Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Wie Tiere heimlich das Klima retten – von CO2-speichernden Tigern bis zu Biber-Staudämmen

Ein Schnabeligel auf dem Wanderweg zwischen Torquay und dem Strand von Jan Juc in Australien.
Ein Kurzschnabeligel auf dem Küstenweg zwischen Torquay und dem Jan-Juc-Strand in Australien. Copyright  Enguerrand Photography via Unsplash.
Copyright Enguerrand Photography via Unsplash.
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Wilde Tiere helfen heimlich, die Klimakrise abzumildern. Durch ihr ganz normales Verhalten stabilisieren sie Ökosysteme und bremsen den menschengemachten Wandel.

Unser Planet steuert auf irreversible Schäden zu. Überall auf der Welt führen Wildtiere im Verborgenen ihren eigenen Kampf gegen die Klima- und Biodiversitätskrise.

WERBUNG
WERBUNG

Trotz wiederholter Warnungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern pumpen Menschen weiterhin wärmespeichernde Gase in die Atmosphäre. Die Durchschnittstemperatur liegt inzwischen rund eins Komma vier Grad über dem vorindustriellen Niveau. Die Folge: immer öfter extremes Wetter, tausende vermeidbare Todesfälle und Schäden in Höhe von Billionen Euro.

Auch Abholzung und eine extrem intensive Tierhaltung zerstören die biologische Vielfalt und drängen viele Arten an den Rand des Aussterbens.

Doch im Hintergrund mildern Wildtiere mit ihrem natürlichen Verhalten einen Teil des Chaos, das wir angerichtet haben. Ohne sie steht der künftige Wohlstand unseres Planeten auf dem Spiel.

Zum Welttag des Wildtiers am dritten März stellt Euronews Green die oft übersehene Arbeit dieser fast wie Superhelden wirkenden Tiere in den Mittelpunkt.

„Wildtiere spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung des Klimawandels. Politische Maßnahmen müssen ihren Schutz und ihr Wohlergehen stärken und zugleich ihre Bestände sichern und wiederaufbauen“, sagt Ed Goodall, Klimaexperte beim World Federation for Animals (Quelle auf Englisch).

„Der Schutz wild lebender Tiere und ihrer Lebensräume ist mehr als eine moralische Pflicht. Er ist das fehlende Bindeglied im Kampf gegen die größte Herausforderung unserer Zeit.“

Elefanten und Tiger als Kohlenstoffspeicher

In dieser Archivaufnahme vom dritten März zweitausenddreizehn trinken Elefanten im Chobe-Nationalpark in Botswana Wasser.
In dieser Archivaufnahme vom dritten März zweitausenddreizehn trinken Elefanten im Chobe-Nationalpark in Botswana Wasser. Copyright 2019 The Associated Press. All rights reserved.

Große Pflanzenfresser wie Elefanten sind für Ökosysteme und biogeochemische Kreisläufe unverzichtbar.

Eine Studie aus dem Jahr zweitausendneunzehn im Fachjournal Nature (Quelle auf Englisch) zeigt: Wo in Afrikas Regenwäldern Elefanten leben, verringern sie die Zahl der Baumstämme pro Fläche. Das verändert den Wettbewerb der Bäume um Licht, Wasser und Raum. Nach Ansicht der Forschenden begünstigt das größere Bäume mit dichterem, vielfältigerem Holz, die besonders viel Kohlenstoff aus der Luft ziehen.

Nach Schätzungen des WWF steigert schon ein einzelner Waldelefant die Netto-Speicherkapazität eines Waldes um fast zweihundertfünfzig Hektar. Das entspricht in etwa den Jahresemissionen von 2 047 Autos.

Eine im vergangenen Jahr bei Wiley veröffentlichte Studie ergab zudem: Wälder, in denen heimische Tiger leben, speichern pro Hektar bis zu zwölf Prozent mehr Kohlenstoff. Denn Tiger dezimieren Hirsche und Wildschweine, die junge Bäume und Pflanzen sonst kahlfressen würden.

Grabende Säugetiere machen Böden fruchtbarer

Nahaufnahme eines Ameisenigels in Australien.
Nahaufnahme eines Ameisenigels in Australien. Enguerrand Photography via Unsplash.

Im australischen Busch graben Beutelrattenarten wie der Bettong und Ameisenigel Gänge und Mulden in den Boden. Darin sammelt sich Laub, das verrottet und den Boden mit Nährstoffen anreichert. So kann er mehr Kohlenstoff speichern.

Nach Angaben des World Federation for Animals helfen diese grabenden Säugetiere außerdem, Feuchtigkeit im zunehmend ausgedörrten Wald zu halten. Das macht die Flächen weniger anfällig für Busch- und Waldbrände. Viele der Feuer in Europa im vergangenen Jahr gingen auf das Konto des menschengemachten Klimawandels, der die Temperaturen nach oben treibt.

See- und Meeresvögel beleben Korallenriffe

Eine Kolonie von Seevögeln (Trottellummen) in Schottland.
Eine Kolonie von Seevögeln (Trottellummen) in Schottland. Kristin Snippe via Unsplash.

Zu viele Nährstoffe schaden Korallenriffen und Gewässern. Sie lösen massive Algenblüten aus, die Sauerstoff verbrauchen und andere Meerestiere ersticken lassen.

In der Ostsee etwa sorgen ungeklärte Abwässer und Düngemittel dafür, dass das Wasser buchstäblich nach Luft schnappt. Natürliche Nährstoffeinträge können Korallen und Riffe dagegen sogar stärken.

See- und Meeresvögel jagen weit draußen auf dem Meer und kehren zum Schlafen und Brüten auf Inseln zurück. Die Nährstoffe in ihrem Kot landen dort im Boden und werden von Regen und Wellen in benachbarte Riffe gespült.

Eine zweitausendvierundzwanzig in Nature veröffentlichte Studie zeigte: Korallenkolonien in der Nähe einer Insel mit vielen Seevögeln wuchsen deutlich schneller. Ihre Skelettbildung war bis zu zwei Komma sieben Mal höher als bei Kolonien an einer Nachbarinsel mit wenigen Vögeln.

Grüne Meeresschildkröten verbreiten Seegras-Samen

Eine Grüne Meeresschildkröte gleitet bei einem Tauchgang vor Sipidan auf dem malaysischen Borneo durch das Meer.
Eine Grüne Meeresschildkröte gleitet bei einem Tauchgang vor Sipidan auf dem malaysischen Borneo durch das Meer. Jesse Schiff via Unsplash.

Nach einer bemerkenswerten Erholung in den vergangenen Monaten fressen Grüne Meeresschildkröten in Australien Seegras-Samen und scheiden sie an anderen Orten wieder aus. So verlagern sie diese wichtigen Kohlenstoffspeicher teils über Entfernungen von bis zu sechshundertfünfzig Kilometern.

Auch Dugongs, die oft als Seekühe bezeichnet werden, tragen zur Ausbreitung von Seegras bei, auch im zunehmend bedrohten Great Barrier Reef.

Biber als natürliche Überschwemmungsschützer

Ein Biber sitzt am Ufer, den Mund voller Schlamm.
Ein Biber sitzt am Ufer, den Mund voller Schlamm. Derek Otway via Unsplash.

Biber sind vielleicht die offensichtlichsten Tier-Superhelden. Mit ihren Dämmen schaffen sie natürliche Hochwasserschutzanlagen. In einer sich erwärmenden Welt wird das immer wichtiger. Pro Anstieg der Lufttemperatur um ein Grad Celsius kann die Atmosphäre rund sieben Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen, was das Risiko heftigerer und extremer Regenfälle erhöht.

Im vergangenen Jahr sorgte eine Biberfamilie in Tschechien für Schlagzeilen: Sie errichtete ihren Damm genau an der Stelle, an der die Behörden selbst einen Bau geplant hatten. Die Tiere sparten dem Staat so rund 30 Millionen Kronen, umgerechnet etwa 1,2 Millionen Euro.

Biberdämme wirken außerdem wie natürliche Brandschutzriegel. Studien zeigen, dass Gebiete mit Biberbauten dreimal seltener von Waldbränden betroffen sind. Dadurch bleibt die Vegetation länger grün und dicht, und lebenswichtige Kohlenstoffsenken bleiben erhalten.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Europas Wälder in Gefahr: 216.000 Hektar bedroht, selbst wenn Erwärmung stoppt

Beerenboom weckt Neuseelands Pflichtgefühl: neue Hoffnung für den Kakapo

Nemo suchen, Streifen ablegen: Junge Clownfische sichern so ihren Platz im Schwarm