Eilmeldung

Eilmeldung

Die Angst Gibraltars vor dem Brexit

Sie lesen gerade:

Die Angst Gibraltars vor dem Brexit

Die Angst Gibraltars vor dem Brexit
Schriftgrösse Aa Aa

Jeden Tag überqueren etwa 8000 Spanier die Grenze zwischen ihrem Land und Gibraltar, um auf dem "Affenfelsen" zu arbeiten.

Jetzt sind sie besorgt - wegen Brexit.

Sie haben Angst, ihren Job zu verlieren oder gezwungen zu werden, ein Visum zu beantragen.

Das könnte lange Warteschlangen mit sich bringen, befürchtet Gemma Salcedo, die seit 15 Jahren in einem Geschäft angestellt ist.

"Anstatt fünf Minuten Grenzüberquerung könnten es künftig drei oder vier Stunden sein."

Gibraltar ist der wirtschaftliche Motor für diese Region im Süden Spaniens.

Es wird geschätzt, dass Gibraltar etwa ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet.

Das schafft nicht nur Arbeitsplätze, sondern Unternehmen liefern auch Waren und Dienstleistungen nach Gibraltar.

Loren Perianez, Eigentümer dieses Motorradgeschäfts, fürchtet daher um seinen künftigen Umsatz.

"Mein Geschäft hängt zu einem großen Teil von Gibraltar ab, ich würde sagen bei Mororrädern 90 Prozent.

Ich verkaufe auch Möbel, und hier macht der Umsatz mit Gibraltar etwa 40 Prozent aus.

In Gibraltar macht sich ebenfalls Unruhe breit.

Die Firma GibMaroc importiert Frischprodukte, die mit Lastern aus dem Rest Europas kommen.

Für sie ist es entscheidend, dass der Verkehr auf den Straßen weiter fließt.

Der Eigentümer, George Desoia, hofft auf eine Brexit-Einigung, bereitet sich aber auch für den Krisenfall vor.

"Gibraltar und seine Bewohner sind wahre Überlebenskünstler. Ich würde sagen, dass wir schon 48 Stunden nach dem Referendum nach Möglichkeiten gesucht haben, wie wir die neue Situation für uns am besten nutzen könnten."

Die Bevölkerung Gibraltars stimmte fast geschlossen gegen den Brexit - 96 Prozent waren für die EU-Mitgliedschaft.

Brexit ist heute in Gibraltar eine Quelle ständiger Unsicherheit.

Doch einige sehen nun auch eine Gelegenheit, Streitpunkte mit Spanien zu beenden.

Spanien hat die Frage der Souveränität stets offen gelassen.

Madrid will nun mit dem Hebel Brexit andere Fragen klären.

Etwa die gemeinsame Nutzung des Flughafens Gibraltars, ein Ende der Müllentsorgung im Meer und der Kampf gegen den Zigarettenschmuggel.

Doch der größte Streitfall dürfte wohl die Steuertransparenz bleiben, wie der Gouverneur von Gibraltar, Fabian Picardo, erklärt.

"Wir haben heute keine Vereinbarung zu Steuerfragen. Aber wir haben gemeinsame Ziele, was Fortschritte begünstigen würde.

Und wenn man gemeinsame Ziele hat, dann dürfte man bei technischen Verhandlungen und Gesprächen zwischen Experten und Politikern optimistisch sein."

Eine Vereinbarung zwischen Madrid und London scheint zum Greifen nahe. Solltte sie scheitern, könnte Spanien bei einer Brexit-Einigung Gibraltar als Faustpfand benutzen.