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Russischer Impfstoff verunreinigt: Mindestens 10 tote Hunde

Menschen gehen in Moskau mit einem Hund spazieren.
Menschen gehen in Moskau mit einem Hund spazieren. Copyright  AP Photo/Pavel Bednyakov
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Von Irina Sheludkova
Zuerst veröffentlicht am
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Seit August gab es immer wieder Todesfälle bei Hunden in Russland. Jetzt steht ein Bestseller-Impfstoff für die Tiere im Verdacht, mit lebenden Viren verunreinigt gewesen zu sein. Dieser könnte auch für die Todesfälle verantwortlich sein.

Russland muss eine Charge einer seiner meistgenutzten Hundeimpfungen vernichten, nachdem Labore in einigen Proben einen lebenden Virus gefunden haben. Die Behörden sehen einen Zusammenhang mit Todesfällen bei Haustieren im ganzen Land seit August.

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Die Veterinär- und Landwirtschaftsaufsicht Rosselkhoznadzor teilte mit, dass die Charge 20 des Impfstoffs Multican-8, hergestellt vom Moskauer Unternehmen Vetbiokhim, einen lebenden Aujeszky-Virus enthält. Die Erkrankung verläuft bei Hunden meist tödlich, eine gezielte Behandlung gibt es nicht.

Die Aufsicht ordnete an, die Posten der Charge 20 aus dem Verkehr zu ziehen und zu zerstören. Nach Angaben des unabhängigen Portals Meduza umfasst die Charge 60.000 Impfdosen.

Mindestens 10 Todesfälle

Hundebesitzer in Moskau, St. Petersburg und mindestens acht Regionen, darunter Krasnodar, Jaroslawl, Leningrad, Tula, Penza, Saratow und Belgorod, berichten von schweren Nebenwirkungen und Todesfällen nach einer Impfung mit Multican-8.

Die Staatsduma in Moskau gab laut dem Portal Baza an, rund 300 Beschwerden über an den Impfstoff gebundene Todesfälle von Haustieren erhalten zu haben.

Vetbiokhim hatte zunächst von möglicher gezielter Sabotage durch Dritte gesprochen. Die späteren Behördenbefunde eines lebenden Erregers und gravierender Verstöße in der Produktion stützen diese Darstellung jedoch nicht.

Vier weitere Chargen der Multican-Reihe waren bereits vor der neuen Verfügung vom Mittwoch ausgesetzt worden.

Rosselkhoznadzor und die Staatsanwaltschaft leiteten im August Kontrollen ein. Vetbiokhim kündigte parallel eine interne Untersuchung an.

Anfang September erklärte Rosselkhoznadzor, vorläufige Ergebnisse deuteten auf schwerwiegende Verstöße bei der Herstellung hin, und warnte, dem Unternehmen drohe der Entzug der Lizenz.

Unternehmen bietet Entschädigung gegen Vereinbarung an

Vetbiokhim schloss nach Meduza-Recherchen Entschädigungsvereinbarungen mit Besitzern von Hunden, die nach der Impfung starben. Pro Fall bot das Unternehmen demnach zwischen 200.000 und 300.000 Rubel an; Grundlage waren Beiträge in privaten Chatgruppen betroffener Halter.

Die Vereinbarungen verpflichteten die Empfänger, auf weitere Ansprüche zu verzichten und Vertraulichkeitsklauseln zu unterzeichnen. Damit durften sie den Fall ohne Zustimmung des Unternehmens weder mit Medien noch in sozialen Netzwerken oder Messenger-Diensten besprechen.

Vetbiokhim erklärte dem Wirtschaftsmagazin RBC, die Vertraulichkeitsregel sei "standardmäßige juristische Praxis".

Multican-8 war von Januar bis Juli dieses Jahres das meistverkaufte Produkt im Segment der Heimtierimpfstoffe in Russland und kam nach Daten von RNC Pharma, auf die sich die Zeitung Kommersant beruft, auf rund 20 Prozent Marktanteil.

Produkte von Vetbiokhim decken den Angaben zufolge etwa 70 Prozent des russischen Marktes für Hunde- und Katzenimpfstoffe ab, verteilt auf insgesamt 15 Präparate.

Die Marktmacht des Unternehmens nahm deutlich zu, nachdem Russland seinen Krieg gegen die Ukraine ausgeweitet hatte und Anfang 2022 Sanktionen in Kraft traten. Der Anteil importierter Tierarzneien sank dadurch von 50 Prozent auf nur noch 10 bis 15 Prozent.

Nach Informationen des unabhängigen Mediums Govorit NeMoskva melden auch Besitzer von Katzen, die mit dem Vetbiokhim-Impfstoff Multifel geimpft wurden, Todesfälle.

Multican-8 wird zudem außerhalb Russlands vertrieben, unter anderem in Belarus, Armenien und Kasachstan. Bisher gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass verdächtige Chargen ins Ausland exportiert wurden.

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