Trumps Beitrag in sozialen Medien folgt auf den dritten Tag gegenseitiger Angriffe zwischen den USA und Iran, die den Nahen Osten an den Rand eines neuen, noch größeren Kriegs bringen. Verfolgt der US-Präsident einen Plan?
US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag erklärt, er habe Angriffe auf Iran ausgesetzt und nach Spitzengesprächen den Weg für ein mögliches Abkommen mit Teheran freigemacht.
„Aufgrund der Tatsache, dass die Gespräche mit der Islamischen Republik Iran auf die höchste Ebene der iranischen Führung gehoben und dort gebilligt wurden, habe ich … die für heute Abend geplanten Angriffe und Bombardierungen gegen Iran abgesagt“, schrieb Trump auf seinem Netzwerk Truth Social.
Trump sagte, die „letzten Punkte“ seien von allen Beteiligten gebilligt worden, nannte aber keine weiteren Details zu dem, was vereinbart wurde.
Zugleich erklärte er, die seit Mitte April laufende Seeblockade der USA gegen iranische Häfen bleibe in Kraft, bis die „Vereinbarung endgültig abgeschlossen“ sei.
Erst kurz zuvor hatte Trump auf Social Media neue Angriffe auf den Iran angekündigt und erklärt, US-Truppen würden bald die wichtigste Öl-Infrastruktur des Landes unter ihre Kontrolle bringen.
„Das US-Militär wird Iran HEUTE ABEND SEHR HART treffen“, hatte Trump früher am Tag gepostet.
„Zu einem Zeitpunkt in nicht allzu ferner Zukunft werden wir die Insel Kharg und weitere Standorte der Öl-Infrastruktur einnehmen und die vollständige Kontrolle über ihre Öl- und Gasmärkte übernehmen, ähnlich wie im Fall Venezuelas“, fügte er hinzu.
Die Insel Kharg ist das Herzstück der iranischen Ölexporte. Ein Angriff auf die dortige Energieinfrastruktur könnte die ohnehin angespannten globalen Ölmärkte massiv erschüttern.
Lässt Trump doch noch die Insel Kharg angreifen?
Rund 90 Prozent der iranischen Rohölausfuhren verlassen das Land über die Insel, ein Großteil davon geht nach China und in andere asiatische Märkte.
Kharg liegt im nördlichen Persischen Golf und ist relativ klein – etwa acht Kilometer lang und vier bis fünf Kilometer breit. Dennoch befindet sich dort umfangreiche Infrastruktur mit Tanks, Pipelines und Offshore-Verladeanlagen.
Pipelines aus einigen der größten Ölfelder Irans laufen hier zusammen, bevor das Rohöl auf Tankschiffe verladen wird. Ölexporte gehören weiterhin zu den wichtigsten Einnahmequellen des iranischen Staates, weshalb die Insel Kharg ein zentrales wirtschaftliches Asset darstellt.
Gefahr eines umfassenden Kriegs
Trumps neue Botschaft folgt auf den dritten Tag gegenseitiger Angriffe der USA und Irans und rückt den Nahen Osten näher an eine Wiederaufnahme eines umfassenden Kriegs. Der US-Angriff, der sich in Iran bis in den Donnerstagmorgen hinzog, fiel offenbar heftiger und flächendeckender aus als am Vortag.
Iran machte kaum Angaben zum Ausmaß der Schäden und erklärte, es habe – wie schon am Vortag – Kuwait, Bahrain und Jordanien beschossen.
Das US-Militär setzte die Blockade der iranischen Häfen fort und teilte am Donnerstag mit, es habe Raketen abgefeuert, um einen Tanker zu stoppen, der iranisches Öl habe transportieren wollen. Ein indischer Regierungsvertreter sagte, ein US-Angriff auf ein anderes Handelsschiff zu Wochenbeginn habe drei indische Seeleute getötet.
Der erneute Schlagabtausch erfolgte mitten in den Bemühungen um ein Kriegsende, die aber ins Stocken geraten sind. Trump warnte, Teheran werde für die schleppenden Verhandlungen einen „Preis zahlen“.
Irans Außenministerium erklärte am Donnerstag, die US-Angriffe hätten den Waffenstillstand „faktisch bedeutungslos gemacht“, ohne ihn ausdrücklich aufzukündigen.
Im Zentrum der Verhandlungen steht Irans Griff nach der Straße von Hormus, der die globalen Energieflüsse stört, die Treibstoffpreise in die Höhe treibt und Lebensmittel sowie andere Grundgüter auch außerhalb der Region verteuert.
Teheran gab am Donnerstag bekannt, die Meerenge sei geschlossen. Was das konkret bedeutet, blieb unklar. Der Iran hatte die Durchfahrt seit Beginn des Kriegs ohnehin stark eingeschränkt, nur noch wenige Schiffe kamen durch.
Das Zentralkommando des US-Militärs wies die Darstellung zurück. Trump sagte am Mittwoch, die USA hätten in den vergangenen Wochen eine geheime Mission gestartet, um Schiffe heimlich durch die Passage zu schleusen.
Auch beim iranischen Atomprogramm liegen beide Seiten weit auseinander. Teheran beharrt darauf, das Programm diene ausschließlich zivilen Zwecken. Die USA und Israel fürchten jedoch, dass Iran mit seinem Vorrat an hochangereichertem Uran den Bau einer Atombombe vorbereiten könnte.
Die USA und Israel erklärten, mit den Angriffen auf den Iran, die am 28. Februar 2026 begannen, habe man den Iran am Bau der Bombe hindern wollen.