.
Für die Entwickler von Stella Juva besteht die Herausforderung darin zu klären, ob mobile, erneuerbare Energie sowohl den Zugang zu Gesundheitsversorgung als auch den Zugang zu verlässlichem Strom verbessern kann.
Das Projekt befindet sich weiterhin in der Testphase. Das Team beobachtet, wie sich das Fahrzeug unter realen Bedingungen schlägt.