Reisetagebuch Kuba: Alte Autos und heiße Rhythmen

Reisetagebuch Kuba: Alte Autos und heiße Rhythmen
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Kuba mit seiner unnachahmlichen Mischung aus dekadenter Vergangenheit und einer Gegenwart voller Vitalität, Kultur und Kunst. In diesem Jahr steht in der Hauptstadt Havanna, die gleichzeitig wirtschaftlich-kulturelles Zentrum ist, ein Jubiläum an. Am 16. November jährt sich die Gründung der Stadt unter dem Namen „Villa de San Cristóbal de La Habana“ zum 500. Mal. Sie ist einer der ältesten Städte dessen, was die Siedler damals „Neue Welt“ nannten. Eine Geschichte, die heute noch spürbar ist – anhand der Menschen, der Architektur, der Alleen und der stattlichen Gebäude, die nach und nach dekoriert und dank eines ehrgeizigen Sanierungsplans der Stadt in neuem Glanz erstrahlen.

Die Stadt lässt sich am besten erkunden, indem man durch die engen Gassen schlendert, über die Plätze und durch die Parks von Old Havana, Downtown Havana und Vedado. Einfach unter die Einwohner Havanas mischen – sie verbringen ihren Alltag ohnehin meistens im Freien. Ständiger Stress, wie er im westlichen Teil der Erde üblich ist, gibt es hier in der Karibik nicht. Als wir die weitläufige Uferpromenade „Malecón“ entlanghetzen, hält uns eine Frau am Arm fest und fragt uns lächelnd: "Warum rennen Sie so?“ Hier ticken die Uhren etwas anders - langsamer. Als Tourist empfiehlt es sich, sich dem sachten karibischen Rhythmus anzuschließen.

Eine weitere große Attraktion der Stadt sind die alten Autos, die uns in eine andere Zeit zurückversetzen. Obwohl sich damit im Tourismusbereich viel Geld verdienen lässt, mögen einige Leute sie nicht, weil sie für die Stadt sehr umweltschädlich sind.

Roadtrips auf Kuba sind lang, aber sie sind jede einzelne Stunde wert, um alles in sich aufzusaugen: Tropische Landschaften, malerische Dörfer voller Leben und Musik, alte Autos, die umherfahren und uns träumen lassen. Nach mehreren Stunden kommen wir in Varadero an. Ein Paradies mit türkisfarbenem Wasser, in dem man alles hat, was man sich nur wünschen kann und mehr: Eine atemberaubende Natur, ein exquisiter Service und ein breites Angebot in Sachen Freizeit, Erholung, Luxus, und Schönheit...

Wir besuchen das „Varadero International Hotel“. Es wurde gerade neu eröffnet, nachdem die kubanische Regierung trotz vieler Kontroversen beschlossen hatte, das vorherige, in den 1940er Jahren erbaute Hotel aus Sicherheits- und Küstenschutzgründen abzureißen. Die imposante, luxuriöse Anlage, unweit von einem der schönsten Strände der Karibik, ähnelt in ihrem Stil dem früheren Hotel.

Wir setzen unsere Reise Richtung Santiago de Cuba fort - vorbei an der Villa Clara. Der einstige Kommandant Che Guevara ist in dieser schönen Stadt allgegenwärtig. Er war es, der die kubanische Revolution in diesen zentralen Teil der Insel brachte. Die Überreste von ihm wurden hierhergebracht und ruhen heute in einem riesigen Mausoleum in Santa Clara. Eine lebensgroße Statue erinnert an die Lichtgestalt der Kubanischen Revolution, die 1967 in Bolivien starb.

Als wir Santiago de Cuba näherkommen, erschließt sich uns deren Spitzname "Tierra Caliente", was so viel heißt, wie „Heißes Land“. Wir sind im südlichen Teil der Insel und die Hitze ist erdrückend. Aus den bunt gestrichenen Häusern tönt Musik in voller Lautstärke - Salsa, Trova, Son... Es ist die Wiege der kubanischen Musik, die Wiege des großen Musikers Compay Segundo. Musik schallt überall aus den Boxen.

Aber das Erstaunlichste an Santiago de Cuba ist, dass in dieser karibischen Stadt mit mestizischen Einwohnern die Straßen und auch die Menschen immer noch Dubois, Dupont, Lagart heißen... Das französische Erbe ist noch immer sehr präsent. Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts haben sich in der Stadt und in den Bergen, Franzosen niedergelassen, die vor der Haitianischen Revolution geflohen sind. Sie kamen mit Geld und bauten mittels Sklavenarbeit eine Kaffeeindustrie auf. Mit den Franzosen hielt auch die Aufklärung Einzug. Die Kultur begann sich zu entwickeln – mitten in den Bergen – rund um den sogenannten „Big Rock“. Es wurde Französisch und Kreolisch gesprochen. Noch heute sind Spuren davon erkennbar - in der Gastronomie, in der Bildung, in der Kleidung - sogar in der Sprechweise der Einwohner. Sie sprechen langsamer und melodischer als in Havanna.