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NATO-Gipfel: Griechenland und Türkei ringen um Einfluss im östlichen Mittelmeer

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Von Foteini Doulgkeri
Zuerst veröffentlicht am
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Beim NATO-Gipfel geht es auch um die Machtbalance zwischen Griechenland und der Türkei. Ankara will seine Rolle ausbauen, Athen fürchtet neue Verschiebungen im östlichen Mittelmeer.

Der NATO-Gipfel findet in einer Phase statt, in der das Bündnis mehrere Herausforderungen gleichzeitig bewältigen muss: den Krieg in der Ukraine, die Instabilität im Nahen Osten und die Umsetzung seiner neuen Abschreckungsstrategie. In diesem Umfeld gewinnen die Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei besondere Bedeutung. Die Stabilität an der südöstlichen Bündnisflanke gilt als entscheidend für den Zusammenhalt der NATO.

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Dimitris Triantafyllou, Professor für Internationale Politik an der Panteion-Universität, geht davon aus, dass der Gipfel trotz begrenzter Erwartungen ein Ausgangspunkt für die Fortsetzung des griechisch-türkischen Dialogs sein kann.

"Es ist naheliegend, dass der Gipfel helfen könnte und zum Ausgangspunkt für eine neue Dialogphase mit den Türken wird", sagt er. Zugleich betont er, die zentrale Herausforderung bestehe darin, "wie die Verantwortlichen in Griechenland und der Türkei dies darstellen können, ohne dass es so wirkt, als hätten sie dem Druck aus Washington nachgegeben".

Aus seiner Sicht macht die verschlechterte Sicherheitslage im östlichen Mittelmeer und im Nahen Osten offene Kommunikationskanäle zwischen Athen und Ankara noch dringlicher. "Die Instabilität im Nahen Osten und die Energiefragen machen es selbstverständlich, dass beide Länder ihre Anstrengungen für vertrauensbildende Maßnahmen und einen Rahmen zur Lösung der rechtlichen Streitpunkte verstärken müssen", sagt Triantafyllou.

Zypern-Konflikt in neuer geopolitischer Konstellation

Parallel dazu bleibt die Zypern-Frage eine der zentralen offenen Baustellen im östlichen Mittelmeer. Sie steht zwar nicht auf der offiziellen Agenda des Bündnisses, beeinflusst aber weiterhin die Sicherheitslage in der gesamten Region.

Kurzfristig erwartet Triantafyllou keine Durchbrüche im Zypern-Konflikt. Dennoch sieht er ein internationales Umfeld, das sich allmählich verändert. Aus jüngsten Äußerungen türkischer Regierungsvertreter lasse sich herauslesen, dass sich der Ton leicht verschoben habe: Sie sprächen nicht mehr so eindeutig von einer Zwei-Staaten-Lösung, stattdessen tauchten wieder Szenarien einer Konföderation auf. Das bedeute jedoch nicht zwangsläufig einen Strategiewechsel.

Gleichzeitig betont er: "Das geopolitische Gewicht der Republik Zypern hat zugenommen, und die Türkei muss das berücksichtigen." Aus seiner Sicht gehört die gestärkte internationale Stellung Nikosias inzwischen zu den Faktoren, die in die türkischen Kalkulationen einfließen.

Die Türkei will ihre Rolle ausbauen

Zugleich versucht die Türkei, ihre Rolle als wichtiger regionaler Akteur zu stärken. Sie nutzt ihre Lage zwischen Schwarzem Meer und Nahost sowie die neuen Kräfteverhältnisse innerhalb der NATO und im Nahen Osten.

Nach Einschätzung des Professors will Ankara die aktuelle Lage nutzen, um seinen Status im Bündnis aufzuwerten. Die Regierung betont dabei ihre geostrategische Bedeutung vom Schwarzen Meer bis zum Nahen Osten.

"Die Türkei versucht, ihre geografische Lage auszuspielen und diesen Vorteil sowohl innenpolitisch als auch gegenüber ihren Verbündeten zu betonen", sagt Triantafyllou. Den bevorstehenden Gipfel nennt er besonders wichtig für Recep Tayyip Erdoğan: "Er kommt ihm wie gerufen, denn er versucht, alle neuen Entwicklungen zu nutzen, um die Rolle der Türkei aufzuwerten."

Neue NATO-Struktur und Kräftebalance zwischen Athen und Ankara

Im Vorfeld des Gipfels steht auch die Neuordnung der NATO-Kommandostruktur auf der Tagesordnung. Besonders aufmerksam verfolgen Diplomaten und Militärs die Pläne für zwei neue Kommandos in der Türkei. Dabei handelt es sich um nationale Hauptquartiere in Istanbul mit Zuständigkeit für das Schwarze Meer und in Adana mit operativem Bezug zum östlichen Mittelmeer.

Diplomatische und militärische Quellen betonen jedoch, dass es sich nicht um neue NATO-Hauptquartiere handelt, sondern um türkische nationale Kommandos. Diese können zertifiziert werden und im Rahmen der Allianz Aufgaben übernehmen. Diese Unterscheidung ist wichtig: Ihre Einrichtung verändert weder die NATO-Zuständigkeiten in der Ägäis noch die Verteilung operativer Verantwortung zwischen Griechenland und der Türkei.

Ankara will die neuen Strukturen dennoch nutzen, um seine Rolle als zentraler Sicherheitspfeiler an der südöstlichen Bündnisflanke zu unterstreichen – in einer Phase, in der die NATO ihre Strategie gegenüber den Herausforderungen aus dem Schwarzen Meer, dem östlichen Mittelmeer und dem Nahen Osten neu bewertet.

Die Debatte über die neuen Kommandos ist Teil einer umfassenderen Neuordnung der NATO-Truppenstruktur, die nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine angestoßen wurde. Mit dem neuen NATO Force Model und regionalen Verteidigungsplänen will das Bündnis seine Einsatzbereitschaft erhöhen und Kräfte schneller verlegen können. Dabei stützt es sich stärker auf nationale militärische Strukturen der Mitgliedstaaten.

Mehrere Länder versuchen deshalb, ihre nationalen Hauptquartiere aufzuwerten, damit sie im NATO-Rahmen operative Einsätze übernehmen und in der neuen Sicherheitsarchitektur mehr strategisches Gewicht gewinnen können.

Türkei will operativen Einfluss ausbauen

Griechenland strebt derzeit offenbar keine vergleichbaren neuen Strukturen an. Das Land verfügt bereits über zentrale NATO-Einrichtungen und zertifizierte Hauptquartiere, etwa das NRDC-GR in Thessaloniki und das CAOC in Larisa. Die Türkei hingegen versucht, die Lage zu nutzen, um ihren geopolitischen und operativen Einfluss auszubauen und sich als Hauptpfeiler des südöstlichen NATO-Flügels zu präsentieren.

Für Athen ist nicht die Schaffung der türkischen nationalen Kommandos an sich das Problem, sondern der Umfang der Aufgaben, die sie erhalten könnten. Entscheidend ist, ob diese Mandate die Balance im östlichen Mittelmeer verschieben oder zu Überschneidungen in Bereichen führen, die für Griechenland besonders wichtig sind.

Spektakuläre Ergebnisse dürfte der Gipfel kaum bringen. Er kann aber zeigen, in welche Richtung sich die Kräfteverhältnisse in der Region bewegen: ob sich die Logik von Zusammenarbeit und Dialog durchsetzt oder ob geopolitische Ambitionen die bekannten Spannungsherde im östlichen Mittelmeer wieder anheizen.

Parallel dazu läuft im Hintergrund weiterhin die Debatte über eine Gesetzesinitiative zur Doktrin "Blaues Vaterland". Zwar treibt die Regierung in Ankara diesen Vorstoß derzeit nicht voran, doch Beobachter gehen davon aus, dass er zurückkehren könnte, sobald die türkische Führung die Rahmenbedingungen als günstig einschätzt. Das zeigt: Unabhängig von den aktuellen Dialogbemühungen bleiben Ankaras strategische Ziele im östlichen Mittelmeer weitgehend unverändert. Offene Kommunikationskanäle sind daher notwendig, reichen allein aber nicht aus, um eine langfristige Entspannung zu sichern.

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