Trotz Brexit: Japanischer NTT-Konzern zieht nach London

Trotz Brexit: Japanischer NTT-Konzern zieht nach London
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Der japanische Telekommunikationskonzern NTT geht dorthin, wo andere weg wollen. In diesem Fall: Großbritannien. Während sich Banken und andere Unternehmen bereits auf den Brexit vorbereiten, eröffnet die Firma ein neues Innovationszentrum in London und gründet einen neuen Tech-Dienstleister.

Ein Unternehmensvertreter erklärt: _"Wir sind nicht so stark reguliert wie beispielsweise Pharmaunternehmen oder Banken. wir sind eben eher ein digitales als ein produzierendes Unternehmen oder irgendetwas anderes. Aus Sicht unseres Alltagsgeschäft sind wir nicht wirklich davon betroffen, egal was mit dem Brexit passiert."
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Hoffnung auf eine Einigung beim Freihandel

Doch der Brexit könnte Unternehmen schaden, die momentan noch von einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan profitieren - aber nur so lange Großbritannien noch Mitglieder Gemeinschaft ist.

Doch den NTT-Chef stört das nicht. "Ich glaube, dass die britische und die japanische Regierung eine Einigung beim Freihandel erzielen werden. Wir wollen eine viel engere Partnerschaft zwischen beiden Ländern, insbesondere für neue Industrien."

Euronews-Reporter Damon Embling ist vor Ort in London:

"Angesichts all der Unsicherheit beim Brexit blicken nicht alle japanischen Unternehmen mit so zuversichtlich auf ihre Zukunft hier in Großbritannien. Sony und Panasonic beispielsweise sind mit ihren europäischen Hauptquartieren aus Großbritannien weggezogen. Der Autohersteller Honda will sein britisches Werk im Jahr 2021 schließen. Und Nissan hat Pläne begraben, eines seiner Modelle hier zu produzieren."

Unsicherheit überwiegt

Boris Johnson, aussichtsreichster Kandidat, nächster Premierminister zu werden, will die EU im Oktober verlassen. Mit oder ohne Deal. Experten sind jedoch skeptisch, so auch Suren Thiru, Wirtschafts- und Handelsexperte der British Chambers of Commerce.

"Wir wollen in den nächsten Jahren keine Rückkehr zum alten politischen Stillstand sehen. Wir brauchen einen klaren Weg vorwärts für den Brexit, und wir müssen diese No-Deal-Botschaft vom Tisch nehmen. Denn unsere Untersuchungen zeigen, dass ein ungeordneter Austritt aus der EU für einige Zeit massive Auswirkungen auf die Einstellung und die Investitionen haben wird."

Und so überwiegt am Ende die Unsicherheit bei Wirtschaftsvertretern, auch drei Jahre nach dem Brexit Referendum.