Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Vom Artenschutz bis CO2-Speicherung: Rückkehr der Wisente bringt Europa große Vorteile

Europas größtes wild lebendes Landsäugetier entgeht knapp dem Aussterben.
Größtes europäisches Wildlandsäugetier kehrt von der Schwelle des Aussterbens zurück. Copyright  Nick Dunlap
Copyright Nick Dunlap
Von Rebecca Ann Hughes
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Das größte wild lebende Landsäugetier Europas stand kurz vor dem Aussterben. Nun kehrt es zurück.

Der Europäische Bison feiert auf dem Kontinent ein Comeback und bringt zahlreiche Vorteile für die Tierwelt mit sich.

WERBUNG
WERBUNG

Früher lebte er in weiten Teilen Europas. Im frühen zwanzigsten Jahrhundert trieben Jagd und Lebensraumverlust das größte wilde Landsäugetier Europas jedoch an den Rand des Aussterbens.

Heute leben wieder Herden in Großbritannien, Rumänien, Deutschland, der Schweiz, Polen, Belarus und Litauen.

Europäischer Bison kehrt zurück

Der Europäische Bison, in Deutschland meist Wisent genannt, besiedelte einst große Teile des Kontinents. Dann dezimierte ihn intensive Jagd.

Als 1927 im Kaukasus der letzte wilde Europäische Bison erschossen wurde, lebten nach Angaben von Rewilding Europe weniger als 60 Tiere in Zoos und privaten Parks. Die Organisation setzt sich für wiederverwilderte Landschaften ein.

Schon in den fünfziger Jahren setzten Fachleute die Tiere wieder in freier Wildbahn aus. Heute gilt der Wisent als eine der größten Erfolgsgeschichten des Artenschutzes.

In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der frei lebenden Europäischen Bisons Schätzungen zufolge von 2.579 auf 7.000 Tiere. Die größten Herden leben in Belarus und Polen.

Durch die Arbeit von Rewilding Europe ziehen inzwischen mehr als 100 Wisente frei durch die Südkarpaten in Rumänien. Auch in den Rhodopen in Bulgarien lebt seit 2019 wieder eine kleine, wachsende Wildpopulation – erstmals seit dem Mittelalter.

Wisent steigern Artenvielfalt in britischem Wald

Die Wiederansiedlung der Bisons in Europa wirkt sich zudem positiv auf die Umwelt insgesamt aus.

Im britischen Blean Woods in der Grafschaft Kent lebt seit 2022 wieder eine Wisentherde. Bereits nach wenigen Jahren zeige sie „große Wirkung“, sagt die Naturschützerin Hannah Mackins der britischen Zeitung The Independent.

Durch ihr Grasen, das Umwerfen von Bäumen, das Schälen von Rinde und Staubbäder helfen die Tiere dem Wald bei der natürlichen Verjüngung und schaffen Lebensräume für andere Arten.

Das erhöht die Artenvielfalt und bringt komplexe Ökosysteme zurück. So werden die Lebensräume widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels.

Mackins zufolge sind die Veränderungen bereits deutlich zu sehen.

„Wenn man dort heute durchläuft, ist der Waldboden viel heller. Pflanzenarten kommen nach oben, die früher unter der dichten Schicht aus Bäumen, Farnen und Brombeeren keine Chance hatten“, sagt sie.

Sogenannte Wisent-Brücken, von denen bereits zwei stehen und zwei bis Jahresende folgen sollen, sollen der Herde Zugang zu einem deutlich größeren Waldgebiet verschaffen.

Rumäniens Wisente helfen beim Binden von CO₂

Nachdem die Tiere in Rumänien mehr als zweihundert Jahre lang verschwunden waren, brachten Rewilding Europe und der WWF Rumänien 2014 Wisente in die Karpaten zurück.

Eine Studie der Yale University aus dem Jahr 2024 legt nahe, dass diese massigen Pflanzenfresser eine Rolle dabei spielen könnten, die Auswirkungen des Klimawandels zu mindern.

Demnach könnte eine Herde von 170 Tieren helfen, so viel Kohlenstoff zu binden und zu speichern wie bis zu 84.000 durchschnittliche Benzin-Pkw in den USA pro Jahr ausstoßen.

Das gelingt ihnen, weil sie Grasflächen gleichmäßig abweiden, Nährstoffe über ihren Dung im Boden recyceln, Samen verbreiten und den Boden verdichten. So entweicht weniger Kohlenstoff.

Forschende erklären, die Wisente hätten sich über Millionen von Jahren gemeinsam mit diesem Ökosystem entwickelt. Als der Mensch sie entfernte, geriet dieses Gleichgewicht ins Wanken und mehr Kohlenstoff gelangte in die Atmosphäre.

Die Autorinnen und Autoren der Studie weisen allerdings darauf hin, dass dieser Schätzwert um bis zu 55 Prozent nach oben oder unten abweichen kann. Der obere Wert entspricht den Emissionen von rund 84.000 Benzin-Pkw in den USA pro Jahr, der mittlere Schätzwert liegt bei 43.000 Fahrzeugen.

Niederlande: Wisente helfen Singvögeln

In den Niederlanden leisten Wisente Singvögeln in der Brutzeit unerwartete Hilfe.

Im Nationalpark Zuid-Kennemerland nutzen Sperlingsvögel das Winterfell der Herde, das diese im Frühling verliert, als Baumaterial für ihre Nester.

Nach Angaben des Wisentproject Kraansvlak, das das Gebiet betreut, bevorzugen die Vögel die Haare der Tiere, weil sie wollig und weich sind, gut isolieren und so die Temperatur der Eier stabil halten.

Studierende der Angewandten Biologie untersuchen nun, ob dieses Nistmaterial den Bruterfolg der Vögel beeinflusst.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Mehr als 100 Millionen Euro täglich: Solarenergie spart Europa Milliarden in der Krise

Trotz Krieg: Ukrainer finden Trost, wenn sie gerettete Fledermäuse in die Freiheit entlassen

Griechenland verschärft Meeresschutz mit digitaler Echtzeit-Karte