Forschende haben nachgewiesen, dass Katzen mehr verstehen als gedacht. Und was keinen Hundebesitzer überrascht: der typische Hundeblick wird meistens gezielt eingesetzt.
Katzen gelten häufig als eher distanziert – ein Irrtum. Eine Studie kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Hauskatzen können Wörter mit Bildern verbinden – und das schneller als Kleinkinder. Wurde ein falsches Wort abgespielt, reagierten die Tiere verwirrt. Demnach verstehen Katzen menschliche Sprache deutlich besser als bisher angenommen.
Bild-Wort-Assoziationen bei Katzen: schneller als bei Babys
Die Forschung belegt, dass sie auch Stimme und Emotionen ihrer Halter genau wahrnehmen. Katzen reagieren ähnlich wie Hunde auf menschliche Kommunikation, sagt Dr. Juliane Kaminski von der University of Portsmouth.
Katzen verstehen Grammatik oder Bedeutungen nicht wie Menschen – sie wissen also nicht, was Wörter wie "Leckerli" als abstrakte Konzepte bedeuten. Stattdessen stellen sie Assoziationen her: Ein Geräusch führt zu einem Ergebnis (Futter, Aufmerksamkeit, Spiel).
Katzen sind in der Lage, ihren eigenen Namen von anderen Wörtern zu unterscheiden – selbst wenn ihn fremde Personen aussprechen. Das zeigt, dass sie nicht bloß zufällige Laute wahrnehmen, sondern sprachähnliche Einheiten gezielt erkennen und auseinanderhalten können.
Katzen wissen, wer zu ihnen spricht
Katzen veränderten ihr Verhalten (mehr Aufmerksamkeit, Reaktionen), wenn ihr Besitzer in einem katzen-gerichteten Tonfall spricht, aber nicht, wenn ein Fremder den Ton verändert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Katzen Tonfall und Kontext (nämlich: ob sie angesprochen werden) wahrnehmen.
Hunde lesen Stimmung am Gesicht ab
Eine Untersuchung mit Eye-Tracking zeigte, dass Hunde beim Betrachten von Gesichtern systematisch bestimmte Bereiche (z. B. den Augenbereich) anschauen und so emotionale Signale aus dem Gesicht auswerten.
Oxytocin, das "Bindungshormon“, das bei positiven emotionalen Erfahrungen ausgeschüttet wird, trägt offenbar zur sozialen Kompetenz von Hunden gegenüber Menschen bei und beeinflusst, wie sie menschliche Gesichtsemotionen verarbeiten.
Hunde reagieren nicht nur auf unsere Mimik – sie nutzen auch bewusst eigene Gesichtsausdrücke. Studien belegen, dass sie ihre Mimik verstärken, wenn sie von Menschen angesehen werden.
Laut Kaminski zeigen Hunde Gesichtsausdrücke, "die wir Menschen attraktiv finden" und die vermutlich "unbewusst in die Hunde hineingezüchtet wurden".
Ein typisches Beispiel ist der bekannte Hundeblick: das Hochziehen der Augenbrauen. Diese "Mimik" kann beim Menschen einen Beschützerinstinkt auslösen.
Bei vielen Hunden: Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach
Nur wenige Hunde können lernen, dass Objekte Namen haben – und das liegt an Neugier, Fokus und kontrolliertem Verhalten. "Nicht jeder Hund kann so viele Objekte unterscheiden – diese Fähigkeit ist extrem selten und scheint angeboren zu sein".
Die Hunde, die diese Fähigkeit haben, zeigen nicht nur Neugier gegenüber neuen Objekten, sondern können sich auch stark auf einzelne Gegenstände fokussieren und zugleich spontane Vorlieben zurückstellen.
"Mich überrascht nicht, dass diese Unterdrückung spontaner Präferenzen eine Rolle spielt", sagt Dr. Juliane Bräuer, eine Geoanthropologin, die den Bereich "HundeStudien" am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena leitet. "Die meisten Hunde können Lieblingsobjekte kaum ignorieren – das erschwert ihnen das Lernen."
In einer neurologischen Untersuchung mit fMRI‑Scans wurde gezeigt, dass Hunde in verschiedenen Hirnregionen auf Wortbedeutung (links) und auf Stimmton/Emotion (rechts) reagieren. Die linke Hirnhälfte wird stärker aktiviert, wenn das Gehirn auf bekannte Wörter reagiert, die rechte Seite reagiert auf Intonation und emotionalen Tonfall.
Hunde können demnach sehr wohl bestimmte gesprochene Wörter mit Kontext verknüpfen. Ob Ihr Hund es jedoch versteht, wenn Sie sagen "Setz dich hin, die Ampel ist rot", bleibt fraglich.