An den Börsen verlaufen die Kurse am Donnerstagmorgen uneinheitlich. Anleger reagieren aktuell auf starke Schwankungen bei Ölpreisen und US-Anleihen.
Die wichtigsten europäischen Aktienindizes haben am Donnerstagmorgen überwiegend mit roten Vorzeichen eröffnet. Der deutsche Leitindex DAX gab 0,49 Prozent nach und lag bei 25.287,42 Punkten, der französische CAC 40 fiel um 0,37 Prozent auf 8.093,68 Punkte. Der Euro Stoxx 50 lag zum Zeitpunkt der Berichtserstellung 0,41 Prozent tiefer bei 6.273,71 Zählern. Anleger beobachten vor allem die Ölpreise und den US-Anleihemarkt.
Vor Öffnung der europäischen Börsen legte Japans Leitindex Nikkei 225 im Vormittagshandel um 1,3 Prozent auf 65.883,41 Punkte zu, weil einige Chipkonzerne von der neuen Begeisterung für Künstliche Intelligenz profitierten. In Australien verlor der S&P/ASX 200 dagegen 0,7 Prozent auf 8.700,50 Punkte.
In Hongkong gab der Hang-Seng-Index 0,5 Prozent auf 24.715,95 Punkte ab, der Shanghai Composite sank um 0,8 Prozent auf 3.902,33 Zähler. In Südkorea ruhte der Handel wegen des Chuseok-Erntefestes.
Am Energiemarkt fiel US-Referenzöl der Sorte WTI um 0,82 Prozent auf 91,40 Dollar je Barrel. Brent-Öl, der internationale Referenzwert, verbilligte sich um 0,83 Prozent auf 102,22 Dollar je Barrel.
Ein Fass Brent kostet damit deutlich mehr als die rund 72 Dollar vor Beginn des Kriegs mit Iran. Viele Marktteilnehmer befürchten, dass der Konflikt Öl auf lange Zeit im Nahen Osten festhalten könnte. Gespräche zwischen US- und iranischen Vertretern sowie Vermittlern laufen zwar weiter, doch bislang gibt es keine greifbaren Ergebnisse.
US-Anleihemarkt setzt Wall Street unter Druck
Über Nacht geriet die Wall Street unter Druck, weil ein überraschend starker Konjunkturbericht die Renditen am US-Anleihemarkt steigen ließ und neue Inflationssorgen auslöste.
Der S&P 500 büßte 0,8 Prozent ein. Am Vortag hatte er den Handel nur 0,4 Prozent unter seinem Rekordhoch von vergangenem Monat beendet. Der Dow Jones Industrial Average verlor 352 Punkte beziehungsweise 0,7 Prozent, während der Nasdaq Composite 1,1 Prozent von seinem eigenen Allzeithoch abgab.
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe sprang von 4,96 auf 5,10 Prozent. Das ist ein deutlicher Ausschlag für den Anleihemarkt. Höhere Renditen machen Aktien und andere Anlagen weniger attraktiv und bremsen die Konjunktur, weil Kredite für Unternehmen und Verbraucher teurer werden.
Der Sprung am Mittwoch trieb die Rendite der Zehnjährigen zeitweise bis nahe 5,14 Prozent und damit auf das Niveau von 2007, kurz vor dem Einbruch infolge der globalen Finanzkrise. Zuletzt sind die Renditen vor allem wegen Sorgen über hohe Inflation, die hohe Verschuldung der US-Regierung und weitere Risiken deutlich gestiegen.
Die Inflationssorgen nahmen weiter zu, nachdem ein vorläufiger Bericht nahelegte, dass die Geschäftsaktivität in den USA so stark gewachsen ist wie seit mehr als fünf Jahren nicht.
Die Teuerung in den USA hält sich hartnäckig. Die US-Notenbank Federal Reserve erhöhte deshalb in der vergangenen Woche erstmals seit drei Jahren ihren kurzfristigen Leitzins. Fed-Gouverneur Michael Barr sagte in einer Rede, weitere Anhebungen „dürften nötig sein“, um die Inflation wieder in Richtung des Fed-Ziels von zwei Prozent zu bringen.
Die Bank von Japan hat ihren Leitzins kürzlich angehoben, um den Kursverfall des Yen zu stoppen. Der Schritt galt an den Märkten aber seit Wochen als eingepreist, daher hat sich die Währung bislang kaum erholt. Ein schwacher Yen belastet das ölimportierende Japan zusätzlich, wenn die Ölpreise stark steigen.
Am Devisenmarkt fiel der US-Dollar leicht auf 157,94 japanische Yen nach zuvor 158,30 Yen. Der Euro kostete 1,1382 Dollar und lag damit nahezu unverändert zum Stand von 1,1388 Dollar.
In Summe gab der S&P 500 um 58,61 Punkte auf 7.706,03 nach. Der Dow verlor 352,10 Punkte auf 51.511,59, der Nasdaq Composite rutschte um 308,24 Punkte auf 26.936,04 ab.