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Natur-Webcams: digitales Fenster zur Tierwelt Spaniens

Natur live
Natur live Copyright  Directo Natura
Copyright Directo Natura
Von Lucia Blasco
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Live-Streams aus spanischen Nationalparks und Schutzgebieten liegen im Trend. Was als Forschungsprojekt begann, ist nun digitales Freizeitvergnügen.

Einen Iberischen Luchs beobachten, wie er die Sierra Morena durchstreift; das Leben in einem Vogelnest mitverfolgen oder stundenlang eine Naturlandschaft betrachten, ohne das Haus zu verlassen. Natur-Webcams erleben in Spanien einen Boom und verändern, wie sich tausende Menschen Wildtieren und Schutzgebieten nähern.

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Das Phänomen ist nicht neu. Mit besserer Technik, hochauflösenden Übertragungen und dem ständigen Zugriff über Webseiten, YouTube und soziale Netzwerke hat es jedoch deutlich an Sichtbarkeit gewonnen.

Was als Instrument zur wissenschaftlichen Beobachtung und Umweltbildung begonnen hat, ist inzwischen auch zu einer Form entschleunigter digitaler Freizeit geworden – irgendwo zwischen Tierbeobachtung, Umweltbildung und virtuellem Tourismus.

Während der COVID-19-Pandemie hob das Ministerium für den ökologischen Wandel die Rolle dieser Kameras bereits hervor (Quelle auf Spanisch). Sie ermöglichten es, „die Natur live und in Echtzeit zu erleben, ohne das Haus zu verlassen“.

Das Ceneam (Centro Nacional de Educación Ambiental), das zum autonomen Naturparkamt gehört, betonte damals, dass es genügt, sich mit den Kameras zu verbinden, die von Naturschutzorganisationen, Universitäten, öffentlichen Einrichtungen und Forschungszentren installiert wurden, um „den Pulsschlag der Natur live mitzuverfolgen“ und besser zu verstehen, vor welchen Herausforderungen die Wildvögel in der Brutzeit stehen.

In Spanien gehört das Projekt von SEO/BirdLife (Quelle auf Spanisch), das sich vor allem auf Vögel konzentriert. zu den etabliertesten Angeboten. Die Organisation setzt seit 2006 Live-Kameras ein, um der Öffentlichkeit das Leben verschiedener Arten näherzubringen, ihre Biologie und ihr Verhalten zu erforschen und die Natur „so zu zeigen, wie sie ist“. Die Streams sind kostenlos, einige laufen rund um die Uhr.

Über diese Kameras lassen sich ganz unterschiedliche Arten und Lebensräume beobachten: von Wanderfalken (Quelle auf Spanisch), Mauerseglern, Störchen oder Zwergadlern bis hin zu Feuchtgebieten wie Las Tablas de Daimiel oder Gebieten wie der Sierra de Guadarrama, Cabañeros, Doñana oder den Atlantischen Inseln Galiciens.

SEO/BirdLife erklärt, dass die Kameras je nach Brutzeit zugeschaltet werden. Es gibt auch Übertragungen von Lagunen, Futterplätzen oder Aasplätzen, an denen sich mehrere Arten zeigen können.

Aufnahme einer Waldohreule an der Lagune, aufgenommen im Vogelschutzgebiet Riet Vell im Ebrodelta
Aufnahme einer Waldohreule an der Lagune, aufgenommen im Vogelschutzgebiet Riet Vell im Ebrodelta SEO/BirdLife

Mehr als nur Vögel

Das Phänomen beschränkt sich jedoch nicht auf Vögel. Plattformen wie Directo Natura (Quelle auf Spanisch) weiten das Interesse auf andere Tiere und Landschaften aus. Sie installieren hochauflösende Kameras in natürlichen Lebensräumen, um Wildtiere ohne Störungen zu beobachten.

„Mit unseren ferngesteuerten Kameras können Sie Wildtiere aus nächster Nähe erleben, ohne die Arten zu stören“, heißt es auf der Webseite. Dass es keine Kommentierung und keinen Schnitt gibt, scheint zur Beliebtheit vieler Videos beigetragen zu haben: „Ohne Drehbuch, Schnitt oder Postproduktion – was Sie sehen, ist die Natur, so wie sie ist“, verspricht die Plattform.

Zu den meistgesehenen Übertragungen gehören die Streams zum Iberischen Luchs (Quelle auf Spanisch) in der Sierra Morena, einer der symbolträchtigsten Arten des Naturschutzes in Spanien.

Ohne Eile und ohne Filter

Das Entscheidende an diesen Übertragungen ist gerade das Warten. Statt kurzer Clips im Schnellkonsum verfolgen viele Nutzerinnen und Nutzer stundenlang scheinbar unspektakuläre Szenen: Ein Tier nähert sich einer Wasserstelle, ein Paar füttert seine Jungen, Eier werden gelegt oder ein Jungvogel hebt zu seinem ersten Flug ab (Quelle auf Spanisch).

Die Natur liefert nicht immer sofortiges Spektakel, und genau diese Langsamkeit macht ihren Reiz aus. In einer Zeit rasant konsumierter Inhalte zeigt der Erfolg dieser Streams, wie groß die Anziehungskraft einer ungefilterten, entschleunigten Naturbeobachtung ist.

Hinzu kommt ein wissenschaftlicher Aspekt mit Beteiligung der Öffentlichkeit. SEO/BirdLife berichtet, dass im Rahmen des Projekts „Dando alas a la Biodiversidad“ (Quelle auf Spanisch) mehr als einhundert Freiwillige einzelne Kameras täglich verfolgt haben und dabei tausende Stunden an Daten zu Brut, Fütterung, Entwicklung der Küken und Fortpflanzungsverhalten gesammelt wurden.

Eine Kamera von SEO/BirdLife zeigt Nester des Mauerseglers in Spanien
Eine Kamera von SEO/BirdLife zeigt Nester des Mauerseglers in Spanien SEO/BirdLife

Die Organisationen erinnern jedoch daran, dass diese Kameras Wildtiere zeigen, die den Gesetzen der Natur unterliegen. In den häufig gestellten Fragen weist SEO/BirdLife darauf hin, dass auch belastende Szenen zu sehen sein können, etwa Beutegreiferangriffe, Kämpfe oder Todesfälle, und dass nicht in jedem Fall eingegriffen wird – nur unter bestimmten Umständen, etwa bei bedrohten Arten oder wenn keine natürlichen Ursachen vorliegen.

Wichtig ist auch eine verantwortungsvolle Installation. SEO/BirdLife betont, dass Arten und Standorte sorgfältig ausgewählt werden. Die Teams bringen die Technik außerhalb der Brutzeit an und nutzen getarnte Systeme oder Zoomkameras, um das Verhalten der Tiere so wenig wie möglich zu beeinflussen.

Was in einem Nest, einem Wald oder an einer Tränke geschieht, bleibt damit nicht länger nur Forschenden oder Wandernden vorbehalten: Jede und jeder kann es jetzt live von zu Hause aus verfolgen.

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