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Warum Norweger trotz Skepsis mehr chinesische E-Autos kaufen

Archivaufnahme: Vom norwegischen Elektroauto-Verband bereitgestelltes Foto mit E-Autos vor Geschäften.
Archivbild: Vom norwegischen Elektroauto-Verband bereitgestelltes Pressefoto zeigt Elektroautos vor Geschäften. -  Copyright  Markus Rotevatn/Norwegian EV Association
Copyright Markus Rotevatn/Norwegian EV Association
Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am
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In Norwegen sind über 95 Prozent der Neuzulassungen Elektroautos – der höchste Anteil weltweit. Etwa jedes vierte neue E-Auto stammt von Marken, die ganz oder teilweise chinesischen Unternehmen gehören.

Chinesische Autobauer sichern sich in Norwegen immer größere Marktanteile. Gleichzeitig wächst die Skepsis gegenüber ihren Elektrofahrzeugen in dem Land, das weltweit als Vorreiter bei Elektroautos gilt.

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Nach einer neuen Umfrage des norwegischen Elektroauto-Verbands, die vom 31. März bis 3. Mai unter knapp 15.000 Elektroautobesitzern in Norwegen lief, wollen fast ein Drittel (31 %) der Fahrer aus politischen Gründen keine chinesische Marke kaufen. Vor einem Jahr lag der Anteil bei 23 %.

„Neue Autos sind in der Praxis Computer auf Rädern“, erklärte die Generalsekretärin des Verbands, Christina Bu, in einer Mitteilung.

„Da Datensicherheit und Privatsphäre immer stärker in den Fokus rücken, ist es naheliegend, dass mehr Verbraucher sich fragen, wo die Autos herkommen und wie mit ihren Daten umgegangen wird“, fügte sie hinzu.

Vor einigen Jahren stellten norwegische Sicherheitsforscher fest, dass ein Wagen des chinesischen Herstellers NIO Daten nach China übermittelte.

Andere Tests an einem Bus des chinesischen Konzerns Yutong zeigten, dass der Hersteller Zugriff auf das Steuerungssystem des Fahrzeugs hatte und es theoretisch aus der Ferne stoppen oder unbrauchbar machen konnte.

Der Absatz chinesischer Marken wie BYD, NIO und Dongfeng sowie chinesisch kontrollierter Marken wie Volvo und Polestar ist in Norwegen dennoch stark gestiegen. Im ersten Halbjahr stellten sie rund 25 % der Neuzulassungen von Elektroautos.

Im Jahr 2019 spielten sie praktisch keine Rolle.

„Das zeigt, dass Käufer beim Autokauf mehrere Faktoren gegeneinander abwägen“, sagte Bu.

„Für manche sind Preis und Technik ausschlaggebend. Andere lassen sich von moralischen Dilemmata und der Unsicherheit über Datenaustausch und Sicherheitsrisiken beeinflussen“, so Bu weiter.

Chinesische Marken bauen Stellung in Norwegen aus

Binnen weniger Jahre sind chinesisch beherrschte Marken von einem kaum messbaren Anteil am norwegischen Elektroautomarkt zur zweitgrößten Herkunftsgruppe aufgestiegen, wie ein früherer Bericht des Verbands zeigt.

Demnach könnten sie europäische Hersteller bereits 2027 überholen, falls der Trend anhält. Norwegen könnte damit zu einem der ersten europäischen Märkte werden, in denen chinesische Elektroautoanbieter eine dominierende Stellung erreichen.

Der Erfolg in Norwegen ist für die Branche bedeutsam, denn das Land gilt weltweit als Spitzenreiter bei der Einführung von Elektroautos. Nach Angaben des norwegischen Straßenverkehrsverbands OFV waren in den ersten acht Monaten 2026 bereits 97,8 % aller Neuzulassungen Elektrofahrzeuge.

Norwegen liegt damit weit vor der EU, in der Elektroautos zwischen Januar und August nur 21,7 % der Neuzulassungen ausmachten, wie der europäische Herstellerverband ACEA mitteilt.

In der gesamten EU gewinnen chinesische Marken ebenfalls an Boden. Die Neuzulassungen der von ACEA erfassten fünf Konzerngruppen mit chinesischen Marken legten im August im Jahresvergleich um rund 71 % zu. Ihr gemeinsamer Marktanteil stieg von 6,6 % auf 10,8 %. Damit stammt inzwischen etwa jedes neunte neu zugelassene Auto in der EU aus diesen Gruppen. In der Zahl enthalten sind auch Marken mit europäischen Wurzeln wie Volvo Cars, das zum Geely-Konzern gehört.

Zu den am schnellsten wachsenden Herstellern in der EU zählen Leapmotor (plus 211 %), Chery (201 %), BYD (129 %) und die Geely-Gruppe (24 %). Die Neuzulassungen von Fahrzeugen des US-Herstellers Tesla nahmen um 53 % zu.

Widerstand gegen Tesla sinkt

Auch der politische Widerstand gegen Tesla hat in Norwegen nachgelassen. Laut der Umfrage des Elektroauto-Verbands sank der Anteil der Befragten, die Tesla aus politischen Gründen meiden wollen, von 43 % im Vorjahr auf 24 %. Hintergrund ist die politische Rolle von Elon Musk und seine Unterstützung für rechtsradikale Führungspersönlichkeiten, die der Marke Kritik eingebracht haben.

„Im vergangenen Jahr war Elon Musks politisches Engagement sehr sichtbar und hat erwartungsgemäß starke Reaktionen ausgelöst“, sagte Bu.

„In diesem Jahr stand das Thema weniger im Rampenlicht. Das könnte dazu beigetragen haben, dass weniger Menschen angeben, Tesla ablehnen zu wollen“, ergänzte sie.

Tesla bleibt dennoch die meistverkaufte Neuwagenmarke in Norwegen. Nach OFV-Daten bis einschließlich 24. September hält der Hersteller derzeit einen Marktanteil von 17,5 % an den Neuzulassungen.

Weitere Quellen • AFP

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