In Katalonien sind innerhalb kurzer Zeit über 100 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen und haben Sturzfluten verursacht. Auch die U-Bahn in Barcelona wurde überflutet.
In Katalonien herrscht wegen enormer Regenmengen der Ausnahmezustand und hält große Teile der Region in Atem. Die Gewitter, die nach Angaben des Wetterdienstes Aemet auf etwa 180 Liter Regen pro Quadratmeter in drei bis sechs Stunden geschätzt wurden, haben Bäche, Straßen und Keller vor allem in Vororten von Barcelona überflutet. In Barcelona selbst sind viele Verkehrswege lahmgelegt, darunter mehrere Metrolinien und der Tramverkehr stehen still.
Warnungen bleiben in Kraft
Der katalanische Wetterdienst Meteocat hat die Gefahrenstufe für Starkregen in mehreren Regionen aufrecht erhalten.
Der Katastrophenschutz aktivierte den Plan Inuncat. Schon in der Nacht zum Montag waren die ersten Warnmeldungen verschickt worden. Am Vormittag folgte eine zweite Warnung, für Alt Penedès, Anoia und Baix Llobregat, mit der Aufforderung, nicht ins Freie zu gehen, möglichst nicht Auto zu fahren und vor allem Unterführungen zu meiden.
Der Schwerpunkt der Gewitter verlagerte sich dann weiter nach Girona und in den Nordosten, und Meteocat hält eine Warnung der Stufe fünf von sechs wegen mehr als 40 Litern Regen in einer halben Stunde bis in die Nacht aufrecht.
Alt Penedès und Anoia im Zentrum des Unwetters
Der Notruf 112 verzeichnete allein am Vormittag mehr als 600 Anrufe, vor allem wegen Überschwemmungen in Alt Penedès, Anoia und Baix Llobregat.
Meteocat maß mehr als 40 Liter Regen pro Quadratmeter in nur 30 Minuten in Sant Sadurní d'Anoia, Font-rubí und Sant Martí Sarroca. Mancherorts wurden 100 Liter überschritten, der Fluss Anoia lag über seiner Hochwasser-Schwelle.
In Vilobí del Penedès traten mehrere Bäche über die Ufer. In Collbató setzte eine überflutete Straße Fahrzeuge fest; in Piera stürzte eine Mauer ein, und im Pla del Penedès musste eine Person ihr Auto verlassen, als Wasser eindrang, und musste sich auf das Geländer einer Brücke retten.
In Gavà holten Einsatzkräfte zwei Menschen aus einem Auto, das von den Wassermassen mitgerissen wurde. Auch in Schulen in Torrelles de Foix und Vilanova i la Geltrú drang Wasser ein, und in Seniorenheimen in Martorell, Sant Just Desvern und El Prat de Llobregat mussten Bewohner in sichere Bereiche des Gebäudes gebracht werden.
Die stellvertretende Leiterin des Katastrophenschutzes, Imma Solé, räumte ein, dass sich nicht genau vorhersagen lässt, wo die Gewitter am stärksten niedergehen werden, da sich die Regenzellen unberechenbar über die betroffenen Gebiete bewegen.
Metro, Stadtautobahn und Straßen überflutet
In Barcelona bestätigte das Rathaus die vollständige Sperrung der Stadtautobahn Ronda de Dalt (B-20) in beide Richtungen auf Höhe der Ausfahrt drei, nachdem der Caçador-Tunnel überflutet worden war. Die C-31 nahe dem Flughafen El Prat war während des Wolkenbruchs fast unbefahrbar, und auf der C-58 bei Terrassa stehen abschnittsweise große Wassermengen auf der Fahrbahn.
Im Metronetz war die Linie L5 zwischen Cornellà Centre und Hospital Clínic unterbrochen, L4 fährt nur zwischen La Pau und Verdaguer, und L11 ist zwischen Ciutat Meridiana und Can Cuiàs gesperrt. Der Tramverkehr auf den Linien T1, T2 und T3 ruht, weil die Gleise überflutet sind. Bei Rodalies ist die R8 zwischen Granollers Centre und Cerdanyola Universitat lahmgemegt, die R7 ist zwischen Cerdanyola Universitat und Montcada Bifurcació gesperrt und wird durch Busse ersetzt; acht weitere Linien sind nur mit reduzierter Geschwindigkeit unterwegs.
Die Bahn Renfe hat zudem die Fern- und Hochgeschwindigkeitszüge mehrere Stunden lang eingestellt. Am Flughafen El Prat führte der Flugsicherer Enaire zusätzliche Sicherheitsvorgaben für Starts und Landungen ein, es kam Verspätungen und Flugausfällen.
Bereits am 16. September galt in Barcelona wegen Regenfällen Alarmstufe Rot, die Ronda de Dalt war gesperrt, Flüge fielen aus. Im Herbst trifft ein noch warmes Mittelmeer auf kalte Luft in der Höhe, und die Systeme entladen sich mit enormer Wucht auf engem Raum. Eine Atempause ist nicht in Sicht: Die Aemet erwartet am Donnerstag erneut teils starken Regen im Nordosten der Iberischen Halbinsel und im gesamten Mittelmeerraum.