Loader
Finden Sie uns
Werbung

Anthropic-Börsenprospekt warnt: KI könnte existenzielle Gefahr für die Menschheit sein

ARCHIV: Seiten der Anthropic-Website und Firmenlogos auf einem Computerbildschirm in New York, 26. Februar 2026
Archiv: Seiten der Anthropic-Website und Firmenlogos auf einem Computerbildschirm in New York, aufgenommen am 26. Februar 2026. -  Copyright  AP Photo/Patrick Sison
Copyright AP Photo/Patrick Sison
Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Anthropic widmet fast ein Drittel seines Börsenprospekts Risiken und warnt, die KI berge „existenzielle Risiken für die Menschheit“; zugleich meldet das Unternehmen 42 Milliarden Dollar Verlust und starke Abhängigkeit von zwei Kunden.

Anthropic warnt potenzielle Aktionäre, dass die eigene Technologie die Menschheit selbst bedrohen könnte.

WERBUNG
WERBUNG

Die Warnung steht in einem lange erwarteten Börsenprospekt. Das Dokument für den geplanten Börsengang wurde einem kleinen Kreis von Partnern vorgelegt, berichten mit dem Vorgang vertraute Personen, auf die sich die „Financial Times“ beruft.

Das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude widmet fast ein Drittel seines umfangreichen S-1-Berichts, den US-Konzerne vor einer Börsennotierung bei der Börsenaufsicht SEC einreichen müssen, den Risikofaktoren.

Dazu gehört die Möglichkeit, dass immer leistungsfähigere KI-Modelle Menschen manipulieren, erpressen oder sich auf andere Weise unberechenbar verhalten. Anthropic verweist auf eigene Forschung, in der autonome Modelle unter kontrollierten Bedingungen Programmcode sabotierten, Betrug unterstützten und Informationen manipulierten.

Solche Warnungen erschweren es Investoren, den Konzern zu bewerten. Der Börsengang, der im Herbst an der Nasdaq erwartet wird, dürfte der höchstbewertete IPO aller Zeiten werden.

Anthropic hat die Berichte bislang nicht öffentlich kommentiert.

Zwei Kunden, ein Viertel des Umsatzes

Das Dokument benennt auch finanzielle Risiken.

So entfiel im vergangenen Jahr fast ein Viertel des Umsatzes von Anthropic auf zwei Kunden. Viele der größten Auftraggeber sind zudem nicht langfristig gebunden.

Der Umsatz stieg 2025 auf das Zwölffache und erreichte fast 4,6 Milliarden Dollar (4 Milliarden Euro). Die Betriebsausgaben kletterten jedoch auf 12,65 Milliarden Dollar (11,1 Milliarden Euro), mehr als die Hälfte davon für Rechenleistung und Infrastruktur. Unter dem Strich blieb ein operativer Verlust von über 8 Milliarden Dollar (7 Milliarden Euro).

Der Nettoverlust lag bei rund 42 Milliarden Dollar (36,9 Milliarden Euro). Darin enthalten ist ein buchhalterischer Aufwand von etwa 34 Milliarden Dollar (29,8 Milliarden Euro), der mit Finanzierungen zusammenhängt, die später in Aktien umgewandelt werden könnten – und nicht mit laufenden Ausgaben im Geschäftsbetrieb.

Anthropic plant, in den kommenden Jahren insgesamt 518 Milliarden Dollar (455,3 Milliarden Euro) für Cloud-Dienste, Rechenkapazität und Infrastruktur auszugeben. Ende 2025 verfügte das Unternehmen über 20,28 Milliarden Dollar (17,8 Milliarden Euro) an Barmitteln und kurzfristigen Anlagen.

Im zweiten Quartal 2026 erzielte Anthropic einen Umsatz von 11,5 Milliarden Dollar (10,1 Milliarden Euro) und steuert damit auf das zweite Quartal in Folge mit operativem Gewinn zu – wenn auch auf bereinigter Basis.

Die Geldgeber rechnen mit einer Bewertung von über 2 Billionen Dollar (1,73 Billionen Euro) beim Börsengang. Damit würde der Wert mehr als doppelt so hoch liegen wie die 965 Milliarden Dollar (848 Milliarden Euro), die Anthropic in seiner Finanzierungsrunde im Mai zugeschrieben wurden.

Wie Euronews bereits Anfang des Monats berichtete, deuteten Pre-IPO-Kontrakte auf der Kryptoplattform Hyperliquid zeitweise sogar auf eine Bewertung von rund 2,36 Billionen Dollar (2,05 Billionen Euro) hin.

Sicherheitsbedenken erreichen das Weiße Haus

Der Prospekt erscheint mitten in einer hitzigen Debatte über die Risiken von KI.

Aktuelle und ehemalige Anthropic-Mitarbeiter warnen, eine außer Kontrolle geratene KI könne die Menschheit innerhalb eines Jahrzehnts auslöschen. Konzernchef Dario Amodei sagte vergangene Woche vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, KI sei „die derzeit wichtigste globale Sicherheitsfrage der Welt“.

Amodei gehört zudem zu den Initiatoren des Appells, die Entwicklung an der KI-Grenze zu „bremsen“. Unterstützt wird er dabei von OpenAI-Chef Sam Altman und Elon Musk. Zugleich brachte Anthropic vergangene Woche sein Modell Opus 5.5 auf den Markt, um dem Schwung von OpenAI seit der Einführung von GPT-6 Astra etwas entgegenzusetzen.

OpenAI gab vergangene Woche bekannt, dass seine Werkzeuge Dutzende externe Websites angegriffen hatten, darunter auch Regierungsseiten. Am Montag strich das Unternehmen die geplante Veröffentlichung seines neuesten Modells im kommenden Monat und verwies auf Sicherheitsbedenken.

ARCHIV. Anthropic-CEO Dario Amodei spricht per Video bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu KI, 23. September 2026
ARCHIV. Anthropic-CEO Dario Amodei spricht per Video bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu KI, 23. September 2026 AP Photo/Yuki Iwamura

US-Präsident Donald Trump wies Amodeis Forderung nach einer Verlangsamung zurück. Er sagte: „Ich bin dafür, dass wir loslegen und gewinnen.“ Offen sprach er vom KI-Wettrennen als einem Wettbewerb zwischen den USA und China, den Amerika derzeit anführt und sich nach seiner Auffassung nicht leisten kann zu verlieren.

Zu dem Staatsdinner im Weißen Haus am Donnerstag mit Chinas Präsident Xi Jinping war Amodei nicht eingeladen. Unter den Gästen saßen dagegen unter anderem Elon Musk, Sam Altman, Nvidia-Chef Jensen Huang und Apple-Chef Tim Cook.

Am Sonntag lud Trump Amodei dann zu einem privaten Abendessen ein – ihrem ersten direkten Gespräch unter vier Augen. Das Weiße Haus veröffentlichte dazu keinerlei Details.

Die Beziehungen sind seit Februar gespannt. Damals verweigerte Anthropic die Nutzung seiner Modelle für vollständig autonome Waffen oder eine breit angelegte Überwachung der US-Bevölkerung. Das Pentagon stufte den Konzern daraufhin als Risiko für die Lieferkette ein. Ein Bundesberufungsgericht bestätigte diese Einstufung vergangene Woche.

Trump und der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, wollen sich am Dienstag mit KI-Managern treffen.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Fünf Millionen Roboter in Fabriken: Doch Humanoiden-Hype gerät ins Stocken

TotalEnergies erhöht Aktienrückkäufe und Dividende bei Ölpreis um 100 Dollar

USA und China: Warenliste über 30 Milliarden Dollar und mögliche Folgen für Europa