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Grybauskaitė: "Europa braucht mehr Selbstständigkeit"

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 Grybauskaitė: "Europa braucht mehr Selbstständigkeit"
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Efi Koutsokosta, Euronews:

Hier in Brüssel wartet man gespannt und auch etwas bang auf das Ergebnis der US-Wahl. Es wird nun vielerorts als ein Wendepunkt für die sogenannte Weltordnung beschrieben. Aus der litauischen Hauptstadt Vilnius ist mir nun die ehemalige Präsidentin des Landes, Dalia Grybauskaitė zugeschaltet. Frau Präsidentin, vielen Dank für ihr Kommen. Wir könnenja gerade beobachten, wie knapp das Rennen zwischen den beiden Kandidaten ist, und wie der Amtsinhaber besser abschneidet als in den Wahlprognosen vorhergesagt. Was sagen uns die bisher vorliegenden Ergebnisse?

Dalia Grybauskaitė:

Ja, die Wahlprognosen haben sich als nicht sehr zuverlässig erwiesen, aber das hat auch mit dem Wahlsystem zu tun. Nicht Umfragen spiegeln die wirkliche Lage wieder, sondern die Wahlmännerstimmen, die der eine oder der andere Kandidat auf sich vereinigen kann. Das ist ein enormer Unterschied zu dem, was wir in Europa gewöhnt sind. Und wir Europäer würden natürlich gerne einen Präsidenten sehen, der kooperativer und positiver den transatlantischen Beziehungen gegenüber gesinnt ist, der keine Handelskriege mit uns anzettelt.

Euronews:

Aber nicht alle Reaktionen aus Europa decken sich damit - der slowenische Ministerpräsident Janza hat Donald Trump ja bereits zum Sieg gratuliert, bevor alle Stimmen ausgezählt sind..

DG:

Ich glaube, dass das ein Fehler war. Wir müssen doch jeder demokratischen Wahl Respekt erweisen und uns gedulden bis das Endergbnis offiziell vorliegt.

Euronews:

Teilen Sie die Sorge, dass sich die USA weiter aus der NATO heraushalten könnte, aufgrund der internen Spaltung des Landes?

DG:

Vom Standpunkt meiner Region aus gesehen, also der baltischen Staaten und Polen, erwarten wir von beiden Präsidentschaftskandidaten Engagement, weil ja beide erklärt haben, dass es wichtig für sie ist, unsere Region zu schützen vor einem möglichen aggressiven Verhalten Russlands.

Euronews

Aber in den vergangenen vier Jahren haben wir doch zugesehen, wie die Regierung Trump sich von einem nach dem anderen internationalen Abkommen oder Bündnis distanziert hat: von der NATO, von der Welthandelsorganisation, undsoweiter. Sie machen sich keine Sorgen, dass das Sicherheitsnetz der vergangenen 75 Jahre reißen könnte?

DG

Ich glaube nicht, dass alles verloren ist, wenn Präsident Trump im Amt bleiben sollte. Allerdings wird es traurig sein, mitanzusehen, wie die USA weiter in die Isolation gerät, und sich um Schadensbegrenzung kümmern muss, in Hinsicht auf ihr internationales Ansehen. Aber natürlich wird Europa nun, egal wer nun Präsident wird, angesichts einer gewandelten USA und eines gewandelten globalen Zusammenhangs, mehr investieren müssen: in unsere Sicherheit und unsere Unabhängigkeit, in unsere Selbstständigkeit. Das ist unser Ziel für Europa, unabhängig vom Wahlausgang in den USA.

Euronews

Vielen Dank, Frau Präsidentin.