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Vor genau 80 Jahren: Die letzte öffentliche Hinrichtung mit der Guillotine wurde zum Skandal
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STF / AFP

Vor genau 80 Jahren: Die letzte öffentliche Hinrichtung mit der Guillotine wurde zum Skandal

Auf den Tag genau vor 80 Jahren versammelte sich zum letzten Mal eine Menschenmenge vor den Türen des Gefängnisses Saint-Pierre im Zentrum der französischen Stadt Versailles, um einer öffentlichen Hinrichtung beizuwohnen. Der Todeszelleninsasse Eugen Weidmann, ein Mörder mit deutscher Nationalität, sollte der letzte werden, dessen Urteil in der Öffentlichkeit Frankreichs vollstreckt wurde.

Das Ereignis löste in Frankreich eine heftige Kontroverse aus. Nach dem Vorfall wurde die Guillotine nur noch außer Sichtweite der Öffentlichkeit auf dem Gefängnisgelände verwendet.

Am 17. Juni 1939 warteten die Zuschauer mehrere Stunden auf das Spektakel – einige wohl in der Hoffnung, einen Platz in der ersten Reihe zu bekommen. Die Guillotine wurde auf dem Bürgersteig aufgestellt, die Menge stand nur wenige Meter von der Tötungsmaschine entfernt.

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Solche Hinrichtungen fanden in der Regel vor Tagesanbruch statt. Dieses Mal jedoch hatten sich die Vorbereitungen in Versailles verzögert und als Eugen Weidmann mit gefesselten Händen auf dem Rücken zur Guillotine geführt wird, steht die Sonne bereits hoch am Himmel.

Mit diesem Licht ergab sich für Reporter die einmalige Möglichkeit, das Ereignis zu fotografieren und sogar Filme zu machen: Es entstand die größte Bildserie einer Exekution mit einer Guillotine und sorgte für weit mehr Aufmerksamkeit, als der französischen Obrigkeit lieb war.

Öffentliche Hinrichtungen hatten nicht die erwartete "moralisierende Wirkung"

Die im Ausland verbreiteten Bilder vermittelten ein düsteres Bild von Frankreich und verursachten eine hitzige Debatte über die seit mehreren Jahrzehnten umstrittenen Hinrichtungen in der Öffentlichkeit.

Auf der Grundlage eines Berichts des Regierungschefs Edouard Daladier, in dem er festgestellte, dass öffentliche Hinrichtungen nicht die erwartete "moralisierende Wirkung" hätten, beschloss Präsident Albert Lebrun, "die öffentlichen Enthauptungen" zu beenden.

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Eine Woche nach den Vorfällen in Versailles wurde das Dekret vom 24. Juni 1939 erlassen. Darin ist festgelegt, dass "die Hinrichtung innerhalb der Grenzen des Gefängnisses durchgeführt wird" und dass nur wenige Personen (Richter, Anwälte, Polizeibeamte, Minister oder Ärzte) teilnehmen dürfen.

Von nun an kam die Enthauptungsmaschine nur noch auf Gefängnishöfen zum Einsatz und wurde i der Regel mit einem schwarzen Stück Stoff überdacht. Die letzte Hinrichtung eines Todeszelleninsassen in Frankreich fand am 10. September 1977 statt. An diesem Tag wurde Hamida Djandoubi im Gefängnis Baumettes in Marseille guillotiniert. Endgültig abgeschafft wurde die Todesstrafe in Frankreich mit einem Gesetz des sozialistischen Justizministers Robert Badinter am 9. Oktober 1981.

Die Hinrichtung am 17. Juni 1939 hatte einen besonderen Zeugen

Christopher Lee, der zukünftige Schauspieler, nahm an dem Spektakel teil. Er wurde von einem Journalisten, einem Freund seiner Familie, dorthin gebracht. Im Alter von 17 Jahren wusste der Brite, der später Dracula im Kino spielen würde, nicht, was ihn erwartete.

Jahre später erzählte Christopher Lee in einem Interview mit France Culture, dass er nicht habe hinsehen können. "Ich drehte meinen Kopf, aber ich hörte es", sagte er und imitierte das Geräusch der Klinge, die auf den Kopf des Verurteilten fiel.

Weitere Einzelheiten zu diesem Tag teilte er in seiner Autobiographie "The Lord of Disorder" mit. In seinem Buch beschreibt er die "mächtige Welle“ von Raunen und Schreien, die aus der Menge aufstieg, als der verurteilte Mann ankam. Nach der Hinrichtung seien Zuschauer "mit schrecklichen Schreien auf den Körper zugeeilt. Einige zögerten nicht, Taschentücher und Schals in das Blut zu tauchen, das als Souvenir auf dem Bürgersteig vergossen wurde“.