Antonio Tajani spricht bei Euronews über Italiens Rolle in den Krisen in Hormus, der Ukraine und im Libanon. Er ärgert sich über den Ausschluss aus der Moskau-Initiative von Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich, Thema beim G7 in Evian am Montag.
Die internationale Diplomatie beschwört immer wieder mögliche Fortschritte an den beiden zentralen Krisenherden der Weltpolitik: im Nahen Osten und in der Ukraine. In beiden Fällen bleiben die USA der entscheidende Akteur.
Während Washington auf eine mögliche Einigung mit dem Iran setzt, richtet sich der Blick in Europa vor allem auf die Folgen des Konflikts für die internationale Schifffahrt. Besonders die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt, steht dabei im Fokus.
„Wir hoffen wirklich, einen Waffenstillstand auf den Weg zu bringen, auch um den Durchgang der Schiffe durch Hormus wieder zu ermöglichen. Das ist im Moment unser wichtigstes wirtschaftliches Problem“, sagt Italiens Außenminister Antonio Tajani.
Euronews trifft den Minister am Rande der Konferenz Il Mediterraneo Strategico in Rom. Dort spricht Tajani über die internationale Koalition, die den Schiffsverkehr in der Region sichern soll. Das Vorhaben wurde bereits im Mai auf den Weg gebracht, kommt bislang jedoch kaum voran.
„Die internationale Koalition, der wir beitreten wollen, kann erst eingreifen, wenn ein Waffenstillstand steht. Wir müssen zunächst zu einem Waffenstillstand kommen. Danach werden wir alles tun, um die Freiheit der Schifffahrt zu garantieren.“
Ungewöhnlich deutlich äußert sich Tajani auch zu Israel: „Israel hat das Recht zu existieren, es hat das Recht, nicht von Hisbollah und vom Iran angegriffen zu werden. Aber es hat nicht das Recht, den Libanon anzugreifen.“
Italien kritisiert Deutschlands Ukraine-Format
Auch beim Thema Ukraine findet der italienische Außenminister klare Worte. Hintergrund ist die diplomatische Initiative Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens, die als E-3-Gruppe direkte Gespräche mit Russland vorantreiben wollen.
Für Tajani stellt sich dabei die Frage, wer Europa bei möglichen Verhandlungen überhaupt vertreten darf.
„Das entscheidet nicht Putin, und das entscheiden auch nicht zwei Länder allein. Das entscheidet die gesamte Europäische Union. Wenn jemand ganz Europa vertritt, muss diese Person von der Europäischen Union ausgewählt werden.“
Damit kritisiert der italienische Außenminister indirekt die dominante Rolle Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens in der Ukraine-Diplomatie. Italien fühlt sich von den wichtigsten europäischen Gesprächsformaten ausgeschlossen.
Kurz vor dem Ende des Gesprächs formuliert Tajani seinen Vorwurf noch deutlicher: „Wenn man zu dritt ist, kann man nicht im Namen von 27 sprechen.“
Auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte das E-3-Format zuvor kritisiert. „Kein Format hat die Befugnis, im Namen der gesamten EU zu sprechen“, erklärte sie im italienischen Parlament.