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"Nasser Montag" in Polen: Der bizarre Osterbrauch - mit Wasserschlachten

Jugendliche übergießen sich gegenseitig mit Wasser während des Feiertags "Śmigus-Dyngus", Warschau, 28. März 2005.
Jugendliche übergießen sich gegenseitig mit Wasser während des Feiertags "Śmigus-Dyngus", Warschau, 28. März 2005. Copyright  KATARZYNA MALA/AP2005
Copyright KATARZYNA MALA/AP2005
Von Tomasz Lezon
Zuerst veröffentlicht am
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"Śmigus-Dyngus" ist Teil einer jahrhundertealten polnischen Tradition, die laut einigen Historikern bis ins Jahr 966 zurückreicht – dem Jahr der Taufe Polens. Früher zogen Männer durch die Dörfer und übergossen unverheiratete Frauen mit Wasser. Doch ist das heute auch rechtlich erlaubt?

"Śmigus-dyngus", auch bekannt als "Nasser Montag", ist eine der bekanntesten polnischen Ostertraditionen.

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Gefeiert wird er am Ostermontag, also am Tag nach dem Ostersonntag. Im Mittelpunkt steht das gegenseitige Bespritzen mit Wasser – ein Brauch, der Reinigung, Erneuerung und die Freude über den Frühlingsbeginn symbolisiert.

Ursprünge und Bedeutung des Brauchs

Im alten Polen war "Śmigus-Dyngus" nicht nur ein Spaß für Kinder, sondern ein festes gesellschaftliches Ritual. Am Ostermontagmorgen zogen Jungen und junge Männer mit Eimern voller Wasser los. Ihr Ziel waren vor allem unverheiratete Mädchen – sie sollten symbolisch nach dem Winter "aufgeweckt" werden.

Das Bespritzen mit Wasser war dabei kein aggressiver Akt, sondern Teil eines Balzrituals. Auch das leichte Schlagen mit Weidenzweigen gehörte dazu: Die Reaktion der Mädchen galt als Zeichen von Interesse oder Ablehnung. Im Laufe der Zeit ist dieser Brauch weitgehend verschwunden.

Heute ist "Śmigus-Dyngus" vor allem ein gemeinsamer Spaß für alle – unabhängig von Alter oder Geschlecht. In einigen Regionen leben jedoch noch Elemente der alten Tradition weiter, etwa das symbolische Schlagen mit Zweigen oder Erinnerungen älterer Menschen an den sogenannten "Wasserflirt".

Entwicklung des Brauchs

Der Name "Śmigus-Dyngus" verbindet ursprünglich zwei getrennte Traditionen. "Śmigus" bezeichnete das Schlagen mit Zweigen, Ruten oder Palmen, während "Dyngus" die Möglichkeit meinte, sich vom doppelten Begießen freizukaufen – eine Art festlicher "Ablass".

Zum Dyngus gehörte auch das Umherziehen von Haus zu Haus mit Glückwünschen und Gesang, wobei kleine Gaben oder Ostereier von den Bewohnern gesammelt wurden. Im Laufe der Zeit verschmolzen all diese Elemente zu dem einen Brauch, der heute unter dem Namen "Śmigus-Dyngus" bekannt ist.

Symbolik des Wassers und Neubeginns

"Śmigus-Dyngus" hat heidnische Wurzeln und ist eng mit dem Wasserkult verbunden. Wasser steht dabei für Schöpfungskraft, Reinigung, Fruchtbarkeit und Heilung. Das Begießen am Ostermontag galt als eine Art magisches Ritual – es sollte die Natur zur Erneuerung anregen und für ausreichend Regen und gutes Pflanzenwachstum sorgen.

Auch das Bespritzen von Mädchen war mit bestimmten Vorstellungen verknüpft: Man glaubte, es könne die Schönheit fördern und die Chancen auf eine Heirat erhöhen. Einfallsreiche junge Männer griffen dafür zu Eimern, Wasserspritzen oder sogar Parfüm, um symbolisch "Glück anzuziehen".

Oster-Sänger und Hahn: Alte Bräuche zum "Śmigus-Dyngus"

In einigen Regionen Polens zogen Jungen als sogenannte Dyngusiarze – verkleidete Oster-Sänger und Brauchtumsfiguren – von Haus zu Haus. Traditionell trugen sie einen Hahn mit sich (lebendig oder als Symbol), ein grünes Zweigbäumchen ("Gaik") oder ein Kreuz ("Pasyjka").

Sie sangen Lieder, überbrachten Glückwünsche, sammelten kleine Gaben und bespritzten Mädchen mit Wasser – ein Brauch mit spielerischem Flirtcharakter, der zugleich Glück für das Haus bringen sollte. Der Hahn galt dabei als Symbol für Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Zugleich verweist er auf eine biblische Szene aus dem Leben des Apostels Petrus.

Wie sieht die Tradition heutzutage aus?

Der heutige "Nasse Montag" ist vor allem ein fröhlicher Spaß für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

In Städten und Dörfern werden regelrechte "Wasserschlachten" organisiert, oft als gemeinschaftliches Bespritzen in Gruppen.

Die früheren Elemente von Flirt und Balz sind zwar stark vereinfacht worden, doch in einigen Regionen werden Traditionen wie die Oster-Sänger oder das symbolische Schlagen mit Zweigen weiterhin gepflegt.

Recht und Sicherheit

In der Praxis ist das Wasserspritzen erlaubt – vorausgesetzt, es geschieht mit Zustimmung aller Beteiligten und auf sichere Weise. Kinder sollten von Erwachsenen beaufsichtigt werden, und alle Teilnehmenden sollten Rücksicht auf andere und deren Eigentum nehmen.

Die Polizei erinnert daran, dass das Bespritzen mit Wasser symbolisch bleiben und nur im Einvernehmen erfolgen sollte. Übertreibungen können nicht nur zu Konflikten führen, sondern auch rechtliche Konsequenzen haben.

Ein Buspassagier, sichtlich verärgert, reagiert auf Jungen, die während des Lani-Montags, 13. April 1998, im Zentrum von Warschau Wasser ausschütten.
Ein Buspassagier, der sichtlich verärgert ist, reagiert auf Jungen, die während des Lani-Montags, 13. April 1998, im Zentrum von Warschau Wasser ausschütten. CZAREK SOKOLOWSKI/AP

Übermäßiges Bespritzen unbeteiligter Personen, das Übergießen von Passanten von Balkonen oder das Verwenden von Eimern statt eines symbolischen Spritzers kann als Ordnungswidrigkeit gewertet werden. Besonders gefährlich sind Situationen in der Nähe von Straßen, da dies zu Risiken im Straßenverkehr führen kann.

Die Polizei weist darauf hin, dass das Bespritzen mit Wasser nur mit Zustimmung der betroffenen Person erfolgen sollte. Unbeteiligte – insbesondere im öffentlichen Raum – dürfen nicht einfach nass gemacht werden. Unzulässig ist es auch, Fahrer, Radfahrer oder Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr zu bespritzen.

Zudem gilt: Wer fremdes Eigentum beschädigt oder die öffentliche Ordnung stört, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.

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