Dem US-Landwirt Justas Walker wurde nach eigenen Angaben die russische Aufenthaltserlaubnis entzogen. Der als "lustiger Milchmann" bekannte Farmer fürchtet die Ausweisung seiner Familie. Offizielle Gründe nannten die Behörden demnach nicht.
Dem amerikanischen Landwirt Justas Walker droht zusammen mit seiner Familie die Ausweisung aus Russland. Das erklärte er auf seinem YouTube-Kanal.
Walker berichtete, dass seine Aufenthaltserlaubnis für Russland annulliert wurde. Nach seinen Worten nannten die Behörden ihm keine offiziellen Gründe für diese Entscheidung.
"Für uns ist das einfach ein Schock. Am Montag um neun Uhr morgens gehen wir zur Behörde und schauen, was genau [passiert ist], dann sehen wir den Beschluss zu unserem Fall. Vorher versuchen wir herauszufinden, welche Möglichkeiten wir haben. Offenbar gibt es die Option, das anzufechten. Aber wenn sich das bestätigt, was man uns sagt – dass die Aufenthaltserlaubnis gestrichen ist, dass wir ausgewiesen werden –, dann bleiben uns nur wenige Tage, damit die Familie das Land verlassen kann", sagte Walker.
Nach Angaben des Landwirts braucht seine Familie für eine erzwungene Ausreise rund 900 000 Rubel. Ihm steht etwa die Hälfte dieser Summe zur Verfügung, deshalb bat er seine Abonnenten, falls nötig, den fehlenden Betrag zu sammeln. "Und betet bis dahin für uns", schloss Walker.
In den Kommentaren unter dem Video vermuteten Nutzerinnen und Nutzer, dass Betrüger bei ihm angerufen haben.
"Im Video sagt Justas, jemand habe ihn 'von der FMS angerufen'. Tatsächlich wurde der Föderale Migrationsdienst (FMS) in Russland schon 2016 offiziell aufgelöst. Seine Aufgaben liegen seitdem bei der Hauptverwaltung für Migrationsfragen des Innenministeriums (GUWM des Innenministeriums). Wenn sich die Anrufer ausdrücklich als Mitarbeitende der FMS vorgestellt haben, ist das ein klarer Fehler der Betrüger, fasste ein Abonnent zusammen.
Walker, bekannt als "der lustige Milchmann", kam in den 1990er-Jahren mit seinen Eltern im Alter von elf Jahren erstmals nach Russland. Er besuchte eine gewöhnliche Dorfschule und lernte dort Russisch. Im Jahr 2000 kehrten seine Eltern in die USA zurück, Justas blieb jedoch in Russland. Er begann zunächst im Gebiet Krasnojarsk mit Landwirtschaft, später zog er in die Region Altai, wo er seit mehr als zehn Jahren lebt. Dort baute er einen kleinen Betrieb auf, der Milchprodukte, Käse und Ziegenmilch herstellt. Sein Plan ist, einen Öko-Campingplatz aufzubauen, in den er seine gesamten Ersparnisse gesteckt hat.
Nach eigenen Angaben hat der Landwirt mehrfach versucht, die russische Staatsbürgerschaft zu bekommen – bisher vergeblich.
Landesweit bekannt wurde er durch ein Interview aus dem Jahr 2014, das kurz nach der Einführung westlicher Sanktionen gegen Russland entstand. Damals sagte Walker, die Strafmaßnahmen könnten zu einem Schub für die heimische Landwirtschaft werden. Seine emotionale Art und sein markantes Lachen machten ihn zum Protagonisten zahlreicher Artikel und TV-Beiträge.
"Warum solltet ihr unseren Käse kaufen? Na, weil es euren italienischen Käse nicht mehr geben wird!", dieser Satz, begleitet von seinem ansteckenden Lachen, wurde zu Walkers Markenzeichen und brachte ihm Popularität ein.
Politische Haltung
Trotz seines gefestigten Images als Russland-Sympathisant äußert sich Justas Walker öffentlich nur zurückhaltend zu politischen Fragen.
Den russischen Angriff auf die Ukraine kommentierte er öffentlich nicht. In Interviews und sozialen Netzwerken spricht Walker deutlich häufiger über Landwirtschaft, Religion, Familie und die Probleme von Bäuerinnen und Bauern als über Außenpolitik.
Die möglichen Gründe für die Annullierung seines Aufenthaltstitels könnten daher in anderen Faktoren liegen – etwa in seiner öffentlichen Kritik an der russischen Agrarpolitik oder an der Bürokratie.
Im März 2026 hat Walker im Zusammenhang mit der Rinderschlachtung in Sibirien das russische Landwirtschaftsministerium scharf kritisiert und ihm vorgeworfen, das kleine und mittlere Bauerntum faktisch zu zerstören. Er sagte, er stoße seit seinem Umzug in die Region Altai im Jahr 2016 ständig "auf Drohungen, Verbote und bürokratischen Druck".
Walker erklärte, die staatliche Agrarpolitik dränge kleine und mittlere Betriebe aus dem Markt, um großen Agrarholdings Platz zu machen. In einem emotionalen Interview sagte er sogar: "Sie wollen, dass wir alle verrecken", womit er nach eigenen Worten die Haltung der Beamten gegenüber unabhängigen Landwirten meinte.
Immer wieder prangerte Walker auch die Unzugänglichkeit staatlicher Förderung für Kleinbetriebe an, weil ein großer Teil der Mittel an große Unternehmen fließt. Der Staat müsse aus seiner Sicht Rahmenbedingungen für Familienbetriebe schaffen, nicht nur für große Agrarunternehmen.
Schon 2014 betonte Walker trotz seiner Unterstützung der Importsubstitution, dass Sanktionen die Probleme der Landwirtschaft nicht von allein lösen. Als Hauptproblem nannte er die Unmöglichkeit, Land für den eigenen Betrieb zu bekommen. Ohne Bodenreform sei eine Entwicklung des Bauerntums seiner Meinung nach nicht möglich.
Bürokratie. Immer wieder schilderte er, wie Anträge, Genehmigungen und der Umgang mit lokalen Behörden zu einem ernsthaften Hindernis für kleine Höfe werden. Diese Hürden seien seiner Meinung nach oft schwerer wiegend als wirtschaftliche Faktoren.
Probleme mit der Infrastruktur. Im Jahr 2024 beklagte Walker öffentlich, dass sein Hof lange nicht ans Stromnetz angeschlossen wurde, obwohl nach seinen Angaben alle nötigen Formalitäten erledigt waren. Er fragte sich, warum Ferienhaussiedlungen einen Anschluss bekommen, während produzierende Betriebe warten müssen.
Jahrelang galt Justas Walker als Beispiel gelungener Integration eines Ausländers in die russische Provinz. Inzwischen steht seine Geschichte eher dafür, dass selbst ein langes Leben im Land, Verbundenheit mit ihm, Bekanntheit und öffentliche Anerkennung keine Stabilität garantieren.