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"Genesis" von Sebastião Salgado in Lyon: "Wir sind alle Tiere"

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"Genesis" von Sebastião Salgado in Lyon: "Wir sind alle Tiere"
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Sebastião Salgado ist einer der berühmtesten Fotografen der Welt. Mit seinen unvergesslichen Bildern von Natur, Tieren und Menschen ist er gleichzeitig auch ein Umweltaktivist, der uns die Welt zeigt, wie sie ist. Genesis ist seine große Ausstellung, seine eigene fotografische Hommage an unseren Planeten in seinem natürlichen Zustand.

Vom 20. Februar bis zum 10. Mai 2020 ist Genesis in der _La Sucrière, _einem ehemaligen Lagerhaus in Lyon, zu sehen. Die Ausstellung zeigt 245 Schwarz-Weiß-Fotografien in fünf geografischen Sektionen - das Ergebnis einer achtjährigen Arbeit und etwa dreißig Reisen um die Welt.

euronews hat Sebastião Salgado getroffen und interessante Einblicke in sein persönliches Engagement und Leben gewonnen.

Der Mensch ist ein Tier der Erde, ein Tier wie jedes andere, wir sind alle Teil des Tierreichs.
Sebastião Salgado

Salgado hat den ganzen Planeten bereist, einschließlich der wildesten und entlegensten Teile der Erde. Die Austellung ist eine beispiellose Entdeckung von Bergen, Wüsten, Ozeanen und Tieren, die bisher von der Prägung durch die moderne Gesellschaft verschont geblieben sind. Aber Salgado fotografiert nicht nur Natur und Tiere, sondern auch Menschen, besonders solche, an denen die Globalisierung bislang vorübergegangen, wie etwa Stämme in immer seltener werdenden Regionen Afrikas.

Eine Ausstellung wie Genesis zeige die wirkliche Erde, sagt Sebastião Salgado, und Menschen, die mit der Erde wirklich verbunden seien. Gerade hat Salgado eine Arbeit mit indigenen Völkern im Amazonasgebiet beendet, sieben Jahre war er damit beschäftigt. Der Mensch sei ein Tier der Erde, ein Tier wie jedes andere, wir seien alle Teil des Tierreichs, so Salgado.

Schwarz-Weiß ist sein Markenzeichen. Sebastião Salgado hatte 1986 in Brasilien etwas über eine Goldmine geschrieben und ein Jahr später mit Schwarz-Weiß-Fotografien veröffentlicht. Die Geschichte sei aufmerksamkeitsstark gewesen und alle großen Magazine hätten damals die Schwarz-Weiß-Ästhetik übernommen. Das hätte ihm eine große Aufmerksamkeit gebracht, sagt Salgado: "Dank dieser Schwarzweiß-Renaissance damals bin ich dabei geblieben und nie wieder zur Farbe zurückgekehrt."

Wir müssen eine spirituelle Rückbesinnung zu unerer Erde finden.
Sebastião Salgado

Auch wenn die ökologische Bewegung im Aufschwung ist und Fridays for Future heute allgegenwärtig, Salgado bleibt pessimistisch. Für ihn hat sich hinsichtlich des Umweltschutzes wenig geändert: "Wir müssen zur Erde zurückkehren, wir müssen zurück zum Planeten. Ich weiß, dass wir nicht mehr in Höhlen und Wäldern leben werden, aber wir müssen zumindest eine spirituelle Rückbesinnung zu unerer Erde finden. Ökologie ist zu einer Ökologie des Diskurses geworden, ein rein urbaner. Wir hatten vor fünf Jahren eine Weltklimakonferenz in Paris und von allem was vorgeschlagen wurde, wurde nichts umgesetzt. Wissen Sie, warum? Weil keine Bauern eingeladen werden, keine Menschen, die mit der Erde, dem Planeten verbunden sind - es ist ein Treffen von Stadtbewohnern."

Es ist an der Zeit, Bäume zu pflanzen, die 500 Jahre, 1000 Jahre lang da sein werden.
Sebastião Salgado

Der Amazonas bleibt seine Lieblingsregion. Er und seine Frau Lélia, die auch die Kuratorin der Ausstellung ist, haben sich vor 20 Jahren auf eine kolossale Herausforderung eingelassen: Sie wollen 750 abgeholzte Hektar des ehemaligen Bauernhofs von Lélias Vaters wieder aufforsten. Sie wollen das Ökosystem in einer von Abholzung und intensiver Landnutzung betroffenen Region wiederbeleben.

Salgado: "Wir haben 2,5 Millionen Bäume gepflanzt, sogar noch ein bisschen mehr... 2,7 Millionen Bäume. Und wir sind gerade dabei, noch mal eine Million weitere Bäume zu pflanzen. Denn, wissen Sie, vorher war das Land ein müdes, totes, erodiertes Stück Land. Und heute ist es wieder reichhaltig. Es ist an der Zeit, Bäume zu pflanzen, die 500 Jahre, 1000 Jahre lang da sein werden, Bäume, die guten Boden und Schatten brauchen, um zu wachsen."

Sebastião Salgado ist jetzt 76 Jahre alt, setzt aber seine Arbeit und seine Kämpfe unermüdlich fort.