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Europäische Energiekrise: Diese zehn Ölwerte steigen 2026 um bis zu 87 %

Zapfsäule an einer Tankstelle in Turin, Italien, am Freitag, 24. Juli 2026.
Eine Zapfsäule ist an einer Tankstelle in Turin, Italien, am Freitag, dem 24. Juli 2026, zu sehen. Copyright  LaPresse
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Von Piero Cingari
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Rekordpreise für Diesel und hohe Raffineriemargen treiben Europas Ölkonzerne um 40 bis 87 Prozent nach oben. Das sind die zehn Top-Aktien.

Europas Autofahrerinnen und Autofahrer zahlen Rekordpreise an der Zapfsäule. Gleichzeitig erleben Anleger der Konzerne, die diese Kraftstoffe fördern und raffinieren, ein außergewöhnlich starkes Jahr.

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Die erneute Kraftstoffkrise in Europa hat die Aktien der Öl- und Gaskonzerne kräftig nach oben getrieben. Seit Januar liegen die Kurse zwischen 40 % und fast 90 % im Plus.

Die größten Gewinne hängen nicht nur am Rohöl. Die entscheidende Geschichte spielt sich in den Raffinerien ab.

Engpässe bei Diesel, Benzin und Kerosin haben die Spanne zwischen dem Preis für Rohöl und dem Preis der daraus hergestellten Produkte, den sogenannten Crack-Spread, auf Rekordwerte getrieben.

Für Verbraucher ist das eine Versorgungskrise. Für Teile der europäischen Energiewirtschaft bedeutet es eine Gewinnlawine.

Warum Raffinerien plötzlich so hohe Gewinne einfahren

Die Dieselpreise in Europa sind deutlich schneller gestiegen als der Rohölpreis. Grund ist ein doppelter Bruch in der weltweiten Versorgung mit Raffinerieprodukten.

Der Konflikt um den Iran und die Straße von Hormus hat die Ausfuhren von Diesel und Kerosin aus Raffinerien am Golf einbrechen lassen.

Russland hat zudem im Sommer die Diesel-Exporte gestoppt, nachdem ukrainische Drohnen seine Raffinerien angegriffen hatten. Das verknappt den Weltmarkt, auf den Europa angewiesen ist.

Der europäische Diesel-Crack-Spread hat sich seit November 2025 fast verdoppelt. Damals lag er bei rund 46 US-Dollar (40 Euro) je Barrel, so die Preisagentur OPIS.

Die Europäische Zentralbank hat die Entwicklung genau im Blick.

Nach der Zinserhöhung der EZB am 10. September sagte Präsidentin Christine Lagarde, vor einem halben Jahr hätten nur wenige Menschen gewusst, was Raffineriemargen sind, jetzt „wissen wir alle, worum es geht“.

Mit Blick auf Diesel sprach sie von „einem weiteren Engpass“.

Nach EZB-Angaben stieg die Energieinflation im August auf 14,3 % nach 10,3 % im Juli – auch wegen höherer Margen bei flüssigen Brenn- und Kraftstoffen.

Fachleute der EZB schätzen, dass allein die Diesel-Marge inzwischen rund 41 Cent je Liter ausmacht. Das ist fast ein Fünftel des Preises an der Zapfsäule.

Vor diesem Hintergrund zählen europäische Energieaktien in diesem Jahr zu den stärksten Werten an den Börsen.

Die zehn erfolgreichsten Ölaktien Europas im Jahr 2026

Euronews hat europäische Öl- und Gaskonzerne mit einer Börsenbewertung ab 10 Milliarden Euro ausgewertet.

Hier sind die zehn größten Kursgewinner des Jahres 2026 auf Basis der Daten bis zum 23. September.

10. TotalEnergies: +40,58 %

TotalEnergies hat seit Jahresbeginn 40,6 % gewonnen und liegt damit auf Rang zehn.

Der französische Energiekonzern erzielte im zweiten Quartal einen bereinigten Nettogewinn von 6 Milliarden US-Dollar (5,3 Milliarden Euro), nach 3,6 Milliarden ein Jahr zuvor. Der operative Cashflow erreichte 9,8 Milliarden US-Dollar (8,6 Milliarden Euro). Die Zwischendividende erhöhte das Unternehmen um 5,9 % auf 0,90 Euro je Aktie.

Die europäische Raffineriemarge von TotalEnergies stieg von 4,7 auf 13,5 US-Dollar je Barrel.

Die Zahlen für das dritte Quartal legt TotalEnergies am 29. Oktober vor. Analysten erwarten einen Umsatz von 54,2 Milliarden US-Dollar (47,5 Milliarden Euro), ein Plus von 24 % zum Vorjahr, und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 3,14 US-Dollar, ein Anstieg um 77 %.

9. Eni S.p.A: +44,9 %

Eni liegt seit Januar 44,9 % im Plus und belegt damit Platz neun.

Der italienische Energiekonzern hat seinen bereinigten Nettogewinn auf 2,33 Milliarden Euro mehr als verdoppelt und sein Aktienrückkaufprogramm auf 3,4 Milliarden Euro aufgestockt. Die Raffineriemengen außerhalb Italiens gingen nach der Schließung von Hormus um 35 % zurück.

Die Quartalszahlen kommen am 23. Oktober. Analysten rechnen mit einem Umsatz von 27,6 Milliarden Euro, 37 % mehr als ein Jahr zuvor, und einem Ergebnis je Aktie von 0,79 Euro, ein Plus von 92 %.

8. OMV: +48,67 %

Die OMV-Aktie hat in diesem Jahr 48,7 % gewonnen. Damit belegt der österreichische Konzern Rang acht.

Im zweiten Quartal meldete OMV ein „Clean Operating Result“ von 1,71 Milliarden Euro. Dieser Wert bereinigt Lagergewinne und Sondereffekte und profitierte stark vom höheren Beitrag der Öl- und Gasförderung.

Die europäischen Raffinerien der Gruppe liefen mit 90 % Auslastung, nach 83 % im Vorjahr. Vorübergehende Eingriffe des Gesetzgebers, vor allem in Rumänien und Österreich, bremsten den Gewinnzuwachs.

OMV berichtet am 29. Oktober. Analysten erwarten 7,7 Milliarden Euro Umsatz, ein Plus von 23 %, und ein Ergebnis je Aktie von 2,77 Euro, ein Anstieg um 49 %.

7. Galp: +49,28 %

Die Aktie von Galp hat sich 2026 um 49,3 % verteuert und schafft es damit auf Platz sieben.

Der portugiesische Konzern steigerte den bereinigten Nettogewinn um 45 % auf 540 Millionen Euro. Die Raffineriemarge hat sich fast verdreifacht und liegt bei 16,8 US-Dollar je Barrel. Die Produktion stieg um 12 %, unterstützt durch das Feld Bacalhau in Brasilien.

Die Ergebnisse werden am 26. Oktober erwartet. Analysten rechnen mit einem Umsatz von 6,7 Milliarden Euro, 31 % mehr als im Vorjahr, und einem Ergebnis je Aktie von 0,69 Euro, ein Plus von 92 %.

6. Romgaz: +53,55 %

Romgaz liegt mit einem Kursplus von 53,6 % auf Rang sechs – trotz deutlich komplizierterer Gewinnentwicklung. Der rumänische Staatskonzern verkauft Erdgas zu regulierten Preisen und betreibt keine Raffinerien.

Im ersten Halbjahr fiel der Umsatz um 8,6 % auf 3,88 Milliarden RON (735 Millionen Euro), während der Nettogewinn um 3,4 % auf 1,74 Milliarden RON (330 Millionen Euro) stieg. In den vergangenen vier Wochen verlor die Aktie allerdings fast 23 %.

Romgaz legt seine Zahlen am 13. November vor.

5. Orlen: +55,59 %

Orlen hat im Jahresverlauf 55,6 % zugelegt und liegt damit auf Platz fünf.

Der staatlich kontrollierte polnische Raffineriekonzern erzielte im zweiten Quartal einen Umsatz von 76,5 Milliarden PLN (17,5 Milliarden Euro) und einen Nettogewinn von 7,68 Milliarden PLN (1,75 Milliarden Euro). Das ist mehr als das Fünffache des Vorjahreswerts. Rekordgewinne an den Auslands-Tankstellen haben dazu beigetragen.

Orlen hat den Termin für die Veröffentlichung der Ergebnisse auf den 5. November vorgezogen. Analysten erwarten 63,4 Milliarden PLN (14,5 Milliarden Euro Umsatz), ein Plus von vier Prozent, und ein Ergebnis je Aktie von 5,52 PLN (1,26 Euro), fast dreimal so viel wie im Vorjahr.

4. Vår Energi: +56,18 %

Vår Energi kommt mit einem Plus von 56,2 % im Jahr 2026 auf Rang vier.

Anders als bei den Raffinerie-Schwergewichten beruht die Rallye des norwegischen Konzerns direkt auf der Öl- und Gasförderung.

Die Produktion im zweiten Quartal stieg im Jahresvergleich um 31 % auf 376.000 Barrel Öläquivalent pro Tag. Nach Steuern erwirtschaftete das Unternehmen einen operativen Cashflow von 2,1 Milliarden US-Dollar (1,84 Milliarden Euro) und senkte seine Nettoschulden auf 3,4 Milliarden US-Dollar (2,98 Milliarden Euro).

Im Juli vereinbarte Vår Energi eine Fusion mit BlueNord. Die beiden Firmen schaffen damit nach eigenen Angaben Europas größten unabhängigen Öl- und Gasproduzenten.

Die neuesten Zahlen kommen am 21. Oktober. Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 30,6 Milliarden NOK (2,83 Milliarden Euro), 43 % mehr als ein Jahr zuvor, und einem Ergebnis je Aktie von 1,48 NOK (0,14 Euro), fast dreimal so hoch wie damals.

3. Equinor: +67,89 %

Equinor hat 2026 bislang 67,9 % gewonnen und liegt damit als größter norwegischer Konzern auf Platz drei.

Das staatlich gestützte Unternehmen meldete im zweiten Quartal ein bereinigtes operatives Ergebnis von 11,48 Milliarden US-Dollar (10,07 Milliarden Euro). Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 1,33 US-Dollar (1,17 Euro), die Produktion stieg um drei Prozent.

Equinor profitiert davon, dass Europa seine Energiesicherheit wieder stärker in den Fokus rückt. Norwegen bleibt wichtigster Lieferant von Pipeline-Gas und eine zentrale Rohölquelle für den Kontinent.

Der Konzern berichtet am 28. Oktober. Analysten erwarten 33,2 Milliarden US-Dollar (29,1 Milliarden Euro Umsatz), ein Plus von 27 %, und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 1,36 US-Dollar – fast das Vierfache der 0,37 US-Dollar aus dem Vorjahr.

Für das Gesamtjahr rechnen Analysten mit einem Umsatzplus von fast 20 %. Für 2027 erwarten sie dann einen Rückgang um etwa neun Prozent.

2. Neste: +76,35 %

Neste ist in diesem Jahr um 76,4 % gestiegen und liegt damit knapp hinter Repsol.

Der finnische Konzern zeigt besonders deutlich, welche Rolle die Raffineriemargen spielen.

Das vergleichbare EBITDA, ein Maß für das operative Ergebnis vor Abschreibungen und Sondereffekten, kletterte im zweiten Quartal auf den Rekordwert von 1,20 Milliarden Euro, nach 341 Millionen Euro im Vorjahr.

Das Segment Ölprodukte mehr als verdoppelte seinen Beitrag auf 334 Millionen Euro. Neste führt das vor allem auf außergewöhnlich hohe Margen bei Diesel und Kerosin zurück.

Der Gewinn je Aktie sprang von einem Verlust von fünf Cent ein Jahr zuvor auf 1,00 Euro.

Neste produziert zudem erneuerbaren Diesel und nachhaltigen Flugkraftstoff. Damit zählt der Konzern zu den klaren Gewinnern sowohl der Knappheit bei herkömmlichen Kraftstoffen als auch der wachsenden Nachfrage nach Alternativen.

Die Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht Neste am 29. Oktober. Analysten erwarten 5,1 Milliarden Euro Umsatz, ein Plus von zwölf Prozent, und ein Ergebnis je Aktie von 0,81 Euro – fast das Sechsfache des Vorjahreswerts.

1. Repsol: +87,19 %

Repsol hat seinen Aktienkurs in diesem Jahr um 87,2 % gesteigert und ist damit Spitzenreiter unter den großen europäischen Energiewerten.

Der bereinigte Nettogewinn lag im ersten Halbjahr bei 2,71 Milliarden Euro. Allein die Industriesparte, in der auch die Raffinerien gebündelt sind, steuerte 1,68 Milliarden Euro bei, nach lediglich 235 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Repsol legt seine Ergebnisse am 29. Oktober vor. Analysten erwarten ein Ergebnis je Aktie von 2,06 Euro, rund dreimal so viel wie die 0,68 Euro im Vorjahr.

Der Umsatz dürfte 2026 um mehr als 31 % steigen. Für das kommende Jahr sagen Analysten jedoch einen Rückgang von fast 17 % voraus – den deutlichsten Einbruch unter den zehn betrachteten Unternehmen.

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