Nach dem vermutlichen Drohnenangriff wurden an der Unglücksstelle ein gekentertes Rettungsboot und Schwimmwesten gefunden. Rettungskräfte brachten verletzte Seeleute in ein Krankenhaus in Warna.
Im Schwarzen Meer läuft die Suche nach der Besatzung eines Frachtschiffs weiter. Das Schiff ist gesunken, nachdem Drohnen am frühen Dienstagmorgen vor der bulgarischen Küste zwei Handelsschiffe angegriffen hatten.
Nach Angaben von Ministerpräsident Rumen Radew trafen See- und Luftdrohnen die Schiffe gegen drei Uhr Ortszeit (zwei Uhr MEZ). Der Angriff ereignete sich rund 70 Seemeilen östlich der Stadt Byala in der ausschließlichen Wirtschaftszone Bulgariens.
Gekentertes Rettungsboot entdeckt
Die Besatzung der bulgarischen Fähre Dioscuria, die sich in der Nähe befand, beobachtete eine Explosion auf dem ersten Schiff und lief zur Unglücksstelle aus, bestätigte Radew. Sie fand ein gekentertes Rettungsboot und Rettungswesten, aber niemanden aus der Crew.
Die Behörden teilten bisher nicht mit, wie viele Menschen an Bord der unter der Flagge Togos fahrenden Alfa-Watan waren.
Auf dem zweiten Schiff - der Able unter der Flagge von Palau - brach ein Feuer aus, die gesamte 18-köpfige Besatzung wurde von der Fähre Dioscuria gerettet. Elf Seeleute kommen aus der Türkei, sieben aus Indien, laut der Fernsehansprache Radews.
Zwei von ihnen wurden verletzt, eine Person erlitt Verbrennungen, eine weitere eine Kopfverletzung. Ein Marineschiff nahm sie an Bord und brachte sie nach Warna, wo militärische Ärzteteams bereitstanden, sagte Verteidigungsminister Dimitar Stojanow laut dem lokalen Nachrichtenportal Nova Varna.
Ein Patrouillenboot der Grenzpolizei bringt die übrigen 16 Menschen an Land.
Nach seinen Angaben wurden zwei Hubschrauber nach Warna geschickt, um Rettungsteams aufzunehmen. Ein Su-25-Kampfflugzeug soll die Lage aus der Luft erkunden. Die Aktion koordiniert das Maritime Rettungsleitungszentrum.
Beide Schiffe sendeten in der Nacht Notrufe, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender BNR. Eines verschwand gegen neun Uhr Ortszeit (acht Uhr MEZ) vom Radar der Grenzpolizei.
Das bulgarische Schifffahrtsportal Maritime.bg identifizierte das gesunkene Schiff als Alfa Watan und das zweite als die unter palauischer Flagge fahrende Able. Die Webseite sprach von den ersten Angriffen auf die Schifffahrt in der ausschließlichen Wirtschaftszone Bulgariens.
Auf der Tracking-Webseite vesselfinder.com ist zu sehen, dass die Alfa Watan unter der Flagge Togos fuhr und auf dem Weg zum rumänischen Hafen Sulina war.
Das zweite Schiff hatte nach Angaben Radews Weizen geladen und war südwärts unterwegs. Welche Ladung sich auf dem gesunkenen Frachter befand, ist noch unklar.
Radew bezeichnete den Angriff als „absolut inakzeptabel“, ließ aber offen, wer die Drohnen gestartet hat.
Der Vorfall ereignete sich einen Tag, nachdem ein türkisches Frachtschiff mit Getreide im Schwarzen Meer von mindestens einer Drohne angegriffen worden war. Das Schiff fing Feuer und sank, wie zuvor berichtet wurde.