Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Hinter der Grenze billiger tanken? Polen erwägt, Preise für Deutsche zu erhöhen

Hinter der Grenze billiger tanken? Polen erwägt, die Spritpreise für Deutsche zu erhöhen
Hinter der Grenze billiger tanken? Polen erwägt, die Spritpreise für Deutsche zu erhöhen Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
Copyright Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Rund 60 Cent Unterschied liegen zwischen den Spritpreisen in Deutschland und Polen. Deutsche müssen deutlich tiefer in die Taschen greifen. Polen rüstet sich daher für mögliche Tanktouristen aus dem Nachbarland - und erwägt im Notfall sogar eine andere Bepreisung.

Als Antwort auf die zunehmend hohen Ölpreise hat Polen einen Preisdeckel für Benzin und Diesel eingeführt. Doch darauf spekulieren auch viele Deutsche, die unweit der Grenze im Osten wohnen und arbeiten.

WERBUNG
WERBUNG

Die polnische Regierung lässt Vorsicht walten. Zunächst plant sie, den erwarteten Tanktourismus zu beobachten. "Wir haben einige der günstigsten Kraftstoffe in Europa", sagte der polnische Energieminister Miłosz Motyka auf einer Pressekonferenz am Dienstag. "Was den Tanktourismus angeht, beobachten wir die Lage sehr genau".

"Sollten wir feststellen, dass dieser Tanktourismus tatsächlich die Versorgung an unseren Tankstellen beeinträchtigt, schließen wir nicht aus, den Kraftstoffverkauf an Ausländer einzuschränken – entweder regional oder landesweit", warnte Motyka. Er versicherte allerdings auch, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch keine solche Gefahr bestehe.

Polen prüft höhere Spritpreise für Deutsche

Für Benzin bezahlt man an polnischen Tankstellen derzeit 1,44 Euro, für Diesel 1,77 Euro. Im Vergleich zu den derzeitigen Preisen in Deutschland klingt das verlockend, pro Liter ergibt sich ein Unterschied von etwa 60 Cent. Dem ADAC zufolge kostet E10 an deutschen Tankstellen derzeit durchschnittlich 2,08 Euro, Diesel, 2,29 Euro pro Liter Sprit.

Auch die deutsche Regierung ergreift Maßnahmen, ab dem morgigen ersten April dürfen Tankstellen hier ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen. Preissenkungen hingegen sind jederzeit erlaubt. Das soll Verbrauchern eine bessere Perspektive anbieten.

Außerdem erhält das Bundeskartellamt ab 1. April mehr Befugnisse, um den Markt besser im Blick zu behalten und unverhältnismäßige Preiserhöhungen unkomplizierter abzufragen. Denn künftig sind die Mineralölkonzerne und Tankstellen in der Bringschuld, ihre hohen Preise zu rechtfertigen.

Eine Steuersenkung und einen Preisdeckel wie Polen hat Deutschland allerdings nicht beschlossen. Warschau befürchtet deshalb, dass letztendlich viele Deutsche hinter der Grenze tanken. Tatsächlich fahren derzeit immer mehr Deutsche nach Polen, um dort deutlich günstiger zu tanken. So müssten polnische Steuerzahler den Tankrabatt für die europäischen Nachbarn mitsubventionieren.

Slowakei: EU-Kommission rügt Ungleichbehandlung

Auch die Slowakei hatte bereits Maßnahmen ergriffen, um gegen Tankende aus dem Ausland vorzugehen, die von niedrigeren Preisen profitieren wollten.

Dort hat die Regierung am Montag unterschiedliche Spritpreise für In- und Ausländer an den Tankstellen eingeführt. Wer ein fremdes Kennzeichen hat, der muss draufzahlen und profitiert nicht vom Preisdeckel. Der Tarif für ausländische Spritkunden soll sich aus dem Durchschnitt der Dieselpreise der Nachbarländer Österreich, Tschechien und Polen berechnen.

Die EU-Kommission hat sich direkt eingeschaltet und das Land aufgefordert, die Ungleichbehandlung abzuschaffen. Ein Sprecher der Kommission bezeichnete die Maßnahme als "in hohem Maße diskriminierend".

Die slowakische Regierung hat indes mit Gegenkritik reagiert. Die Aufforderung der EU-Kommission sei "absolut inkorrekt gegenüber der Slowakei", hatte Ministerpräsident Robert Fico gesagt und schloss nicht aus, die Preisregulierungen noch weiter zu verlängern. Mit dem Zwei-Preise-System will Fico den Tanktourismus eindämmen und die Versorgung im Land sichern.

Preisdeckel in anderen Ländern

Auch andere Länder haben bereits einen Preisdeckel eingeführt, so etwa Kroatien und Ungarn Mitte März. Die Preise in Kroatien sind zunächst um etwa vier Cent pro Liter teurer geworden, sollen aber weiteren Verteuerungen entgegenwirken und auf dem Niveau von 1,50 Euro pro Liter bis zum 23. März festgelegt sein.

Dort hat die kroatische Regierung alle zwei Wochen die Möglichkeit, die Benzinpreise erneut anzupassen oder Maßnahmen wie den Preisdeckel zu verlängern.

In Ungarn kostet Benzin voraussichtlich 1,51 Euro pro Liter, Diesel 1,59 Euro. Jedoch soll die Deckelung nur für Staatsbürger gelten, wie der ADAC einordnete, Urlauber mit ausländischen Kennzeichen müssten demnach auch hier teurer tanken.

Im Fall der Slowakei hat die EU-Kommission für gemeinsame Maßnahmen im europäischen Raum plädiert. Der US-israelische Iran-Krieg hat die Ölpreise in die Höhe schnellen lassen, da der Iran Teile der Straße von Hormus kontrolliert und blockiert. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte müssen aber durch diese Meerenge transportiert werden. Das hat auch direkte Auswirkungen auf Europa.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Ab Mittwoch: Was sich mit dem neuen Tank-Gesetz ändert

Bis zu 60 Cent billiger: Tanktourismus nach Polen und Tschechien boomt

Treffen die US-Sanktionen gegen Russland auch den Ölkonzern Rosneft Deutschland?