Herbst in Europa dauert lange: Bunte Wälder, Täler und Weinberge leuchten, von Slowenien und Schottland bis Finnland und Portugal, ideale Ziele für Rot-, Orange- und Goldtöne.
Wenn der Herbst kommt, richten sich viele Blicke auf den Nordosten der USA. Doch Europa steht dem als Ziel für das sogenannte „leaf peeping“ in nichts nach.
Die berühmten Herbstfarben in Neuengland sind zwar spektakulär, doch das Zeitfenster dafür ist kurz und kaum berechenbar. Europa punktet dagegen mit hohen Alpengipfeln, tiefen Flusstälern und großen Wäldern. Dadurch hält der Herbst nicht überall gleichzeitig Einzug.
Die Folge: Wer weiß, wohin er reisen muss, kann leuchtende Rottöne, goldenes Gelb und warmes Orange wochenlang, mitunter sogar monatelang, erleben – statt auf ein einziges ideales Wochenende zu hoffen.
Hier sind zehn der besten Orte in Europa, um in diesem Jahr Herbstlaub zu erleben.
Bleder See, Slowenien
Der Bleder See gehört zu Sloweniens beliebtesten Reisezielen – aus gutem Grund. Er bietet einige der eindrucksvollsten Landschaften des Landes und beherbergt zudem die einzige natürliche Insel des Staates.
Im Sommer wird es hier schnell voll, deshalb eignet sich der Herbst besonders für einen Besuch. In den „-ber“-Monaten ist das Wasser für Badende meist zu kalt. Ein Ruderboot können Sie aber problemlos mieten und die farbenprächtigen Blätter rund um den See vom Wasser aus bestaunen.
Wer lieber zu Fuß unterwegs ist, umrundet den See in rund eineinhalb Stunden – mit vielen Stopps für Fotos vom eindrucksvollen Laub.
Bayerische Alpen, Deutschland
Die Bayerischen Alpen sind zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis. In jeder Saison strömen Besucher hierher, um das majestätische Schloss Neuschwanstein zu sehen.
Für eine Herbstreise eignen sich die Berge besonders gut, vor allem wegen der vielen unterschiedlichen Höhenlagen.
Bereits im September färbt sich das Laub rund um den Gipfel der Zugspitze. Danach wandern die Farben nach und nach die Berghänge hinunter in die Täler, die sich bis in den November hinein in Rot- und Orangetönen zeigen.
Ideal ist ein Aufenthalt in der Stadt Füssen. Von hier aus erreichen Sie die zahlreichen Wanderwege, die das Gebirge durchziehen.
Lake District, England
Erst seit 2017 gehört Englands Lake District zum UNESCO-Welterbe, doch schon seit Jahrhunderten inspiriert die Region Besucher – darunter die Romantiker Samuel Taylor Coleridge und William Wordsworth.
Buttermere zählt im Herbst zu den schönsten Orten. Wer früh kommt, kann den See umrunden, wenn das Wasser oft so ruhig ist, dass sich Hügel und Laub darin spiegeln.
Ein weiteres Highlight ist Coniston Water. Waldwege, Bergpanoramen und eine Mischung aus Nadel- und Laubbäumen sorgen hier für besonders intensive Farben.
Transsilvanien, Rumänien
Transsilvanien hat weit mehr zu bieten als Vampirgeschichten, und der Herbst ist die ideale Zeit, das selbst zu entdecken.
Neben dem Pflichtbesuch von Schloss Bran, besser bekannt als Draculas Schloss, zur Gruselsaison, verfärben sich die Wälder der Karpaten im Lauf des Herbstes in besonders schöne Töne. Durch die unterschiedlichen Höhenlagen bleiben die Farben hier lange erhalten.
Als Basis bietet sich Brașov an. Nach Touren in den Bergen können Sie hier die Stimmung der Stadt genießen. Viele Restaurants stellen draußen Heizstrahler auf und geben Decken aus, damit Gäste die klare Herbstluft warm eingepackt erleben.
Perthshire, Schottland
Wer an Herbstfarben denkt, hat oft sofort Schottland vor Augen.
Steht das Land für den Herbst auf Ihrer Liste, lohnt sich ein Abstecher nach Perthshire. Die Region liegt gewissermaßen mit einem Fuß in den Highlands und mit dem anderen in den Lowlands.
Hier steht nicht nur die Meikleour Beech Hedge, offiziell die höchste Hecke der Welt, die sich im Herbst rot und orange färbt. Ganz in der Nähe liegt auch The Hermitage, ein vom National Trust betreutes Waldgebiet mit Wasserfällen und Ruinen, dessen Farbenpracht man gesehen haben muss.
Familien zieht es in den Enchanted Forest bei Pitlochry. Von Anfang Oktober bis Anfang November sorgt eine Licht- und Klangshow dort für zusätzliche Magie in den herbstlichen Wäldern.
Dolomiten, Italien
Die Dolomiten stehen bei vielen Wanderern ganz oben auf der Wunschliste. Ab September eignen sie sich zudem hervorragend als Herbstziel.
Ab Oktober bis zum ersten starken Schneefall im November leuchten die Lärchen in einem goldenen Ton. Ebenso eindrucksvoll ist das Herbstlicht, das die markanten Felswände in Szene setzt.
Die langen Schatten der Jahreszeit tauchen die Landschaft bei Sonnenuntergang in eine fast unwirkliche Stimmung. Das farbige Laub spiegelt sich zudem im Lago di Sorapis und im Lago di Braies – beide Seen lohnen einen Ausflug.
Loiretal, Frankreich
Das Loiretal ist weltweit für seine Weine bekannt und im Herbst besonders schön. Neben dem Probieren der berühmten Jahrgänge können Sie die Weinberge bewundern, deren Blätter sich in kräftige Rot-, Orange- und Violetttöne verwandeln – vor allem rund um die vielen prächtigen Schlösser.
Ein besonderer Herbstliebling ist das Château de Chaumont-sur-Loire. Dann schmücken Kürbisse und Zierkürbisse das Gelände und verleihen den ohnehin beeindruckenden Gärten und der historischen Kulisse eine stimmungsvolle Note.
Lappland, Finnland
Viele Reisende verbinden Lappland vor allem mit Weihnachten. Die Region eignet sich aber ebenso hervorragend für eine Auszeit im Herbst.
In Rovaniemi, der Hauptstadt der Region, säumen auffallend bunt gefärbte Bäume die Straßen. Zugleich zeigt sich das Nordlicht im Herbst besonders intensiv. Mit etwas Glück sehen Sie die Aurora borealis, wie sie sich in den zahlreichen Seen Lapplands spiegelt, die von Herbstlaub eingerahmt sind.
Ganz so kalt wie im tiefen Winter ist es hier zwar nicht, doch die Temperaturen können unter den Gefrierpunkt fallen. Packen Sie deshalb Winterkleidung ein und nicht nur ein oder zwei zusätzliche Schichten.
Douro-Tal, Portugal
Viele Menschen bringen Herbstlaub vor allem mit dichten Wäldern in Verbindung, doch Portugals berühmte Weinregion bietet ein anderes Schauspiel: Kilometerlange Terrassenweinberge färben sich nach der Lese in leuchtendes Rot, Orange und Gelb.
Das milde Klima des Douro sorgt dafür, dass sich die Farben oft bis weit in den November hinein halten. Die Region zählt damit zu den Orten mit einer der längsten Herbstsaisons Europas.
Porto eignet sich gut als Ausgangspunkt für Tagesausflüge, Sie können aber auch auf einer örtlichen Quinta, einem Weingut, übernachten. Eine Bootsfahrt auf dem Fluss durch das Tal macht die weitläufigen, flammenfarbenen Terrassen besonders eindrucksvoll erlebbar.
Nationalpark Plitvicer Seen, Kroatien
Kroatien steht meist für Strände und Segeltörns im Sommer. Wer im Herbst ins Landesinnere fährt, erlebt im Nationalpark Plitvicer Seen jedoch eine ganz andere Seite des Landes.
Im Nationalpark stürzen 16 türkisfarbene Seen über zahlreiche Wasserfälle ineinander. Sie liegen eingebettet in dichte Buchen- und Eichenwälder, die sich in leuchtendes Gelb, Orange und Rot verwandeln. Da die Seen auf unterschiedlichen Höhen liegen, setzt die Laubfärbung nach und nach ein und verlängert den Herbst.
Am besten übernachten Sie in einer Pension nahe einem der Parkeingänge und planen Ihren Besuch für Ende Oktober oder Anfang November. Dann sind die Sommermassen verschwunden und der gesamte Park wirkt deutlich ruhiger.