Die Überprüfung der in Europa stationierten Truppen begann, nachdem Spannungen entstanden waren, weil einige NATO-Staaten US-Soldaten keinen Zugang zu Stützpunkten für den Krieg im Iran gewährten.
Die USA wollen ihre Beziehungen zu NATO-Partnern neu bewerten, wenn diese amerikanischen Truppen künftig den Zugang zu Stützpunkten oder Lufträumen verweigern. Das sagte der US-Botschafter bei der NATO, Matthew Whitaker, im Gespräch mit Euronews.
Exklusiv beim Euronews Defence and Space Summit erklärte Whitaker, Washington arbeite weiter an einer Überprüfung von Stationierung und Einsatzorten der US-Streitkräfte im NATO-Gebiet. Hintergrund sind Spannungen mit mehreren europäischen Verbündeten während des US-israelischen Konflikts mit Iran, der unter dem Namen „Operation Epic Fury“ lief.
„Wir schauen uns Fragen zu Zugang, Stationierung und Überflugrechten an. Einiges lief während Epic Fury ziemlich holprig“, sagte Whitaker.
Die USA sprechen nach seinen Angaben weiter mit Staaten, die den Zugang im Konflikt eingeschränkt hatten, um sicherzustellen, „dass so etwas nicht noch einmal vorkommt“.
„Wir führen diese Gespräche nur mit einigen wenigen Ländern, mit denen es Probleme gab, damit wir beim nächsten Mal genau wissen, woran wir sind“, so Whitaker. „Passiert es wieder, müssen wir unsere Beziehungen wohl neu bewerten.“
Die Überprüfung befasst sich damit, wo US-Truppen stationiert sind und welchen Zugang Washington zu Lufträumen und militärischer Infrastruktur der Verbündeten hat. „Es ist eine Analyse unserer Truppenpräsenz und Stützpunktstruktur“, erläuterte Whitaker.
Whitaker betonte, der Prozess folge dem Kurs der Trump-Regierung „America First“. „America First bedeutet, dass wir alles aus der Perspektive der Interessen der Vereinigten Staaten, ihrer Bürgerinnen und Bürger und ihrer Steuerzahler betrachten“, sagte er.
Medienberichte, nach denen bis zu 40.000 Soldaten aus NATO-Gebieten abgezogen werden könnten, wies Whitaker zurück. „Der Plan ist beim Planungsstab des Kriegsministers noch nicht einmal endgültig ausgearbeitet. Jede angebliche Indiskretion dazu stammt von Leuten, die nur Verwirrung stiften wollen.“
Iran-Einsatz: Streit unter NATO-Partnern
US-Kriegsminister Pete Hegseth hatte die Überprüfung der Truppenpräsenz im Juni bei einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister im Brüsseler Hauptquartier angekündigt. Zuvor hatten mehrere europäische Regierungen den USA für iranbezogene Einsätze den Zugang zu ihrem Luftraum und ihren Militärbasen eingeschränkt oder ganz verweigert.
Hegseth griff die Staaten an, die sich nicht an der Operation beteiligen wollten. Ihr Verhalten sei „beschämend“ und habe US-Soldaten gefährdet, sagte er.
Spanien, Italien, Frankreich und das Vereinigte Königreich hatten zunächst Vorbehalte, Zugang zu gewähren. Sie fürchteten, ohne vorherige Konsultation in eine Operation hineingezogen zu werden.
US-Präsident Donald Trump zeigte sich über diese Entscheidungen verärgert und drohte, die amerikanische Sicherheitsunterstützung für Länder zu überdenken, die Washingtons Linie nicht mittragen.
Spanien vertrat die härteste Position und verweigerte den USA für iranbezogene Einsätze den Zugang sowohl zu seinem Luftraum als auch zu Militärbasen.
Italien legte Einschränkungen fest. Frankreich erlaubte zwar Durchflug und operative Unterstützung, untersagte aber die Betankung von Kampfjets auf seinen Stützpunkten.
Das Vereinigte Königreich gestattete der US-Armee zunächst die Nutzung von Stützpunkten der Royal Air Force nur zu „defensiven Zwecken“. Später weitete London den Zugang aus, um Angriffe auf iranische Ziele zu unterstützen.
NATO prüft Umgang mit Iran-Konflikt
Im Sommer kursierte ein durchgesickertes Fragepapier unter den NATO-Mitgliedern. Die Regierungen sollten schildern, wie sie auf den US-israelischen Konflikt mit Iran reagiert hatten und ob sie in der Anfangsphase den Zugang zu ihrem Luftraum und ihren Militärbasen erlaubt hatten.
Das Papier fragte zudem nach der Haltung der Staaten zu einer von den USA befürworteten Neuausrichtung der NATO-Verteidigung, „NATO 3.0“ genannt. Sie sieht vor, dass europäische Verbündete die Hauptverantwortung für die konventionelle Verteidigung Europas übernehmen.