Spaniens Regierung ruft angesichts der Ankunft der MV Hondius auf Teneriffa das EU-Katastrophenschutzverfahren an. Doch was steckt hinter diesem Mechanismus?
Spanien hat als Reaktion auf den Ausbruch des Hantavirus an Bord des Kreuzfahrtschiffs MV Hondius, das in den kommenden Tagen auf Teneriffa eintreffen soll, das europäische Katastrophenschutzverfahren aktiviert. Innenminister Fernando Grande-Marlaska erklärte am Mittwoch, die Entscheidung sei "aus Menschlichkeit" getroffen worden. Zugleich versicherte er, die Lage sei "kompliziert, aber unter Kontrolle".
Der Ausbruch, der bislang drei Todesopfer gefordert hat, machte eine koordinierte europäische Reaktion erforderlich – sowohl für die Evakuierung von Passagieren und Besatzungsmitgliedern als auch für das Gesundheitsmanagement bei ihrer Ankunft in Spanien.
Was ist das europäische Katastrophenschutzverfahren?
Dabei handelt es sich um ein Instrument der Europäischen Union, das 2001 geschaffen wurde, um koordinierte Hilfe bei Naturkatastrophen, Gesundheitskrisen und Konflikten zu ermöglichen. Seit seiner Einführung wurde der Mechanismus mehr als 800 Mal aktiviert, besonders häufig während der COVID-19-Pandemie.
Spanien hat das Verfahren in der Vergangenheit unter anderem bei Waldbränden, Überschwemmungen und gesundheitlichen Notlagen genutzt.
Wie funktioniert es, Schritt für Schritt?
Das betroffene Land stellt ein Hilfeersuchen an das EU-Koordinierungszentrum für Notfallmaßnahmen (ERCC) in Brüssel, das 365 Tage im Jahr Krisen in aller Welt überwacht. Von dort aus können die Mitgliedstaaten Hilfe anbieten, z. B. in Form von medizinischen Hilfsgütern oder Fachpersonal.
Wird die Hilfe angenommen, koordiniert die EU den Einsatz und trägt den größten Teil der logistischen Kosten sowie die Bereitstellung von Ressourcen aus ihren eigenen strategischen Reserven zur Krisenbewältigung.
Welche Maßnahmen werden in diesem Fall ergriffen?
Nach der Ausschiffung auf Teneriffa sollen die 14 spanischen Staatsangehörigen an Bord des Kreuzfahrtschiffs mit Militärflugzeugen nach Madrid gebracht werden, wo sie zunächst in Quarantäne bleiben. Passagiere anderer Nationalitäten sollen nach der Ausschiffung in ihre jeweiligen Heimatländer zurückkehren.
Drei infizierte Patienten wurden bereits in die Niederlande evakuiert. Das medizinische Spezialflugzeug musste jedoch wegen eines Defekts an einer der Isolierkapseln umgeleitet werden. Das Schiff soll unter strengen Gesundheits- und Sicherheitsauflagen in Teneriffa anlegen.
Die gesundheitliche Dimension des Ausbruchs
Die MS Hondius verließ Argentinien am 20. März und hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) acht Fälle von Hantavirus-Infektionen gemeldet. Drei von ihnen verliefen tödlich, einer befindet sich weiterhin in einem ernsten Zustand und drei weitere haben leichte Symptome.
Die europäischen Gesundheitsbehörden beobachten die Lage aufmerksam und prüfen mögliche weitere Infektionsfälle. Dabei wird nicht ausgeschlossen, dass die laufenden Nachverfolgungsmaßnahmen auf weitere betroffene Passagiere ausgeweitet werden - auch auf jene, die das Schiff bereits verlassen haben und deren Aufenthaltsort bislang nicht bekannt ist.