Die spanische Stadt steht nun als Finalistin für den Earthshot Prize fest und hofft auf Anerkennung für ihre Umweltprojekte.
In diesem Sommer hat Barcelona die höchste Temperatur seit mehr als einem Jahrhundert verzeichnet.
Das ist Teil eines besorgniserregenden Trends. Das Mittelmeer erwärmt sich etwa 20 Prozent schneller als der weltweite Durchschnitt. Die rekordwarmen Wassermassen verstärken Stürme, lassen den Meeresspiegel steigen und fressen sich in die Küsten.
Der Einsturz eines Abschnitts der von einem Sturm getroffenen Promenade an Barcelonas Nordostküste im Jahr 2023 hat gezeigt, wie dringend klimaresistente Infrastruktur ist. Rund 70 Prozent des künstlichen Sandes, der 2010 aufgeschüttet wurde, sind inzwischen wieder verschwunden.
„Städte wie unsere müssen lernen, mit dem Klimawandel zu leben und gleichzeitig die Orte und Gemeinschaften zu schützen, die sie ausmachen“, sagt Jaume Collboni, Bürgermeister von Barcelona.
Das ehrgeizige Küstenresilienzprojekt der spanischen Metropole ist nun für einen renommierten Umweltpreis nominiert.
Earthshot Prize: Barcelona steht im Finale
Barcelona steht in der Kategorie Revive Our Oceans als Finalist für den Earthshot Prize fest. Die Auszeichnung, die Prinz William 2020 ins Leben gerufen hat, würdigt Umweltlösungen, die den Planeten „reparieren“ sollen.
Die Stadt investiert 150 Millionen Euro in die Wiederherstellung eines der meistgenutzten städtischen Küstenabschnitte Europas. Entlang der Uferzone von Sant Martí entstehen 22 Hektar – etwa so groß wie 31 Fußballfelder – klima- und hitzeresiliente öffentliche Räume, die wiederhergestellte Meereslebensräume, natürlichen Küstenschutz und Zugänge zum Wasser verbinden.
Die Planer hoffen, dass das Projekt als Blaupause für Küstenstädte weltweit dient, die mit steigendem Meeresspiegel, heftigeren Stürmen, Überflutungen, Artenverlust und extremer Hitze zu kämpfen haben. Der Earthshot Prize soll dabei helfen, indem er Aufmerksamkeit schafft und den Austausch von Wissen erleichtert.
„Unsere Finalisten geben mir jedes Jahr neue Zuversicht“, sagt Prinz William, Präsident und Gründer des Earthshot Prize. „Sie zeigen uns, dass die Umweltprobleme zwar weiterhin dringend sind, aber außergewöhnliche Menschen überall auf der Welt bereits beweisen, dass Fortschritte möglich sind.“
„Klimafeste Infrastruktur, die allen zugutekommen soll“
Anstatt ihre anfällige Nordostküste immer wieder zu befestigen, verlegt Barcelona bewusst Teile der Uferzone ins Landesinnere. Dazu zählt, dass ein beliebter Fußballplatz am Meer umzieht und die Stadt die Schutzmauern weiter ins Landesinnere verlegt.
Dadurch entstehen breitere Strände, die als natürliche Puffer wirken. Sie nehmen die Energie der Wellen auf und schaffen mehr Raum für Stürme, Erosion und steigende Meeresspiegel. Zugleich bieten sie in immer heftigeren Hitzewellen einen wichtigen Rückzugsort.
Der Passeig Marítim de la Mar Bella soll im Frühjahr 2027 fertig sein. Die Promenade fördert eine nachhaltige Nutzung der Küste und verbessert mit einem 15.000 Quadratmeter großen linearen Park die Luftqualität und die Artenvielfalt.
Besucherinnen und Besucher können auf einem zwölf Meter breiten Fußweg flanieren oder auf Radspuren bis zum Fòrum fahren und unterwegs an Strom erzeugenden Solarpergolen pausieren.
„Küstenstädte stehen nicht mehr vor der Frage, ob sie sich anpassen, sondern wie“, sagt María Buhigas, Chefarchitektin der Stadt Barcelona. „Das ist keine Verteidigungsanlage am Rand der Stadt, sondern ein neues Stück klimaresiliente öffentliche Infrastruktur, die alle nutzen und genießen können.“
Earthshot Prize 2026: Wer sonst im Rennen ist?
Aus fast 7.000 Vorschlägen aus 169 Ländern wurden 15 Finalisten für den Earthshot Prize (Quelle auf Englisch) ausgewählt.
Jeder von ihnen ist einem der fünf „Earthshots“ zugeordnet: „Protect and Restore Nature“, „Clean Our Air“, „Revive Our Oceans“, „Build a Waste-Free World“ und „Fix Our Climate“. Die Gewinner der einzelnen Kategorien erhalten jeweils eine Million Pfund (1,17 Millionen Euro).
Erstmals spielten positive Kipppunkte eine Rolle im Auswahlverfahren. Ausgezeichnet werden Innovationen, bei denen sich Fortschritte gegenseitig verstärken, Kosten mit zunehmender Verbreitung sinken und Erholung aus eigener Dynamik vorankommt.
Zu den weiteren europäischen Finalisten zählen Ørsted (Fix Our Climate) – das dänische Unternehmen für erneuerbare Energien hinter einigen der größten Offshore-Windparks der Welt – und PFAS-Free France (Build a Waste-Free World), eine politische und zivilgesellschaftliche Kampagne, die den französischen Ausstieg aus „Forever Chemicals“ in Alltagsprodukten mit ermöglicht hat und nun bei der Umsetzung hilft.
Über Europa hinaus wird Argentiniens Projekt Satellites on Fire für seine KI-gestützte Plattform zur Erkennung von Waldbränden und Alarmierung gewürdigt. Ebenfalls im Finale stehen die Null-Emissions-Schifffahrtsallianz ZEMBA und Indiens Pionier für elektrische Dreiräder, Mahindra Last Mile Mobility.
Zu den Anwärtern auf den Preis Protect and Restore Nature gehört die Naturschutzinitiative Yellowstone to Yukon. Sie verknüpft eine riesige Berglandschaft in Kanada und den USA neu, damit Wildtiere sich wieder frei bewegen können.
„Zu sehen, dass Lösungen funktionieren, gibt uns allen Vertrauen, zu handeln. Wenn sie Erfolg haben, inspirieren sie andere und beschleunigen den Wandel“, sagt Prinz William.
Die fünf Preisträger des Earthshot Prize 2026 werden am 17. November bei einer Preisverleihung in Mumbai in Indien bekannt gegeben.