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Gewinne von Deutscher Bank, Santander und UBS steigen trotz Marktturbulenzen durch Iran-Krieg

ARCHIV - Blick auf den Hauptsitz des britischen Ablegers der spanischen Bank Santander in London, 29. Januar 2025.
ARCHIV - Die Zentrale des britischen Ablegers der spanischen Bank Santander in London, 29. Januar 2025. Copyright  AP Photo
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Von Una Hajdari
Zuerst veröffentlicht am
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Drei große europäische Banken meldeten am Mittwoch Rekord- oder besser als erwartete Gewinne. TotalEnergies wächst kräftig, Mercedes-Benz bremst wegen China-Flaute und geopolitischer Spannungen.

Europas größte Banken und ein großer Ölkonzern haben am Mittwoch überwiegend starke Zahlen für das erste Quartal vorgelegt. Gleichzeitig warnten ihre Spitzenmanager vor wachsender Unsicherheit durch den Konflikt im Nahen Osten und dessen Folgen für Energiepreise, Konsumlaune und die Zinsentwicklung in Europa.

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Vor allem die großen europäischen Geldhäuser profitieren kurzfristig. Ihre Handelserträge legen zu, weil die Märkte wegen des Iran-Konflikts stark schwanken. Gleichzeitig nehmen jedoch die makroökonomischen Risiken auf längere Sicht zu.

Deutschlands größtes Geldinstitut, die Deutsche Bank, erzielte einen Rekordgewinn nach Steuern von 2,2 Milliarden Euro im Quartal. Das sind acht Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Vorsteuergewinn stieg um sieben Prozent auf 3 Milliarden Euro. In der Privatkundensparte schnellte der Vorsteuergewinn sogar um 39 Prozent auf 681 Millionen Euro nach oben.

Die Erträge legten um zwei Prozent auf 8,7 Milliarden Euro zu.

Das verwaltete Vermögen kletterte auf 1,8 Billionen Euro. Dazu trugen Nettozuflüsse von 22 Milliarden Euro in der Privatkunden- und der Vermögensverwaltungssparte bei.

Vorstandschef Christian Sewing erklärte: „Der Rekordgewinn in diesem Quartal verschafft uns einen sehr guten Start in die nächste Phase unserer Strategie.“

„Wir verfügen über eine starke Bilanz, die nötigen Fähigkeiten und eine klare strategische Positionierung, um unsere Kundschaft weltweit in einem dynamischen Umfeld zu begleiten“, fügte er hinzu.

Finanzvorstand Raja Akram nannte künstliche Intelligenz und die Neuorganisation von Prozessen als zentrale Hebel für mehr Kostenspielraum. Das Investmentbanking habe „Kunden in einem anspruchsvollen makroökonomischen Umfeld als geschätzter Berater zur Seite gestanden“.

Gleichzeitig erhöhte die Bank die Risikovorsorge für Kreditausfälle um zehn Prozent auf 519 Millionen Euro und verwies auf eine zusätzliche makroökonomische Reserve wegen der allgemeinen Unsicherheit.

Die Zahlen fallen in eine Phase hoher wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheit. Der Konflikt im Nahen Osten, der Ende Februar eskalierte, trieb die Inflation im Euroraum im März auf 2,5 Prozent. An den Märkten stiegen damit die Erwartungen, dass die EZB ihre Zinsen erstmals seit Jahren wieder anhebt. Höhere Zinsen stützen zwar kurzfristig die Zinsmargen der Banken, erhöhen aber mittelfristig das Kreditrisiko, weil höhere Energiekosten auf Haushalte und Unternehmen durchschlagen.

Die Deutsche Bank bestätigte ihr Jahresziel von rund 33 Milliarden Euro an Erträgen und verwies auf ein laufendes Aktienrückkaufprogramm über 1 Milliarde Euro. Die Aktie gab in Europa nach der Veröffentlichung knapp drei Prozent nach.

Banco Santander: Spanischer Bankenriese legt starke Zahlen vor

Banco Santander, gemessen an der Börsenbewertung der größte Kreditgeber Kontinentaleuropas, legte ebenfalls Rekordzahlen vor. Der zurechenbare Gewinn stieg um 60 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro, begünstigt durch einen Veräußerungsgewinn von 1,9 Milliarden Euro aus dem Verkauf der polnischen Tochter Santander Bank Polska.

Ohne diesen Einmaleffekt legte der bereinigte Gewinn um etwa zwölf Prozent auf 3,6 Milliarden Euro zu. Die Erträge stiegen um vier Prozent auf 15,1 Milliarden Euro, getragen von höheren Zinsüberschüssen und einem Zuwachs der Gebühreneinnahmen um sechs Prozent.

Die Kosten sanken um drei Prozent, was die Effizienz verbesserte. Santander sieht sich damit auf Kurs, seine Jahresziele zu erreichen – darunter ein Ertragswachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und eine Kernkapitalquote (CET1) zwischen 12,8 und 13 Prozent.

Die Gesamtkapitalquote stieg auf 14,4 Prozent und verschafft der Bank damit spürbaren Puffer für mögliche Belastungsszenarien.

Auch die Ausschüttung an die Aktionäre läuft weiter: Ein Aktienrückkauf über 5 Milliarden Euro ist im Gange, insgesamt peilt Santander für die Jahre 2025 und 2026 Rückkäufe von mindestens 10 Milliarden Euro an.

Die gesamte Aktionärsvergütung auf Basis des Geschäftsjahres 2025 soll sich auf rund 7,1 Milliarden Euro belaufen, was etwa der Hälfte des zurechenbaren Gewinns entspricht.

Einen Dämpfer gab es allerdings in der Digitalbank Openbank. Dort schrumpfte der bereinigte Gewinn um 38 Prozent auf 290 Millionen Euro. Grund war eine Rückstellung von 207 Millionen Euro für mögliche Beschwerden im britischen Autokreditgeschäft sowie das Auslaufen von Steueranreizen für Elektrofahrzeuge in den Vereinigten Staaten.

Ohne diese Rückstellung wäre der Vorsteuergewinn nach Angaben der Bank um 15 Prozent gestiegen.

UBS: Gewinn springt um 80 Prozent

UBS meldete im ersten Quartal einen Anstieg des Nettogewinns um 80 Prozent auf 3,04 Milliarden Dollar. Haupttreiber waren das Vermögensverwaltungsgeschäft und starke Handelsaktivitäten.

Die Erträge stiegen auf 13,6 Milliarden Schweizer Franken (14,7 Milliarden Euro), der bereinigte Vorsteuergewinn legte um 54 Prozent zu.

Die Bank bestätigte ihr Aktienrückkaufprogramm über 3 Milliarden Dollar, das bis Ende des zweiten Quartals abgeschlossen sein soll, und berichtete eine Kernkapitalquote (CET1) von 13,8 Prozent.

Das Management erklärte, die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts seien beherrschbar, sofern die Auseinandersetzung nicht zu lange dauert. Die Dauer des Konflikts bleibe der entscheidende Risikofaktor.

Die Europäische Zentralbank warnt, der Krieg habe die kurzfristigen Wachstumsaussichten nach unten gedrückt. Energiepreisschocks und zunehmende Unsicherheit dürften die Kaufkraft der Verbraucher und das Vertrauen der Unternehmen belasten. Zugleich steigen die Finanzierungskosten für Banken und Firmen über höhere Anleiherenditen und schwankende Aktienkurse.

Bislang zeigen sich die Bankgewinne robust. Analysten beobachten jedoch die Kreditqualität sehr genau, da sich das makroökonomische Umfeld rasch ändern kann.

TotalEnergies: Nettogewinn steigt um 51 Prozent

Der französische Energiekonzern TotalEnergies steigerte seinen Nettogewinn um 51 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar (4,95 Milliarden Euro). Rückenwind gaben hohe Öl- und Gaspreise sowie ein insgesamt engeres Angebot auf den Weltmärkten.

„TotalEnergies hat sehr starke Zahlen für das erste Quartal vorgelegt, deutlich über den Erwartungen“, sagte Maurizio Carulli vom Vermögensverwalter Quilter Cheviot. „Ein robustes organisches Produktionswachstum hilft, die Belastungen im Nahen Osten durch den anhaltenden Konflikt auszugleichen.“

Die Förderung lag rund vier Prozent über dem Vorjahreswert. Für das zweite Quartal erwartet der Konzern ein ähnliches Wachstum, sofern es zu keinen größeren Störungen kommt.

Das Unternehmen kündigte zudem eine Dividendenerhöhung um 5,9 Prozent und ein Aktienrückkaufprogramm über 1,5 Milliarden Dollar für das zweite Quartal 2026 an – beides am oberen Ende der zuvor ausgegebenen Spannen.

TotalEnergies rechnet damit, dass die Ölpreise bis in das zweite Quartal erhöht bleiben, weil der Neustart von Förderprojekten sich verzögert. Auch die Gasmärkte dürften angespannt bleiben. In Europa erwartet der Konzern Preise von 14 bis 15 Dollar je MMBtu, gestützt durch niedrige Speicherstände und den Wettbewerb um Flüssiggaslieferungen zwischen Europa und Asien.

Deutsche Autoindustrie: Mercedes-Benz mit schwachem Quartal

Zugleich legte der Autohersteller Mercedes-Benz seine Zahlen für das erste Quartal vor. Der operative Gewinn brach um 17 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro ein, der Umsatz sank um 4,9 Prozent auf 31,6 Milliarden Euro.

Die bereinigte operative Marge im Pkw-Geschäft fiel von 7,3 auf 4,1 Prozent. Der Überschuss ging um 17 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro zurück.

Der Konzern gerät von mehreren Seiten unter Druck. In China sackten die Verkäufe um 27 Prozent ab, wo günstigere heimische Anbieter wie BYD und Nio verstärkt in das Premiumsegment drängen. Hinzu kommen der Zollstreit mit den USA und die kostspielige Umstellung auf Elektrofahrzeuge.

Trotz des Rückgangs übertrafen die Ergebnisse die Analystenerwartungen von 1,6 Milliarden Euro operativem Gewinn. Die Aktie wurde vorbörslich 2,2 Prozent im Plus angezeigt.

Finanzvorstand Harald Wilhelm betonte, der Konzern liege auf Kurs, den Konzern-EBIT im Gesamtjahr „deutlich“ über dem Vorjahreswert von 5,8 Milliarden Euro zu steigern. Er verwies auf gut gefüllte Auftragsbücher und vierzig geplante Modellneuheiten zwischen 2025 und 2027 – darunter die vollelektrische Limousine CLA und eine überarbeitete S-Klasse-Reihe.

Mercedes verwies zudem darauf, dass der Konflikt im Nahen Osten die Kauflaune der Verbraucher dämpfen könnte – eine Sorge, die in der europäischen Branche weit verbreitet ist.

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