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Wal Timmy in Not: Wurde falsch gehandelt? Im Mittelpunkt ein umstrittener Influencer

Wal Timmy liegt vor der Insel Poel. Rettungsversuche wurden eingestellt, sein Schicksal gilt als besiegelt.
Wal Timmy liegt vor der Insel Poel. Rettungsversuche wurden eingestellt, sein Schicksal gilt als besiegelt. Copyright  (c) Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von FM
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Wal Timmy liegt vor der Insel Poel. Rettungsversuche wurden eingestellt, sein Schicksal gilt als besiegelt. Jetzt wird die Frage laut, ob die Entscheidungen im Umgang mit dem Wal immer richtig waren. Im Mittelpunkt der Kritik: ein umstrittener Influencer.

Seit Wochen verfolgen die Deutschen das Schicksal von Timmy - dem Wal, der vor der Ostseeküste immer wieder umherschwomm, auf Sandbänken strandete und jetzt vor der Insel Poel liegt.

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Experten rechnen ihm inzwischen keine hohen Überlebenschancen mehr aus. Auch Rettungsversuche wurden eingestellt. Laut Fachleuten würden sie den Wal nur zusätzlich stressen und seine Überlebenschancen nicht mehr weiter verbessern. Am Dienstag verkündeten Experten vom Deutschen Meeresmuseum und dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD): Dieses Tier wird sterben.

Auch ein internationales Expertengremium der Walforschung erklärte laut Welt, dass es besser sei, das Tier möglichst störungsfrei sterben zu lassen. Der Bereich, wo der Wal gerade liegt - nämlich vor der Insel Poel - wurde weiträumig abgesperrt, um Timmy in seinen letzten Stunden Ruhe zu garantieren. Immer wieder meldet er sich mit einer Wasserfontäne. Das bedeutet, dass er noch atmet.

Bis zu drei Tage könnte es dauern, so die vorsichtige Schätzung von WDC-Expertin Bianca König, wie die Frankfurter Rundschau zitiert. Wenn der Wal über eine Stunde lang nicht atmet, gelte er als tot.

Jetzt wird darüber diskutiert, ob von Anfang an falsch gehandelt wurde. Es kommen Zweifel an den anfänglichen Einschätzungen über die Gesundheit des Tieres und die damals ergriffenen Maßnahmen auf.

Wal Timmy in der Ostsee: Eine Chronik der Tragödie

Der Wal wurde erstmals am 3. März 2026 im Hafen von Wismar gesichtet. Dort hatte er sich in einem Netz verfangen. Experten der Meeresschutzorganisation Sea Sheperd vermuten, dass der Buckelwal über die Nordsee in die Lübecker Bucht geraten war. Der Wal konnte befreit werden, doch er kehrte später wieder in die Wismarer Bucht zurück.

Am 23. März 2026 strandete der Wal auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand. Wegen des niedrigen Wasserstandes war ein Weiterschwimmen nicht möglich. Seither sind Rettungsversuche mehrmals gescheitert. Selbst als der Wal wieder in der Bucht schwimmen konnte und sogar eine kurze Zeit lang verschwand, blieb er immer wieder erneut auf Sandbänken liegen.

Seit 9. April 2026 liegt der Wal vor der Insel Poel. Rettungsversuche gibt es keine mehr. Die Gemeinde Poel hat sich am Donnerstag selbst in die Debatte über das Tier eingeschaltet. "Wir verstehen, dass Menschen Anteil an dem Schicksal des in der Kirchsee gestrandeten Buckelwals nehmen", erklärte die parteilose Bürgermeisterin Gabriele Richter in einer Pressemitteilung auf Facebook.

Die Bürgermeisterin distanziere sich ausdrücklich von Personen, die "ohne jegliche fachliche Qualifikation den zuständigen Stellen ein vorsätzliches, kriminelles Handeln zum Nachteil des Wales vorwerfen oder sogar Morddrohungen gegen einzelne Personen aussprechen", erklärte sie weiter.

Als Gemeinde in unmittelbarer Nähe betonte sie allerdings auch, dass es wichtig sei, das Tier zur Ruhe kommen zu lassen.

Ist ein Influencer schuld am Schicksal des Wals?

Als der Wal am Morgen des 27. März zunächst verschwunden schien, hatte es noch Hoffnung gegeben. "Das war die große Chance, dass es der Wal in die Nordsee schafft", sagte Sven Partheil-Böhnke, der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, zu t-online. Dem Bericht zufolge habe es in diesen Stunden einer verbockt, der von vielen als Held gefeiert worden war. Der Bürgermeister beschuldigt den Meeresbiologen Robert Marc Lehmann.

Man habe ihn um Unterstützung gebeten, Lehmann tauchte zum Wal und hatte direkten Kontakt zum Tier. Der Bürgermeister Partheil-Böhnke sagt heute zu t-online, er habe sich von ihm täuschen und in die Irre führen lassen. Er wirft ihm vor, der Selfiestick sei wichtiger gewesen. Robert Marc Lehmann ist nach eigenen Angaben Meeresbiologe, Influencer und Umweltaktivist. 2015 hat er den Titel "Tierfotograf" des Jahres erhalten, für Youtube produziert er Unterhaltungsinhalte zum Thema Naturschutz.

Rettungsversuche für Wal Timmy wurden eingestellt. Robert Marc Lehmann steht in der Kritik.
Rettungsversuche für Wal Timmy wurden eingestellt. Robert Marc Lehmann steht in der Kritik. (c) Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Die Kritik des Bürgermeisters weist er zurück und erklärte, man habe ihn vor Ort unfreundlich empfangen und ihm "Selbstdarstellung" vorgeworfen. Auf einer Pressekonferenz am Dienstag (7. April) erklärte Umweltminister Backhaus, dass Lehmanns Beteiligung in Niendorf die Rettung um rund einen Dreivierteltag verzögert habe. Der öffentliche Konflikt macht das Schicksal des Wals zum Politikum.

Lehmann habe immer wieder zu schnellerem Handeln aufgerufen und die langsame Entscheidungsfindung zwischen Experten-Gremien und Politik kritisiert. Nach Berichten von Focus sollen ehrenamtliche Helfer Morddrohungen erhalten haben, angeheizt durch Lehmanns Beiträge. Zudem wirft die _Bild-_Zeitung Lehmann vor, Teile seiner Biografie verändert zu haben und stellt Qualifikationen in Frage.

Der Meeresbiologe hat seine Social-Media-Konten derzeit deaktiviert. Über die Internetpräsenz seines Vereins "Mission Erde" heißt es lediglich, dass sich Lehmann "aktuell auf einer Mission, die seinen vollen Fokus benötigt", befinde und die Accounts absichtlich deaktiviert wurden. Weitere Details wurden nicht genannt.

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