Deutschlands erstes WM-Spiel steht noch aus, doch das neue WM-Orakel hat sein Urteil bereits gefällt. Und der Tipp von Ameisenbär Taio dürfte nicht jedem DFB-Fan gefallen.
Vor dem ersten WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Curaçao am Sonntag spielte sich bereits Tausende Kilometer vom Gastgeber USA entfernt ein kleines Spektakel ab: Das diesjährige WM-Orakel, Ameisenbär Taio, gab am Freitag seinen ersten Tipp ab.
Dabei sorgte er für ordentlich Spannung, denn für seine Entscheidung ließ sich das Tier im Zoo Münster viel Zeit. Dann die Überraschung: Taio tippt auf ein Unentschieden.
Die Flaschen, die stellvertretend für die möglichen Spielausgänge standen, waren mit Futter gefüllt. Ungünstig für Deutschland: Die Mehlwürmer in der Flasche, die für ein Unentschieden stand, rochen für den Ameisenbären offenbar besonders verlockend.
Ob Taio damit richtig liegt, wird sich am Sonntag zeigen. Eines steht allerdings schon jetzt fest: Mit seiner neuen Rolle als WM-Orakel tritt er in große Fußstapfen.
Acht richtige Vorhersagen in Folge – das ist der Rekord, den Taio knacken müsste, um an den Kultstatus von Krake Paul aus dem Jahr 2010 heranzureichen. Seither versuchten sich zahlreiche tierische Orakel an Prognosen großer Fußballturniere. An die Trefferquote des berühmten Kraken kam jedoch keines heran.
Immerhin bringt Taio beste Voraussetzungen mit: Mit seiner rund 30 Zentimeter langen Schnauze dürfte der Ameisenbär über einen besonders guten Riecher verfügen.
Ameisenbär gilt als gefährdet
Taio wurde im Jahr 2024 im Allwetterzoo Münster geboren. Seine Art gilt als gefährdet. Er ist der erste Große Ameisenbär, der im Allwetterzoo zur Welt gekommen ist, wie der Zoo auf seinen Sozialen Medien mitteilte.
Warum die Wahl auf Ameisenbär Taio gefallen ist, begründet die Zoodirektorin aus Münster, Simone Schehka, mit einem wichtigen Auftrag.
"Wir halten und züchten bei uns im Allwetterzoo viele bedrohte Tierarten. Dazu gehört auch der Ameisenbär. Taio ist eine unserer Nachzuchten und ein guter Stellvertreter für die vielen anderen Tierarten, die geschützt werden müssen", sagte Zoodirektorin Simone Schehka bei der Bekanntgabe des Orakel-Tieres.
Eine Fußball-Weltmeisterschaft binde viel Aufmerksamkeit, Interesse und Emotionen. Das würde der Zoo für sich nutzen und durch das Orakel auf unsere wichtige Artenschutzarbeit aufmerksam machen, so Schehka.
Chronik der Orakel-Tiere
Das erfolgreichste deutsche Fußball-Orakel bleibt bis heute die Krake Paul aus Oberhausen. Bei der WM 2010 sagte er sämtliche Deutschland-Spiele sowie das Finale korrekt voraus und erreichte damit eine Trefferquote von 100 Prozent (8 von 8 Vorhersagen).
Weil die ersten Tipps alle richtig lagen, wurde Paul plötzlich weltweit bekannt. Demnach sollenauch die Zeitungen The Guardian und Le Monde berichtet haben, der Tipp zum Halbfinale wurde sogar live im Fernsehen übertragen.
Seither haben zahlreiche Tier-Orakel versucht, an diesen Erfolg anzuknüpfen, eine vergleichbare Bilanz konnte jedoch keines vorweisen. Paul ist wenige Monate später in seinem Zuhause, dem Sea Life Oberhausen, eines natürlichen Todes gestorben.
Doch bereits zwei Jahre zuvor hatte der Krake bei der Europameisterschaft noch geübt. Bei zwei von sechs Spielen, unter anderem beim Finale der EM 2008 lag Paul nämlich falsch. Das hatte Deutschland gegen Spanien gewonnen, nicht wie von Paul angenommen verloren.
Das Sea Life Oberhausen hatte bereits am selben Tag einen Nachfolger ermittelt. Paul, der Zweite oder auch "der kleine Paul" sagte ein Jahr später die Ergebnisse der Frauenfußball-Weltmeisterschaft voraus. Auch andere Städte in Deutschland versuchten, Oktopusse zu WM-Vorhersagen zu bewegen.
Acht Kraken in acht verschiedenen deutschen Städten sollten gegeneinander antreten. Wer in Berlin, Hannover, Konstanz, Königswinter, München, Oberhausen, Speyer und Timmendorfer Strand die meisten richtigen Vorhersagen trifft, sollte zum Nachfolger des berühmten Pauls ernannt werden.
WM 2014: Das Jahr der Orakeltiere
Doch einen richtigen Nachfolger hat es nicht gegeben. Bei der Weltmeisterschaft im Jahr 2014 gab es nicht ein einzelnes Tier, sondern vielmehr eine Vielzahl konkurrierender Orakel.
Gürteltier Taka aus Erfurt
Das Gürteltier Taka aus dem Erfurter Zoo sollte beispielsweise den Ausgang des Spiels zwischen Deutschland und Ghana vorhersagen. Denn das Gürteltier war auch das offizielle Maskottchen der FIFA-Weltmeisterschaft 2014.
Das Erfurter Gürteltier sagte das WM-Gruppenspiel Deutschland gegen Ghana 2014 zwar voraus, die Prognose wurde jedoch vor dem Anpfiff nicht veröffentlicht. Nach dem 2:2-Unentschieden blieb deshalb öffentlich unbekannt, ob Taka auf Deutschland oder Ghana getippt hatte.
Krake Regina aus Berlin
Oft wurde auch Krake Regina aus dem Berliner Sea Life bei der WM 2014 als die wahre Nachfolgerin von Artgenosse Paul gesehen. Nicht alle Vorhersagen sind jedoch öffentlich bekannt. Für das Auftaktspiel sagte sie Deutschland den Sieg voraus - und sollte Recht behalten. Deutschland besiegte Portugal damals mit 4:0. In der Gruppenphase lag die Krake jedoch zwei Mal falsch. Deutschland spielte unentschieden gegen Ghana, dabei hatte Krake Regina sich für die Flagge Ghanas entschieden.
Auch beim letzten Gruppenspiel wurde es knifflig und die Krake entschied sich für keines der Tore. Letztendlich hatte Deutschland mit 1:0 gegen die USA gewonnen.
Brasilien kontert mit Meeresschildkröte
Brasilien, das Gastgeberland in diesem Jahr, wollte übrigens auch mit einem Orakel glänzen. Als WM-Orakel wurde die Meeresschildkröte mit dem Namen "Cabecao" (auf deutsch: Großkopf) auserwählt. Sie war die Antwort auf den Hype um Krake Paul.
Eine Schildkröte namens „Cabecao“ (dt. „Großkopf“) schwimmt am Dienstag, dem 10. Juni 2014, in einem Pool in Praia do Forte, Brasilien. Die Schildkröte, Brasiliens Antwort auf den deutschen Tintenfisch Paul, der während der Weltmeisterschaft 2010 den Hype um tierische Wahrsager ausgelöst hatte, sagte am Dienstag voraus, dass der Gastgeber am Donnerstag im Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft gegen Kroatien gewinnen werde.
WM 2018: Von Tiger bis zu Schweinen
Der Allwetterzoo Münster schickte auch 2018 ein Tier in das Orakel-Rennen. Der Sibirische Tiger Fedor zwischen drei Kartons wählen: Deutschland gewinnt, das Gegnerland gewinnt oder unentschieden. In drei Spielen der Vorrunden-Phase lag der Tiger nur einmal richtig.
Im selben Jahr wählten aber beispielsweise auch das Stachelschwein Dinah und andere Tiere aus dem Chemnitzer Zoo oder das Landschwein Harry aus dem Kölner Zoo.
Bei der WM 2018 hatte Harry die drei deutschen Gruppenspiele getippt. Danach schied Deutschland aus, und Harry wurde medienwirksam in den "Orakel-Ruhestand" geschickt.
WM 2022: Japanischer Flussotter sagte Deutschlands Niederlage voraus
Auch die Orakel-Tiere der Weltmeisterschaft 2022 in Katar konnten bei weitem nicht an Krake Paul anknüpfen. Ein japanischer Flussotter, der auf den Namen "Taiyo" hört, sagte den Sieg Japans gegen die deutsche Nationalmannschaft richtig voraus und wurde dafür gefeiert.
In Deutschland sollte ein Hund aus Emsbüren die Siege und Niederlagen Deutschlands vorhersagen, auch Löwen, Pinguine und Schildkröten wurden in Zoos in das Orakel-Spiel hineingezogen.
"Bei der Europameisterschaft 2024 hat Flachlandtapir Theo die Rolle des Orakels übernommen. Damals lag er bei fast allen Voraussagen falsch", sagte Allwetterzoo-Direktorin Schehka. "Wir werden sehen, ob Taios lange Nase den besseren Riecher hat".
Seinen ersten Einsatz als Orakel hat Taio am Freitag (12. Juni 2026) vor dem Spiel Deutschland gegen Curaçao.